Mit Gottvertrauen und Überlebenswillen
Michael Smuss über seinen Weg vom Warschauer Ghetto ins KZ Flossenbürg

KZ-Überlebender Michael Smuss erzählte Neuntklässlern der Wirtschaftsschule in Weiden von seiner bewegten Vergangenheit. Mit dabei war auch seine Frau Ruthy. Bild: Götz

"Der liebe Gott hat mich mein ganzes Leben lang begleitet." Als 1939 der Krieg ausbrach, war Michael Smuss, geboren in Danzig, 13 Jahre alt. Dass er Jahrzehnte später zu den wenigen Überlebenden des Warschauer Ghettos zählt, verdankt er einer Reihe glücklicher Umstände, seinem Kampfgeist und Überlebenswillen.

Geschichte für die Jugend


Erst seit 1988 ist Smuss in der Lage, die grausamen Ereignisse von damals durch Malerei zu verarbeiten. Bis dahin wusste nicht einmal seine Frau von seiner Inhaftierung in Konzentrationslagern. Heute hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ein Stück Geschichte an die Jugend weiterzugeben. Seinen Leidensweg vom Warschauer Ghetto über Lublin bis zur Verlegung nach Flossenbürg im Jahr 1943 schilderte der Überlebende Neuntklässlern der Wirtschaftsschulen Weiden und Eschenbach.

Das Warschauer Ghetto war ein Gebiet, in das Juden aus Warschau und den umliegenden Städten zusammengetrieben wurden. "1941 hat die Vernichtung der Leute angefangen, und dann wurden jeden Tag ungefähr 6000 in die Konzentrationslager gebracht", erinnert sich Smuss. Ende April 1943 rollte ein Zug mit Smuss und den letzten Überlebenden in Richtung des Vernichtungslagers Treblinka. Plötzlich blieb der Zug stehen und änderte anschließend die Richtung nach Lublin, weg vom Vernichtungslager. Smuss sieht dies als ein Zeichen Gottes an.

Schließlich wurde er Zwangsarbeiter für die Heinkel Flugzeugwerke. Nach Liquidierung der Fabrik sollten er und die anderen Zwangsarbeiter für die Messerschmitt-Werke arbeiten. Sie wurden bis Auschwitz und schließlich nach Floß transportiert, um von dort nach Flossenbürg zu laufen.

Endstation Flossenbürg


Ankunft in Flossenbürg war am 2. August 1944. "Die Messerschmitt Werke haben uns das Leben gerettet", sagt Smuss: Die Arbeit habe ihnen sozusagen das Überleben gesichert. Im April 1945 wurde das Lager aufgelöst. Wieder in einen Zug gesteckt, ging es nach Schwarzenfeld, von dort aus zu Fuß weiter. Wohin - das wussten die Betroffenen damals nicht. In einer Scheune in Stamsried fiel Smuss nach sieben Tagen ohne Essen in Ohnmacht, als er aufwachte befand er sich in Obhut der Amerikaner. "Wo bin ich? Im Himmel?", waren seine ersten Gedanken. Wieder bei Kräften, kehrte er nach Polen zu Mutter und Schwester zurück.

Seit 1979 lebt Smuss mit seiner Frau Ruthy in der israelischen Stadt Tel Aviv. Seine Bilder sind im Washingtoner Holocaust-Museum ausgestellt. Die Veranstaltung an der Wirtschaftsschule wurde durch die Gedenkstätte Flossenbürg anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung organisiert.
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