Mittelloser 27-Jähriger bestellt eklusiven Schmuck und Mode für 18000 Euro
"Callboy" mit Hang zum Luxus

Ein 27-jähriger "Callboy" ist am Amtsgericht Weiden wegen Betrugs verurteilt worden. Er lebte zuletzt im Elternhaus eines 16-jährigen Freundes im Landkreis Tirschenreuth und bestellte von dort exklusiven Schmuck und Markenmode im Wert von über 18 000 Euro.

Weiden/Tirschenreuth. Wegen Betrugs in 25 Fällen und weiteren sieben Versuchen verurteilten Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und zwei Schöffen den 27-Jährigen zu 3 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe. Der Berufslose hatte seinen Wohnsitz zuletzt in einer niederländischen Grenzstadt, ehe er bei einer Familie im Landkreis Tirschenreuth logierte. Von dort bestellte er unter falschem Namen die Waren im Internet - bezahlt hat er nie.

Ende 2015: Wenige Monate nach seiner letzten Haftentlassung fand der Ledige Anschluss bei der Familie in der Oberpfalz. Zu deren homosexuellem Sohn baute er - auch mittels großzügiger Geschenke - eine Beziehung auf. Gegenüber dem 16-Jährigen und dessen Mutter gab sich der 27-Jährige unter falschem Namen als amerikanischer Staatsbürger mit Diplomaten-Status aus. Und - nach eigener Aussage - als "Mann mit Vermögenshintergrund".

Tatsächlich war der 27-Jährige eine recht verkrachte Existenz. Die Mutter hatte ihn verlassen, Verwandte setzten ihn auf die Straße. Danach habe er sich als Stricher durchgeschlagen: in den USA, in Frankreich, Polen und in der Schweiz. Zuletzt, so gab der in Essen Geborene bereitwillig zu Protokoll, habe er sich "in den Niederlanden eine Existenz im Callboy-Business" aufgebaut. Als Callboy habe er bis zu 5000 Euro pro Tag verdient - bis er den jungen Oberpfälzer kennenlernte und zu ihm zog.

"Kontrollierte Zustellung"


Bei einem exklusiven Versandhaus für hochpreisige Markenkleidung bestellte er teure Jeans, Sneakers, Blousons und Shirts, aber auch Manschettenknöpfe, Armkettchen und Colliers im Gesamtwert von 18 116 Euro. Als die Firma bemerkte, dass die angegebenen Kontoverbindungen falsch waren, führte ein Sicherheitsmitarbeiter mit Polizeihilfe eine "kontrollierte Zustellung" aus und konnte den Betrüger überführen.

Den Schmuck hatte der 27-Jährige bereits an einen Weidener Juwelier zum Goldpreis verkauft. Die Kleidungsstücke konnten größtenteils noch sichergestellt werden. Staatsanwältin Sandra Dechant bezeichnete den Angeklagten als "Intensivtäter". Er ist wegen gleichartiger Delikte zwölffach vorbestraft. Insbesondere die schnelle Rückfallgeschwindigkeit nach mehrmaligem Einsitzen wertete sie als erschwerend. Die Staatsanwältin forderte dreieinhalb Jahre.

Rechtsanwalt Rouven Colbatz hielt dies für "reichlich überhöht". Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft sah er keine Gewerbsmäßigkeit im Handeln seines Mandanten. Er plädierte auf eineinhalb Jahre Haft.
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