Montessori-Schule startet im Jubiläumsjahr mit gesunder Mittagskost durch
„Muskelkraft“ und „Bazillenjäger“

"Wurzelkraft" nennt sich das Möhren-Petersilien-Gemüse, das Edith Kummer - sie arbeitet als Unterrichtsbegleitung an der Montessori-Schule - hier austeilt. Bei den Buben und Mädchen - knapp 30 der insgesamt 50 Schüler nutzen das Mittagessen - kommt das neue Angebot im Jubiläumsjahr an. Bilder: Schönberger (2)
 
Rita Brüderer zaubert täglich etwas Frisches auf den Tisch - mit der richtigen Würze. Schließlich ist die Hauswirtschafterin auch ausgewiesene Kräuterexpertin.

"Volle Punktzahl", sagt Finn. Und das in vier Kategorien: Vorspeise, Hauptspeise, Salat und Nachspeise. Dabei ist der Siebenjährige - wie fast alle Kinder - durchaus kritisch, was Essen betrifft. Aber bei den leckeren Gerichten von Rita Brüderer kann er nicht meckern.

Das heißt, manchmal vergibt der junge Mann auch nur 37 Punkte. Wenn beispielsweise Nüsse dabei sind. Die mag er nicht. Doch am Dienstag gibt es die vollen 40 Punkte. Wofür? Für ein "Blattsalätchen mit Farbtupfern" aus Paprika und Radieschen. Als Hauptspeise gibt es "Wurzelkraft". Dahinter verbirgt sich ein Möhren-Petersilien-Wurzelgemüse an gefüllten Eiern. Als Dessert hat die Küchenchefin der Montessori-Schule ein Saure-Sahne-Soufflé zubereitet. Und all das kommt bei den Kindern an. Zum Erstaunen mancher Eltern übrigens.

Neuheiten zum Jubiläum


Seit 15 Jahren besteht die Montessori-Schule in Weiden, seit 25 Jahren der Trägerverein "Gemeinsam lernen - Gemeinsam leben" (siehe Kasten). Zum Jubiläum hat sich die Einrichtung zwei Neuerungen geleistet. Eine Köchin, die gesunde Brotzeiten und Mittagsgerichte zubereitet: "Rein vegetarisch, 100 Prozent biologisch und ohne Kuhmilch, weil viele Kinder die nicht vertragen", sagt Gerda Högl-Siegler. Die zweite Neuerung: eine Hausaufgabenbetreuung von 14 bis 15.30 Uhr. Sie wurde auf Wunsch mehrerer Eltern eingerichtet.

10 Kinder werden hier von jeweils 2 Lehrerinnen betreut. "Sie wechseln sich ab", erklärt Betriebsleiterin Högl-Siegler. "Zuständig sind immer die Lehrkräfte, die den Stoff am Vormittag erarbeitet haben." Die Hausaufgabenbetreuung wurde in diesem Schuljahr erst mal zur Probe eingerichtet. Ob sie auf lange Sicht beibehalten wird, steht noch nicht fest. "Dazu müssen die Erfahrungen erst noch ausgewertet werden."

Dass die Mittagsküche beibehalten wird, ist dagegen keine Frage. Mit Rita Brüderer, gelernte Hauswirtschafterin mit einer Zusatzausbildung als Kräuterexpertin, hat die Schule aber auch "einen Glücksgriff gemacht", schwärmt Gerda Högl-Siegler. "Im Herbst beobachten die Kinder ganz gespannt, wenn sie durch unseren Garten geht. Dann gibt es einen Wildkräutersalat oder lila Blüten aufs Gericht." Und die Kinder essen das? "Ja, sogar gerne." Na gut, etwas Überzeugungsarbeit war am Anfang schon nötig, räumt die Betriebsleiterin ein. Das ganze Team hat sich bei einer Ökotrophologin in Sachen Ernährung fortgebildet. "Wir wollten eine zukunftsweisende Ernährungsform für unsere Kinder finden, die Allergien ebenso berücksichtigt wie die CO2-Bilanz." Deshalb der Verzicht auf Kuhmilch und Fleisch.

Buben wollen Muskeln


Umso häufiger finden sich Linsen, Erbsen oder Rohkost auf dem Speiseplan. "Man muss den Kindern nur erklären, wofür das gut ist", meint Gerda Högl-Siegler. Bohnen und Linsen beispielsweise enthalten viel Eiweiß. Das ist gut für den Muskelaufbau. "Das hat die Buben gleich interessiert. Und Kohlenhydrate braucht man für Power, also zum Rennen am Nachmittag." Eine Buchweizenpfanne ist da gerade recht.

"Der Salat enthält Vitamin C, die Joghurtsoße Eiweiß", analysiert Kyrill (10) sein Essen, dass er sich - wie alle anderen - schmecken lässt. Bis zu 30 Kinder treffen dazu ab 13 Uhr in einem Klassenzimmer an liebevoll gedeckten Tischen zusammen. Reden ist erlaubt. Trotzdem hält sich der Geräuschpegel in Grenzen. Alle stehen brav an, keiner schreit oder tobt. Und - was verblüfft - allen Kindern schmeckt's. Selbst Sellerie-Rohkost mit Äpfeln. Kein Wunder: Das ist ja auch ein "Bazillenjäger".

25 Jahre "Gemeinsam lernen - Gemeinsam leben"Heutzutage ist Inklusion in aller Munde. Vor 25 Jahren dagegen war das Ganze in Weiden kein Thema - mit Ausnahme einer kleinen Gruppe von Fachkräften und betroffenen Eltern. Sie haben auf Initiative der Heilpädagogin Gerda Högl-Siegler am 24. Januar 1991 den Verein "Gemeinsam lernen - Gemeinsam leben" aus der Taufe gehoben.

Erster Vorsitzender des Vereins war der inzwischen verstorbene Pfarrer Roland Schwarz . Zu den Vorstandsmitgliedern zählten außerdem Regina Bittner, Christine Rokosch, Gerda Högl-Siegler und Max Hohlrüther, der später den Vorsitz übernahm. Inzwischen leitet Beate Spickenreuther den Jubel-Verein.

"Unser Ziel war die Inklusion von Kindern mit besonderem Förderbedarf in Regel-Kindergärten und -Schulen", sagt die Heilpädagogin. Stadträtin Waltraud Koller-Girke (SPD) habe das Konzept unterstützt, das später im AWO-Kindergarten "Kunterbunt" und dem städtischen Kinderhaus "Tohuwabohu" umgesetzt worden sei. Der Verein selbst hatte vorher für eine derartige Einrichtung keine Genehmigung von der Stadt erhalten. Dafür setzte er - 10 Jahre nach der Gründung - die Einrichtung der Montessori-Schule durch und übernahm auch selbst die Trägerschaft. Von Anfang an waren hier Kinder mit besonderem Förderbedarf integriert. Die Schulplätze sind heiß begehrt. Auch im kommenden Herbst stehen für 45 Interessenten nur 12 Plätze zur Verfügung. Das Vergabeverfahren läuft in den nächsten Wochen.

Groß gefeiert werden die Jubiläen - 25 Jahre "Gemeinsam lernen - Gemeinsam leben" und 15 Jahre Montessori-Schule - am 18. Juni mit der Ausstellung einer Glaskünstlerin. "Ansonsten stehen bei dem Fest wie immer unsere Kinder im Mittelpunkt", sagt Gerda Högl-Siegler. Während des Jubiläumsjahres ist außerdem ein Fachvortrag über Inklusion geplant. Für die Schüler gab es bereits vor zwei Wochen eine besondere Aktion: Peter Hofmann - "ein begnadeter Zauberclown, der uns seit 20 Jahren begleitet" - gestaltete ein Zirkusprojekt, bei dem die Kinder Jonglieren und vieles mehr lernten. Ein Riesenspaß für die Kleinen. (ps)
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