Mütterfreundliches Gericht kürzt Verhandlungstage
In Haft wartet hungriges Baby

Symbolbild: dpa

Mütterfreundlich: Die 1. Strafkammer am Landgericht hat die Verhandlungstage im Schleuserprozess gekürzt. Künftig ist Mittag Schluss. Hintergrund: Die Angeklagte (29) muss zu ihrem Baby in die JVA Aichach. Die Ungarin hat vor vier Monaten in Haft ein Kind geboren, das noch gestillt wird - und die Flasche verweigert.

Der Prozess gegen das ungarisches Ehepaar wegen bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern wird damit länger dauern als geplant, teilte Landgerichtssprecher Markus Fillinger mit. Das Gericht hat weitere fünf Tage angesetzt.

Die 29-Jährige ist in der Mutter-Kind-Abteilung des Frauengefängnisses untergebracht. Für die Gerichtstage bleibt das Baby allein zurück. Die Mutter ist zwölf Stunden außer Haus: Um 6 Uhr fährt der Polizeibus nach Weiden, ab 9 Uhr wird verhandelt, am frühen Abend erfolgt die Rückfahrt. Vier Prozesstage sind bisher gelaufen. In Aichach war derweilen die Hölle los: Das Baby schrie nach Auskunft der Mitgefangenen unablässig.

Vorsitzender Richter Walter Leupold half der ratlosen Ungarin jetzt aus der Patsche: Künftig ist mit Zeugenvernehmungen mittags Schluss, damit die Still-Mama am Nachmittag wieder in Aichach ist. Die 29-Jährige hat nach einem Verständigungsgespräch alles zugegeben. Das Problem ist ihr Mann: Der 41-Jährige will nicht gestehen. Daher erfolgt eine umfangreiche Beweisaufnahme mit etlichen Auslandszeugen. Der Ungar schiebt die Verantwortung auf seine Frau.

In den Zeugenaussagen hört sich das anders an. Am Montag und Dienstag hörte das Gericht wieder einige Schleuserfahrer. Die Ungarn beschrieben, wie sie sich auf eine Facebook-Anzeige hin als Fahrer bewarben. Die Angeklagten lebten damals im Odenwald. Einer der Fahrer besuchte das Paar dort sogar und wurde auf Nachfrage vom Mann beruhigt, dass mit den Fahrten alles seine Ordnung habe. Die Angeklagten legten ihm einen "Vertrag für die Personenbeförderung" vor, der dem ganzen Unternehmen einen legalen Charakter gab.

Laut Anklage soll das Paar die illegale Einreise von 110 Flüchtlinge von Budapest nach Deutschland und Österreich organisiert haben.
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