Mundart-Leseabend im Alten Schulhaus
Schwarzstorch abgeschoben

Die Mundartdichter um Horst Peugler gruppiert. Von links: Wolfgang Leo Bäumler, Julia Pannrucker, Markus Keßler, Uli Keltsch, Stadtrat Gerald Bolleiniger, Günter Alois Stadler und Gertraud Mois. Bild: hcz

(hcz) Das traurige Schicksal des Schwarzstorchs beleuchtete Markus Keßler beim Mundart-Leseabend im "Alten Schulhaus". Das arme Tier, das über die Balkanroute oder auch gleich über das Mittelmeer - angeblich illegal - nach Deutschland eingereist war, wurde gleich "einkassiert", musste seinen Krempel und seine "Alte" einpacken und wurde abgeschoben. Wäre er ein Weißstorch gewesen, man hätte ihn, besonders in unserer Gegend, auch gut brauchen können. Stürmischen Applaus erntete der Windischeschenbacher Mundartdichter für seine Allegorie über Asylsuchende.

Aber auch Wolfgang Leo Bäumler, Julia Pannrucker, Gertraud Mois, Uli Keltsch und Günter Alois Stadler waren wieder in Hochform bei der Lesung des Arbeitskreises Mundart. "Freut euch des Lebens...", gab Musiker Horst Peugler vor. Dazu zahlreiche volkstümliche Melodien, die auch ihm, dem Zither- und Akkordeonvirtuosen aus Vohenstrauß, viel Applaus einbrachten.

Schwere Redensart


Stadler begrüßte als Stadtheimatpfleger und Leiter des Arbeitskreises gut hundert Freunde des Brauchtums. Stadtrat Gerald Bolleiniger überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters und bestätigte anhand eines eigenen Erlebnisses, dass Mundart manchmal schwer zu vermitteln ist. Wie hätte er, Bolleiniger, einem "Preißn" die Redensart erklären sollen: "Dir wer'n mir scho zeig'n, wo der Bartl den Most holt"?

Bäumler, der Lehrer von der "Rennerhöhe" und "Gastwirtschaftsliebhaber", zeigte anhand von Beispielen auf: "Geld regiert die Welt." Sogar amerikanischer Präsident könne man damit werden. Dass Fortschritt nicht immer das Gelbe vom Ei ist, bewies er mit einer Geschichte vom "Schröidl Sepp". Jahrzehntelang war diesem seine "Alte" nicht hinter das Verhältnis mit der Nachbarin gekommen. Man hatte sich per Vogelruf, per Hupen mit dem Traktor, per Telefon verabredet. Erst eine Verabredung per "What's-App" hatte den Sepp verraten, weil er eine falsche Adresse eingegeben hatte.

Julia Pannrucker (Waldsassen), Bäumlers Tochter und erst zum zweiten Mal im Kreis der Autoren, schilderte in Versform den geregelten Tagesablauf ihres Vaters, eines "Gewohnheitstiers". Anschaulich schilderte sie auch das "Schaulaufen" an Allerheiligen, die Hoffnung auf das Bestehen der Begleithundeprüfung und die Leiden einer jungen Mutter: "Mit dem Baby is' halt die Nacht immer zu wenig."

Zauber des Zoigls


"Vergelt's Gott", sagte Gertraud Mois in einem Gedicht dem Stadtheimatpfleger für seine Vorarbeiten auf die Mundartlesungen. Die Denkenreuther Bäuerin bringt stets etwas Besinnliches in die Abende ein. So auch diesmal mit ihrer Anregung zum Umweltschutz und zum Nachdenken. "Lachen kost' nix", stellte Uli Keltsch dichterisch fest und berichtete von einer verschluckten Goldplombe, die, nach natürlichem Abgang, nun wieder in seinem Gebiß prangt. Was "A guats Bier" ausmachen kann, verriet Stadtheimatpfleger Stadler, der den Kreis der Dichter seit dem Tod des Gründers Rudi Zenger leitet. Zank und Streit werde geschlichtet. Beim Zoigl und einer guten Wurst fühle er sich "sauwohl".

Gibt's im Oktober Nikolaus, dann woißt, eitz is' mi'm Sommer aus.Markus Keßler
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