Mutter gibt 17-Jährigem Drogen
Geständnis wirkt sich milde auf Strafe aus

Dass auf die Abgabe von Rauschgift an Jugendliche drakonische Strafen stehen, wusste eine 37-Jährige. Als die selbst schwer Abhängige einmal einen Bekannten beim Crystal-Verkauf an einen 17-Jährigen sah, sagte sie zu ihm: "Lass die jungen Leute da raus! Das ist zu gefährlich." Trotzdem ließ sie sich überrumpeln, eben jenem jungen Mann ein halbes Gramm Methamphetamin zu übergeben.

Ein inzwischen wegen Drogendelikten und Einbrüchen in Haft Sitzender hatte die Frau zu dem 17-Jährigen geschickt. Der 33-Jährige hatte vorher bei der Frau aus dem südlichen Landkreis Tirschenreuth angerufen und sie gebeten, ihr mit einer "Line" auszuhelfen, da er es sonst nicht mehr zur Arbeit schaffe. Der Jugendliche war später aufgeflogen, weil er in der Berufsschule Kunden anwerben wollte. Bei der Polizei hatte der Schüler dann eine "Lebensbeichte" abgelegt und 14 Dealer oder Konsumenten verraten. 13 von ihnen hätten inzwischen auch "reinen Tisch" gemacht. Lediglich einer leugne noch, berichtete ein Polizeioberkommissar als Zeuge vor der 1. großen Strafkammer, wo gegen die Ledige verhandelt wurde.

Die Mutter einer Tochter im Kindesalter gestand, nach einigem Hin und Her, das Alter des Jugendlichen gewusst zu haben. Dieses Geständnis hielt ihr Staatsanwalt Rene Doppelbauer zugute. Außerdem wertete der Ankläger strafmildernd, dass der 17-Jährige bereits drogenerfahren gewesen war und nicht durch die Angeklagte an das Crystal herangeführt worden war. Zudem hatte Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder ihr verminderte Zurechnungsfähigkeit bescheinigt. Erschwerend sei, so Doppelbauer, jedoch die lange Vorstrafenliste zu werten. 13 Mal, davon vielfach einschlägig, sei die Hartz-IV-Empfängerin vorbestraft, habe mehrmals Bewährungen nicht durchgestanden und habe deshalb auch schon mehrfach eingesessen. Doppelbauer forderte zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe.

Die Verteidiger Volker Beermann und Carola Rosenberger widersprachen der Einschätzung des Anklagevertreters nicht. Beermann regte an, dass man den Vollzug der Strafe aussetzen könne, wenn die Verurteilte sofort eine ambulante Drogentherapie antritt. Sollte sie diese durchhalten, könne man die Strafe zur Bewährung aussetzen.

Landgerichtspräsident Walter Leupold, Richter Markus Fillinger und die zwei Schöffen verurteilten die Frau zu zwei Jahren. Sie dürfe aber erst die Therapie antreten. Das Urteil wurde sofort angenommen.
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