Nach Merkels "Mea culpa": Jetzt ist die CSU am Zug

Der Einigungsdruck wächst. Anfang November steht der CSU-Parteitag an, wenig später der CDU-Parteitag. Und noch immer ist offen, wer wen einlädt, wer wo spricht. Doch sicher ist, dass sich die Szene vom Herbst 2015 nicht wiederholen soll, als Horst Seehofer der Kanzlerin vor versammelter Mannschaft die Leviten las.

Angela Merkel hat diese Woche das Ihrige zur Befriedung beigetragen. Indem sie Fehler in der Flüchtlingspolitik einräumte. Indem sie ihren legendären Satz "Wir schaffen das" uminterpretierte von einem trotzigen Postulat in eine vage Hoffnung. Die öffentliche Rede folgt damit langsam der Realpolitik. "Freundliches Gesicht" und "Willkommenskultur" - das war vorgestern.

Bleibt eigentlich nur noch der Unionsstreit um die Obergrenze. Und in diesem Streit wird sich jetzt die CSU bewegen müssen. Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hat die Kompromisslinie schon vorgegeben, indem sie die Obergrenze umdeutet in eine variable Orientierungsgröße. Wenn Seehofer den Streit unter Schwestern nicht ins Groteske treiben will, wird er auf die Kompromisslinie einschwenken. Denn die CSU ist vielschichtiger, als Seehofer glauben machen will. Da ist Entwicklungshilfeminister Gerd Müller, der nicht müde wird, einen Marshallplan für Nordafrika zu fordern. Da ist die Fraktion von Alois Glück oder Hans Maier, die das "C" im Parteinamen nicht zur historischen Folklore verkommen lassen wollen. Und da sind die Pragmatiker der Macht von der Landesgruppe in Berlin, die traditionell eher geneigt sind, sich mit der CDU zu arrangieren.

Die Aussöhnung der Union eilt. Denn nur gemeinsam können CDU und CSU den Höhenflug der AfD stoppen, die in Umfragen inzwischen bundesweit bei 13 bis 16 Prozent steht. Der Zwist in der Union war der beste Treibstoff, den Petry und Co. sich wünschen konnten.

albert.franz@derneuetag.de
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