Nach Raubüberfall am Hammerweg
Anklage gegen drei Tschechen erhoben

September 2015: Polizei und Staatsanwaltschaft geben bei einer Pressekonferenz in Weiden die Festnahme von zwei Hammerweg-Tätern in Tschechien bekannt. Unter den Zuhörern: die "Einsatzgruppe Siedlung" unter Leitung von Erstem Kriminalhauptkommissar Thomas Gallei. Der dritte Mann, ein massiv vorbestrafter Security-Mann aus einer 7000-Einwohner-Stadt nahe Pilsen, konnte schließlich im Januar verhaftet werden. Bild: Hartl

Dem Landgericht Weiden stehen ab Herbst drei große Prozesse ins Haus. Zunächst wird ab 1. September gegen vier Türken wegen Schleusung verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage gegen drei Tschechen wegen des Raubüberfalls am Hammerweg erhoben. Zum Dritten hat sich ein 34-jähriger Vohenstraußer wegen Totschlags an seinem Nachbarsbuben (9) zu verantworten.

Wegen des Überfalls am Hammerweg werden nach Auskunft von Landgerichtssprecher Markus Fillinger drei Tschechen vor Gericht stehen: ein Automechaniker (34) aus Pilsen, ein Gastwirt (44) aus dem Bezirk Eger und der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma (39) aus einem Ort im Bezirk Pilsen. Verteidiger sind die Weidener Anwälte Franz Schlama, Hans-Wolfgang Schnupfhagn und Tobias Konze, ein Angeklagter hat zusätzlich Dr. Jan Bockemühl aus Regensburg engagiert. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Christian Härtl, den Vorsitz der 1. großen Strafkammer hat Landgerichtspräsident Walter Leupold.

Laut Anklage haben die drei Angeschuldigten das Haus einer Familie am Hammerweg am 17. September 2015 gegen 20.30 Uhr betreten. Sie sollen zunächst den 71-jährigen Hausherrn angetroffen und geschlagen haben, kurz darauf auch dessen Frau (68) und deren Mutter (89). Die Täter waren auf Beute aus, aber mit dem gefundenen Bargeld und Schmuck im Gesamtwert von rund 20 000 Euro nicht zufrieden. Der Überfallene betreibt im Landkreis eine Werkstatt, die Täter vermuteten größere Werte im Haus.

Alle drei Geschädigten wurden gefesselt, geschlagen, getreten. Die drei Angeschuldigten sollen die drei Bewohner extrem unter Druck gesetzt und mit dem Tod bedroht haben. Unter anderem stach einer der Männer mit einem Messer unmittelbar neben dem Kopf der Überfallenen auf Polstermöbel ein. Auch eine Schreckschusspistole soll aufgesetzt worden sein. Landgerichtssprecher Fillinger möchte diese Details der Anklage nicht bestätigen: "Nach Anklage ist es zu Körperverletzungen, wiederholten Schlägen und Tritten und massiven Bedrohungen gekommen."

Erst nach vier Stunden verließen die Täter das Haus und hinterließen auf allen Etagen einen erheblichen Sachschaden. Die Geschädigten erlitten erhebliche Verletzungen: Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche, Prellungen, Schnitt- und Schürfwunden. Die Anklage lautet auf erpresserischen Menschenraub in Tateinheit mit schwerem Raub, räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Der Strafrahmen reicht von einer Mindeststrafe von fünf bis zu 15 Jahre.

Der angeklagte Security-Mann (39) ist nach NT-Informationen in Tschechien massiv vorbestraft. Die drei Angeklagten konnten im September und Januar in Tschechien festgenommen werden und befinden sich seit ihrer Überstellung in verschiedenen bayerischen Justizvollzugsanstalten. Ihre Festnahme ist einem aufmerksamen Weidener zu verdanken, der sich am Vortag des Überfalls das Kennzeichen des schwarzen 5er-BMWs notiert hatte. Ihm waren die Männer aufgefallen, als sie am Hammerweg parkten und herumgingen. Der Zeuge vermutete ein Ausspionieren für Einbrüche und gab die Nummer der Polizei weiter. Die Aufnahme des Kennzeichens in das polizeiliche System führte zu einem Treffer bei der Fahndung. In Bayern läuft seit 2006 an Autobahnen eine automatisierte Kennzeichenerfassung.

Weitere große ProzesseAm 1. September beginnt am Landgericht Weiden der Prozess gegen vier Türken wegen Schleusung (28 bis 37), zwei aus Baden-Württemberg, zwei aus der Türkei. Sie sollen Teil eines Schleuserrings sein, der überwiegend syrische und irakische Flüchtlinge streckenweise in präparierten Dieseltanks von Sattelzügen nach Tschechien, Österreich und Ungarn geschleust hatte. Von dort ging die Fahrt in Lkw, teils auch in Autos weiter nach Deutschland. Angeklagt sind 20 Fahrten. Zehn Prozesstage sind angesetzt.

Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährlicher Körperverletzung und Totschlag an einem Kind muss sich ebenfalls noch im Herbst ein 34-Jähriger aus Vohenstrauß verantworten. Der Mann soll das neunjährige Kind seiner Nachbarin so heftig geschlagen haben, dass es über Nacht an seinen Kopfverletzungen verstarb. Die Mutter hatte sich im Vorfeld sechs Wochen auf Kur befunden und dem alleinerziehenden Vater eines gleichaltrigen Kindes ihren Sohn anvertraut. Schon in diesen Wochen soll es zu Körperverletzungen gekommen sein, dem Buben soll auch Nahrung vorenthalten worden sein.

Laut Leitendem Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer befindet sich auch das Verfahren gegen einen Neustädter (31), dem ein Angriff auf seinen Vater mit einem Axtstiel vorgeworfen wird, kurz vor der Anklageerhebung. Gleiches gilt für die Anklage gegen einen 35-Jährigen aus Pressath, der an Ostern das Auto seiner getrennt lebenden Frau und deren Freund mit einem Tomahawk attackierte .
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