Nach Turbulenter Hauptversammlung: Noch keine Ruhe im Verein
Neue Runde bei Tafel

Symbolbild: Wilck

Auch nach dem turbulenten Wahlabend kehrt bei der Tafel keine Ruhe ein. Denn es bleibt unklar, wie es bei dem eingetragenen Verein weitergeht. Der neue alte Vorsitzende Josef Gebhardt jedenfalls lässt offen, ob er bei Neuwahlen nochmal antritt. Vieles hängt von der Vorstandssitzung heute ab.

Kaum war Waldtraud Ebneth am Freitag überraschend als Tafel-Vorsitzende gewählt, trat sie auch schon wieder zurück. Teile der Vorstandschaft verweigerten ihr die Gefolgschaft. Deshalb braucht es nochmals Neuwahlen (wir berichteten). Wann die über die Bühne gehen, ist noch unklar. Doch dafür steht fest: Die 66-Jährige steht nicht nochmal als Kandidatin zur Verfügung. Das erklärt sie am Montag - und nennt Gründe: "Ich will da ja keinen Unfrieden reinbringen."

Da scheint das Kind aber schon in den Brunnen gefallen zu sein. Denn auch Noch-Vorsitzender Josef Gebhardt zögert nach den Vorfällen hinsichtlich einer erneuten Kandidatur. Er will das Treffen des Tafel-Vorstands (heute, 11 Uhr) abwarten. Am Montag aber tat er wie gewöhnlich in den vergangenen beiden Jahren Dienst in der Tafel.

Doch wieso kandidierte Waldtraud Ebneth überhaupt? "Das war ganz spontan. Die Tafel-Mitarbeiter sind unzufrieden mit dem Umgangston von Herrn Gebhardt. Er fährt die Mitarbeiter scharf an. Wenn er sich nur ein bisschen menschlicher verhalten würde", erklärt die 66-Jährige, die Mutter einer Mitarbeiterin und seit drei Jahren Tafel-Mitglied ist.

"Das ging zu weit"


"Ja, ich bin definitiv der Chef hier", sagt Gebhardt gelassen. "Und vielleicht bin ich auch manchmal etwas ruppig." Zum Beispiel vor einem dreiviertel Jahr. Damals gab jemand Hunderte Kondome ab im Tafel-Laden am Stockerhutweg 24. Einige Mitarbeiter wollten sich überlegen, wie man die Gummis verteilt. "Plötzlich hörte ich, wie die Kondome lautstark im Laden angepriesen wurden. Da kommen Muslime, Menschen unterschiedlichster Kulturen. Das ging zu weit. Da bin ich laut geworden."

80 Mitarbeiter zählt die Tafel aktuell. "Und als ihr Chef schreckte ich bewusst auch sechs Wochen vor den Neuwahlen nicht davor zurück, durchzugreifen. Ich beschnitt diejenigen Mitarbeiter, die Lebensmittelkörbe für sich mitgenommen haben. Das nahm überhand und geht einfach nicht." Genauso wenig toleriere Gebhardt bei der Lebensmittelausgabe an Asylsuchende ausländerfeindliche Äußerungen. Entsprechend habe man Mitarbeiter abgemahnt. Ein Konglomerat aus den beiden Gruppen sowie einige Akteure eines "Zickenkriegs" (Zitat Gebhardt) haben ihm wohl einen Denkzettel verpassen wollen: "Dabei hätte man etwas ahnen können, als plötzlich 12 Neuanmeldungen für die Tafel kamen", sagt der Vorsitzende rückblickend.

Hat Gebhardt aber nicht. Die Wahl nahm ihren Lauf. "Vielleicht wurden sogar falsche Vollmachten benutzt. Vielleicht muss die ganze Wahl annulliert werden", mutmaßt der Tafel-Chef. Und dann wirft Gebhardt wie geplant für eine zweite Amtszeit seinen Hut in den Ring? "Das hängt von der Vorstandssitzung ab", wiederholt er. Und vom Zuspruch von außen.

Den von Waldtraud Ebneth hat Gebhardt: "Gegen seine Arbeit als Vorsitzender ist nichts einzuwenden. Ich weiß nicht, ob ein anderer das auch fertig gebracht hätte."
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Wolfgang Göldner aus Weiden in der Oberpfalz | 15.03.2016 | 11:32  
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