Nachfolger für Walter Leupold bereitet sich auf die neue Aufgabe vor
Karlheinz Beer: "Ich muss Stadtrat lernen"

Ohne Formular geht auch beim Einzug in den Weidener Stadtrat nichts. Karlheinz Beer hat das Schreiben des Oberbürgermeisters bereits im Haus: In der Stadtratssitzung am 9. Mai wird der 54-jährige Architekt und Stadtplaner vereidigt. Er gehört der CSU-Fraktion an.

"Ich hab' zwar nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht. Aber als erster Nachrücker ist es nicht ausgeschlossen, dass man doch noch die Chance bekommt, als Stadtrat in seiner Heimatstadt wirken zu dürfen", meint Beer. "Eine besondere Ehre und Herausforderung ist es dann allerdings, eine Persönlichkeit wie Walter Leupold beerben zu dürfen."

In den vergangenen 25 Jahren hat sich Dipl.-Ing. Karlheinz Beer ein überregionales Renommee als Architekt und Stadtplaner, aber auch als Preisrichter erarbeitet. Im achten Jahr führt er den Landesverband Bayern des Bundes Deutscher Architekten (BDA). "Jetzt muss ich Stadtrat lernen, mich einarbeiten. Man fängt als Neuer ganz hinten an. Andere müssen definieren, wo ich mich tiefer einarbeiten soll."

Aber wär' ein Wunsch frei, dann würde er sich natürlich gern in der Stadtentwicklung engagieren. Damit hat Beer Erfahrung. "Nichts macht den Erfolg oder Misserfolg der Stadt sichtbarer als die Resultate des Planens und Bauens", betont der Architekt, der 1994 aus Berlin nach Weiden zurückkam, nachdem er den Wettbewerb Naabwiesen gewonnen hatte. "Nur der Zentrale Omnibus-Bahnhof ist umgesetzt." Seitdem wohnt und arbeitet er im eigenen Architekturbüro in Weiden. In München betreibt er eine Außenstelle.

Beer ist Träger der Bayerischen Denkmalschutzmedaille. Er erhielt mehrere Bundespreise, stellt nahezu jährlich ausgewählte Projekte bei den Architektouren vor, und gehörte zu den aktiven Mitgliedern der BI "Unsere Stadt", die versuchte, die Dimensionen der Stadtgalerie auf ein für Weiden erträgliches Niveau zu bringen. "Ich habe nicht immer vorgetragen, was die Führungsspitze der Stadt hören wollte."

Legendär ist die von ihm initiierte Architektur-Vortragsreiche "Regionales Bauen", die ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Qualität beim Bauen zu schaffen versuchte. Natürlich seien Instrumente der Qualitätssicherung, "die neben der Kompetenz des Stadtrates installiert sind", für die Entwicklung der Stadt sinnvoll. Er steht Anregungen, einen Sonderausschuss Stadtentwicklung oder einen Gestaltungsbeirat in Weiden zu etablieren, sehr positiv gegenüber. "Wird die Qualität beim Planen und Bauen vernachlässigt, erzeugt dies die Missstände von morgen."

Bis zurück ins 16. Jahrhundert lässt sich die Familie Beer in Weiden nachweisen. Seine Mutter allerdings kommt aus Schlesien. "Das Wissen um die Schrecken der Vertreibung prägt meine Familie und auch mich", betont Beer, der sich eine offensivere Willkommenskultur für Flüchtlinge in Weiden wünscht.
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