Nächste Hürde für Turnerbund bei Grundstücksverkauf
Alt, aber brandaktuell

Symbolbild: dpa

Der Turnerbund muss Altschulden bedienen. Die nächste Tilgungsrate wird im Sommer fällig. Deshalb will der Verein einen Teil seiner Grundstücke - Beachvolleyball- und Fußballfelder - am Hammerweg verkaufen. Ein Investor möchte Bauland entwickeln. Doch bevor der Notar zur Tat schreiten kann, gilt es, über 100 Jahre alte Unterlagen zu prüfen.

Es war gar nicht so leicht für die Liegenschaftsabteilung der Stadt, alle Urkunden rund um die Grundstücke des Turnerbundes (TB) am Hammerweg auszugraben. "Sie reichen immerhin bis ins Jahr 1912 zurück", erklärt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. Nun aber liegen sie wieder aktuell auf dem Tisch. Mit interessantem Inhalt.

Bau- und Düngeverbot


Demnach ist für einen Teil der Fläche ein Bau- und Düngeverbot vermerkt. War's das mit der geplanten Wohnbebauung durch die Robl Entwicklungsgesellschaft GmbH auf einem Teil des insgesamt etwa 31 800 Quadratmeter großen Grundstücks? "Das ist obsolet", meint Bernhard Schlicht, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Turnerbunds. Seit Monaten führt er die Verhandlungen zum Grundstücksverkauf, setzt Entwürfe für den Notar auf.

Das Bau- und Düngeverbot rühre aus einer Zeit, argumentiert Schlicht, in der sich das Wasserwerk auf dem Areal am Hammerweg befunden habe. "Zwischenzeitlich steht das Werk aber in der Neustädter Straße. Die Eintragung ist nur nicht gelöscht worden." Für Stadtkämmerin Taubmann ist der Zusammenhang der Eintragung mit einem Wasserwerk vor Ort allerdings nicht erwiesen.

Unabhängig davon räumen die über 100 Jahre alten Verträge der Stadt ein dingliches Vorkaufsrecht ein. "Das ist für uns aber nicht das große A und O", sagt Schlicht. Die Stadt könne ihr Vorkaufsrecht ja ruhig geltend machen: "Uns ist schließlich egal, ob nun die Stadt oder die Investoren die Fläche kaufen." Allerdings gehe es um Beträge zwischen einer und zwei Millionen Euro, betont Schlicht und spielt auf die angespannte Haushaltssituation Weidens an.

Bleibt die Option, dass der TB an die Stadt eine Ablösesumme zahlen muss, damit diese auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet? "Ja, so etwas gibt es", sagt die Stadtkämmerin. "Aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt nur Theorie. Aktuell hat der Turnerbund die Unterlagen zur Prüfung der verschiedenen Dienstbarkeiten erhalten, das entspricht dem normalen Prozedere bei Grunderwerbsverhandlungen. Ergebnisse hierzu liegen uns noch nicht vor", sagt Taubmann.

Vermutlich auch deshalb, weil Schlicht verschiedene Baustellen beackern muss: "Es wird gerade überlegt, ob wir die Beachvolleyballfelder nicht doch in Richtung Glötznerstüberl verlegen. Auch die Leitungen, die im Boden sind, müssen eingezeichnet werden. Trotzdem bin ich mir sicher, in vier bis sechs Wochen deutlich etwas bewegen zu können."

Aufschub von der Bank


Geht es nach dem TB-Vorsitzenden, soll bis Frühsommer der Notarvertrag stehen. Zur Erinnerung: Ende August ist laut Schlicht die nächste Tilgungsrate für den Verein fällig. Das könnte zeitlich eng werden. Aber auch dafür hat Schlicht schon Pläne: "Wenn die Banken sehen, es handelt sich um einen ordentlichen Kaufkandidaten mit Bürgschaften, warten sie sicher noch ein paar Monate zu mit der Tilgung." Ob das mit Stadt, Investor, Notar und Bank so klappen wird? "Ich gehe immer vom Guten im Menschen aus", sagt Schlicht.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.