Nahost-Expertin Karin Leukefeld spricht über Syrien
„Eine hochexplosive Situation“

Informationen aus einem leidgeplagtes Land: Über Syrien sprach Journalistin Karin Leukefeld beim AK Asyl, vertreten durch Veit Wagner. Bild: Kunz

Ein Land mit großer Geschichte, ein Land im Krieg: Beide Seiten von Syrien beleuchtet ein Vortrag, bei dem es auch um die eigentlichen Erwartungen der Menschen an Europa geht.

Nahost-Expertin Karin Leukefeld glaubte zunächst, noch nie in Weiden gewesen zu sein, konnte sich dann aber doch an einen kurzen Aufenthalt erinnern. Während der Demonstrationen in Wackersdorf. "Ich wurde festgenommen und zur Polizeiwache in Weiden gebracht. Aber wirklich viel gesehen von der Stadt hab ich nicht."

Umso besser kennt sie die Verhältnisse in Syrien. Das machte sie bei einem Informationsabend deutlich, zu dem der Arbeitskreis Asyl unter Leitung von Veit Wagner ins Pfarrheim St. Josef eingeladen hatte. Zunächst beschäftigte sich die Journalistin und Buchautorin ("Flächenbrand") mit den Ursachen des Konflikts. Das Zweistromland sei die Wiege der Zivilisation. Auch wir Europäer profitierten heute von dem, was sich dort vor 10 000 Jahren entwickelt habe.

Brückenkopf nach Europa


"Unsere Wurzeln liegen in dieser Region." Früher habe das Gebiet am Euphrat und Tigris vom Wasseraufkommen profitiert. "Das war wichtig für das Agrarland." Dafür seien auch Kriege geführt worden. "Die Menschen waren ganz dringend angewiesen auf die Flüsse." Inzwischen dominierten dort Öl- und Gasvorkommen. Syrien speziell sei weniger mit Bodenschätzen gesegnet, dafür aber für die Golfregion und den Iran der Brückenkopf nach Europa.

Anschließend beleuchtete Leukefeld die brutale Aufteilung der Zweistrom-Region durch Frankreich und Großbritannien nach dem Ersten Weltkrieg. "Da wurden einfach neue Grenzen gezogen. Kurden und viele Beduinenstämme mussten sich plötzlich neu orientieren." Das Problem angereichert habe die Balfour-Erklärung von 1917, wonach zionistische Bestrebungen wohlwollend zu unterstützen sind. "Es gab schwere Proteste unter den arabischen Stämmen." Leuekfeld: "Man kann sagen, dass mit dem Frieden von Paris die Probleme begonnen haben."

Die Mandatsmacht über Syrien bis zu dessen Unabhängigkeit 1946 sei Frankreich gewesen. "Alles, was dort geschieht, dreht sich um Rohstoffe. Unsere Wohlstand fußt auf diesen Rohstoffen." Auf der anderen Seite sehe sich Russland in der Rolle des Hauptgaslieferanten nach Europa. Es gebe also die unterschiedlichsten Begehrlichkeiten. Unter Führung von Baschar al-Assad habe der arabische Raum zwischen 2000 und 2010 handelstechnisch geradezu geboomt. Man wollte sogar eine Gaspipeline unter dem Mittelmeer von Syrien nach Griechenland bauen. Dazu sei es aber nicht mehr gekommen. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs kämpften Tausende bewaffnete Gruppierungen, die von Katar, Riad und Kroatien über das Drehkreuz Ankara mit Waffen beliefert worden seien. Von dort habe man das Arsenal mit Lkws im Grenzgebiet zu Syrien verteilt. Im östlichen Mittelmeer stünden sich Fregatten und U-Boote der Amerikaner, Franzosen, Briten, Israelis, Syrer und Russen gegenüber. "Eine hochexplosive Situation."

Hilfe zwischen Bomben


Ferner zeigte die in Damaskus akkreditierte Journalistin Alltagsbilder, die veranschaulichen, wie sich die Menschen in den ausgebombten Städten ungeachtet der Religion und ethnischen Zugehörigkeit gegenseitig helfen und Solidarität zeigen. "So hat man Syrien lange Zeit gekannt."

Ein weiteres Thema war die Fluchtbewegung und die Frage, wie man den Menschen helfen könne. "Meiner Meinung nach gelingt das, indem man dort Frieden schafft und dazu beiträgt. Das ist auch eine Bitte, die viele Syrer immer wieder äußern. Europa soll lieber Frieden stiften, als dort immer wieder neue dubiose Kampfgruppen zu unterstützen."

Aktuell gebe es im Kriegsgebiet 500 lokale Waffenstillstände. "Die Syrer haben das selbst zustande gebracht. Aber sie wollen natürlich auch politische Veränderungen." Kinder zurück in die Schulen, Bauern zurück auf ihre Felder. Ein großes Problem stellten für viele Syrer die Geheimdienste, die unkontrolliert agierten.
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1 Kommentar
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 10.06.2016 | 12:24  
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