Netzbetreiber Tennet sucht Kontakt zur Öffentlichkeit
Langer Weg zur langen Leitung

Carolin Kürth von Tennet freut sich über sachliche Diskussionen zur geplanten Gleichstromtrasse durch die Oberpfalz. Bild: Götz

Weiden/Amberg. Von aufgeheizter Stimmung keine Spur mehr. Ganz anders noch, als vor rund zweieinhalb Jahren die ersten Pläne für eine Gleichstromtrasse quer durch die Oberpfalz bekannt wurden. Nun tendiere die Diskussion nicht mehr ausschließlich in Richtung "Nur nicht bei mir". Diese Bilanz zieht Carolin Kürth, Bürgerreferentin des Netzbetreibers Tennet, im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung nach den ersten Informationsforen des Unternehmens.

Im Jahr 2025 soll die Gleichstrompassage Süd-Ost, auch "SuedOstLink" genannt, Strom von Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) nach Landshut leiten. Schon während der Planungsphase will Tennet die Öffentlichkeit einbinden und lädt deshalb Landräte, Bürgermeister, Behördenvertreter sowie Sprecher von Bürgerinitiativen und Interessensgruppen zu Informationsforen ein. Die Resonanz der Teilnehmer sei positiv, berichtet Kürth. Obwohl es noch keine räumliche Planung gebe. Erste Vorschläge über mögliche Trassenkorridore will Tennet erst im Herbst vorstellen und dann eine erneute Einbindung der Öffentlichkeit starten.

Gemeinsam optimiert


Beim Ostbayern-Ring, den das Unternehmen ebenfalls baut, ist man da schon weiter. Für den Herbst erwartet Kürth die landesplanerische Feststellung der Genehmigungsbehörde, der Regierung der Oberpfalz. Anschließend folge die Planfeststellung, also die Genehmigung. Bis zum Jahr 2022 soll erstmals Strom durch diese Wechselstromleitung fließen. "Gemeinsam mit der Bevölkerung haben wir sehr viel optimiert", beschreibt Kürth den Einfluss der Bürgerbeteiligung auf die Planung.

Bei der Gleichstromtrasse soll es jetzt ähnlich laufen. Schon während die ersten konkreten Trassenpläne entworfen werden, wolle Tennet wissen, wo es möglicherweise Problememit der Leitung gebe. Derzeit definiere Tennet so genannte Raumwiderstandsklassen. Dabei gehe es um die Frage, wo keinesfalls das Stromkabel verlegt werden darf, wo unter bestimmten Voraussetzungen schon und wo in jedem Fall. "Das ist die Grundlage, um die Korridore zu ermitteln", erklärt Kürth.

"Eine Erleichterung"


Mit Hilfe eines Geoinformationssystems soll dann elektronisch der beste Korridor ermittelt werden. Tennet werde sich dabei an der Vorgabe der Bundesnetzagentur orientieren, möglichst die Luftlinie zwischen Wolmirstedt und dem Endpunkt bei Landshut einzuhalten. Am Ende werde die Bundesnetzagentur einen 1000 Meter breiten Streifen genehmigen, der aber sensible Bereiche wie Siedlungen und Naturschutzgebiete umgehen muss. Innerhalb dieses Streifens wiederum würden dann nur zehn bis 15 Meter für die Erdkabel benötigt. Die Festlegung auf eine Erdverkabelung der Gleichstrompassage habe in einigen Bereichen eine "Erleichterung" bewirkt, hat Kürth bei den Foren festgestellt. Der Naturschutzbund Nabu etwa spreche sich nicht mehr gegen das Projekt aus. Auch Vogelschützern sei das Erdkabel lieber als eine Freileitung. Und bei den Landwirten habe Tennet ebenfalls Vorbehalte ausräumen können. Eine Erhöhung der Bodentemperatur rund um das Kabel von etwa ein Grad sei für die meisten Bauern akzeptabel.

Zu den Kosten machten weder Kürth noch Pressesprecherin Ulrike Hörchens konkrete Angaben. "Erstmal geht Tennet in Vorleistung", sagte Hörchens. Allerdings werde der Investitionsbetrag über 40 Jahre auf die Verbraucher umgelegt.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/gleichstromtrasse
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