Neue Veranstaltungsreihe an Hochschule: Autor stellt Studie über junge Leute vor
Keine Sorge um die Jugendlichen

Werte, Gewohnheiten und Sozialverhalten der jungen Menschen erläutere der Mitautor der Shell-Studie, Professor Dr. Mathias Albert, bei seinem Vortrag. Bild: sbü

(sbü) Von wegen engstirnig. "Wir können bei der jungen Generation einen extrem hohen Toleranzgrad feststellen", berichtete Professor Dr. Mathias Albert in seinem Vortrag über die Ergebnisse der Shell-Jugendstudie 2015. Sein Vortrag war die erste Veranstaltung der neuen Reihe "WissensForum an der OTH in Weiden". Die Hochschule will damit regelmäßig aktuelle wissenschaftliche oder gesellschaftliche Themen beleuchten.

Zum Auftakt sprach "einer der renommiertesten deutschen Politologen", wie OTH-Professor Dr. Thorsten Hock einführend sagte. Albert lehrt an der Universität Bielefeld und hat zahlreiche Schriften und Bücher verfasst. Außerdem ist er einer der Autoren der Shell-Jugendstudie. Diese umfassende empirische Untersuchung über Jugendliche in Deutschland gibt es seit 1953 und gilt als Referenzwerk. Die Studie 2015 beschäftigte sich unter anderem mit Toleranz. Ein Ergebnis: "Der allergrößte Teil junger Menschen hätte überhaupt kein Problem damit, ausländische Mitbürger oder besondere Einzelgruppen der Gesellschaft als Wohnungsnachbarn zu haben", berichtete Albert. So antworteten zum Beispiel nur 11 von 100 der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit "lieber nicht" auf die Frage nach einer afrikanischen Familie in der Nachbarschaft.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch, wenn nach homosexuellen Paaren, Aussiedlern aus Russland, türkischen Familien, deutschen Sozialhilfeempfängern, kinderreichen Familien oder Studenten-WGs gefragt wird. Gegenüber früheren Befragungen habe es 2015 eine deutliche Verstärkung der Toleranz unter jungen Menschen gegeben, hielt der Professor fest.

Pragmatische Generation


Für die aktuelle Studie wurden 2558 junge Menschen in einem standardisierten Interview befragt. Generell kennzeichnete Albert 12- bis 25-Jährigen als "als pragmatische Generation im Aufbruch".

Insgesamt zeige die Befragung jedenfalls ein außerordentlich positives Bild der jungen Generation. Dazu zählen die hohe Bereitschaft, sich an Leistungsnormen zu orientieren, die starke Familienorientierung und der hohe Grad von Optimismus. Allerdings sei der Kinderwunsch gegenüber der Befragung 2010 von damals 69 auf jetzt 64 Prozent zurückgegangen. 81 Prozent sehen ihre Eltern als Vorbild für die Erziehung eigener Kinder. 99 Prozent bewegen sich im Internet, sehen dennoch Google und Facebook auch kritisch.

Jugendliche in Deutschland seien europafreundlich. 73 Prozent der Jugendlichen sind mit der Demokratie in Deutschland zufrieden. 41 Prozent sagen, dass sie sich für Politik interessierten. Im Jahr 2002 waren dies nur 30 Prozent. Allerdings müsse nach wie vor von einer Politikverdrossenheit gesprochen werden, denn "69 Prozent der 15- bis 25-Jährigen stimmen der Aussage zu, Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken."

Kritische Kluft


Insgesamt gesehen stehe Religion nicht im Zentrum des Wertesystems der Jugendlichen. Als den "kritischsten Punkt" der Studie bewertete Albert, dass "die Kluft zwischen mittleren und höheren gegenüber den unteren Schichten sehr konstant bleibt". Auch sei die Bereitschaft zu einer dauerhaften Bindung an eine Organisation sehr gering. Dennoch stellte der Wissenschaftler als Gesamtdiagnose fest: "Um die Jugendlichen in Deutschland braucht es uns nicht bange sein."

Vor Alberts Vortrag hatte OTH-Präsidentin Professor Dr. Andrea Klug das "WissensForum" eröffnet. Damit solle "die Öffentlichkeit in die Räume der Hochschule geholt werden". Gleichzeitig solle die Hochschule "noch mehr in den Köpfen der Bürger verankert werden".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.