Neuer Anlauf für Prozess nach Schlägerei in Neujahrsnacht
Ultras wieder im Zeugenstand

Die kleine Gruppe von Hooligans steht sicher nicht für die Mehrheit der Blue-Devils-Fans. Aber sie sorgt für mächtig Ärger für Polizei und Justiz. Ein Prozess gegen einen 20-Jährigen aus ihren Reihen mündete im Januar in einem Freispruch. Jetzt läuft ein Ermittlungsverfahren gegen einen anderen Weidener Eishockey-Fan (25). Mit seinem Prozess wird im Frühjahr gerechnet.

Noch immer geht es um eine Prügelei in der Kurt-Schumacher-Anlage, die mit Eishockey gar nichts zu tun hatte. In der Neujahrsnacht 2015 waren sich zwei Gruppen in die Haare geraten. Im Mittelpunkt: ein Abiturient (19), der der Weidener Hooligan-Szene zuzuordnen ist, und ein 24-jähriger Weidener. Zuschauer feuerten mit "Ultras, Ultras!"-Rufen an. Am Ende lag der 24-Jährige mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen am Boden: Folge eines Fußtritts.

Der Abiturient, inzwischen Student, ging dafür im Januar 2015 für einige Tage in U-Haft. Im Dezember 2015 wurde ihm der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung eröffnet. Das Verfahren mündete im Januar 2016 überraschend in einem Freispruch. Zwar war unbestritten, dass sich der Student mit dem 24-Jährigen geprügelt hatte. Aber plötzlich stand es bei den etwa 20 Zeugen fifty-fifty, wer denn am Ende gegen den Kopf getreten hatte. Die eine Hälfte bezichtigte weiterhin den Studenten. Dessen Freunde nannten übereinstimmend einen anderen Eishockeyfan als Täter: einen Monteur (25).

Aus allen Wolken gefallen


Für diese Entlastungszeugen könnte es selbst noch brenzlig werden: Sie hatten im Januar 2015 bei der Polizei ausgesagt, "nichts gesehen" zu haben. Elf Monate später benannten sie plötzlich glasklar einen Täter. Egal wann: Einmal haben sie gelogen. Ob Verfahren wegen Meineids oder Strafvereitelung anlaufen, dazu will sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern. Als Erklärung gaben die Freunde im Zeugenstand an, monatelang gedacht zu haben, dass sich der wahre Täter längst gestellt hätte. Als die Ladung kam, fielen die Jungs aus allen Wolken. Zwei schrieben Briefe an den Richter, um "alles aufzuklären".

Nach dem Prozess ist vor dem Prozess: Das Ermittlungsverfahren gegen den jetzt bezichtigten Monteur läuft nach Auskunft von Leitendem Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer noch. Mit einer Anklageerhebung könne im Frühjahr gerechnet werden. Auch die selbst ernannten "Ultras" müssten dann als Zeugen wieder ran.

Für den neuen Beschuldigten könnte es eng werden. Außer den Zeugenaussagen gibt es "schriftliche" Beweise. Während des Prozesses im Dezember hatte Staatsanwalt Peter Frischholz weitere Handys aus der Clique beschlagnahmt. Und siehe da - nicht alles ist gelöscht. Der Monteur tippte am 17. Januar selbst: "Ich war das zu 100 Prozent."
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