Neues Projekt in Weiden
Starthilfe für junge Flüchtlinge

Alexander Kießling. Bild: Porsche

Nach der Schule zählt ein Ausbildungsplatz wohl zu den wichtigsten Kriterien, um jugendliche Flüchtlinge erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren. Genau an diesem Punkt setzt ein neues Projekt an, das der Verein "Neue Zeiten" ins Leben gerufen hat.

Alexander Kießling stellte das Projekt in der jüngsten Sitzung des Integrationsbeirats vor. Seit 1. Oktober sind er und Arkadii Voloshyn als Ausbildungsaquisiteure für jugendliche Flüchtlinge der Stadt Weiden tätig. Träger sind der Verein "Neue Zeiten", dessen Vorsitzender Arkadii Voloshyn ist, und der Verein Ausbildungsring Ausländische Unternehmer mit Sitz in Nürnberg (Info-Kasten). Gefördert wird die Maßnahme über das Bayerische Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration.

Noch im Aufbau


"Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen den jugendlichen Flüchtlingen, Schulen, Betrieben, Arbeitsagentur und Kammern", erklärte Kießling. Ziel sei es, den jungen Menschen einen Ausbildungsplatz zu verschaffen und sie sprachlich darauf vorzubereiten. Denn Sprachprobleme zählten zu den größten Hindernissen beim erfolgreichen Start ins Berufsleben. "Die Jugendlichen haben oft gute handwerkliche Fähigkeiten, aber es fehlt an den erforderlichen Sprachkenntnissen."

Zielgruppe seien 16- bis 25-Jährige mit guter Bleibeperspektive, die als Asylbewerber also bereits anerkannt sind oder den Duldungsstatus haben. Aktuell befindet sich die Maßnahme noch in der Aufbauphase. "Unsere Aufgabe ist es, die Jugendlichen näher kennenzulernen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einzuschätzen und sie dann in einen passenden Ausbildungsplatz zu vermitteln."

Derzeit sind die Aquisiteure aber noch darüber, die nötigen Kontakte mit Schulen, Firmen, Berufsberatern und Kammern zu knüpfen. Erste Gespräche mit Arbeitsagentur, Berufsschule und mit Manfred Weiß, dem Koordinator Asyl-Ehrenamt der Diakonie, haben stattgefunden. "Wir wollen die bestehenden Strukturen unterstützen, wo es nur möglich ist und dabei helfen, mögliche kulturelle Unterschiede zu überbrücken."

Nachhaltige Unterstützung


Mit der Vermittlung einer Lehrstelle ist es für Alexander Kießling und Arkadii Voloshyn nicht getan. Sie werden Jugendlichen und Arbeitgebern ebenso während der Ausbildung bei Problemen zur Seite stehen. Ihr Büro befindet sich im Integrationszentrum, Arndtstraße 10. Hier können Gesprächstermine vereinbart werden. Interessierte können sich auch telefonisch an Arkadii Voloshyn (0176/2425 1903) oder Alexander Kießling (0160/8440 759) wenden.

Das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern. Dieses Ziel hat sich das Café Farbenfroh gesetzt, das sich als Ort der Begegnung versteht. Die Idee dazu kam aus dem Kirchenvorstand und von Gemeindemitgliedern von St. Michael, berichtete Angelika Beddig-Jaeger. Ein Dutzend Ehrenamtliche betreiben abwechselnd das Café im Haus der evangelischen Gemeinde jeden Mittwoch von 15 bis 17.30 Uhr. Die Zahl der Gäste variiert derzeit noch sehr stark. Menschen mit Migrationshintergrund hätten oftmals Hemmungen wegen Sprachproblemen, so die Erfahrung der Ehrenamtlichen. Deshalb habe sich die Begleitung durch Paten bewährt.

Café rückt ins Zentrum


Die Kirchengemeinde St. Michael habe das Projekt nicht zuletzt mit Blick auf das neue Einkaufszentrum gestartet. Beddig-Jaeger: "Unser Haus rückt dadurch noch stärker ins Zentrum. Wir hoffen, dass später auf dem Weg zum Parkhaus noch viel mehr Interessenten zu uns stoßen."

Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer e. V.Im Mai 1999 wurde der Verein Ausbildungsring Ausländischer (AAU) Unternehmer in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Nürnberg gegründet. Ursprüngliche Zielsetzung war es, die Ausbildung bei ausländischen oder aus dem Ausland stammenden Unternehmern in Nordbayern zu fördern, damit für junge Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch für deutsche Jugendliche zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden.

Um die Ausbildungsbereitschaft zu erhöhen und zu erleichtern, wurde ein System der Verbundausbildung installiert. Über 100 Lehrstellen wurden seitdem neu geschaffen. Die "Kausa Servicestelle" des AAU berät seit 2013 Unternehmer und Jugendliche mit Migrationshintergrund zum Thema berufliche Bildung. Im Februar 2016 wurde das Projekt auf die Zielgruppe Flüchtlinge erweitert. Ziel ist es, Flüchtlinge in der Ausbildung und ausbildende Betriebe zu unterstützen - ebenso wie es das Projekt in Weiden nun vorsieht. (ps)
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