Neues Projekt: Muttersprachlicher Unterricht für Schüler aus Ungarn
Zurück zu den (Sprach-)Wurzeln

Melinda Firbas fiebert geradezu danach, Sprachunterricht zu geben. Sie ist überzeugt, dass es in der Nordoberpfalz viele Kinder mit ungarischen Wurzeln gibt, die ihre Herkunftssprache noch besser lernen möchten. Dieses Projekt ist an der VHS bestens angesiedelt, meint Harald Krämer. Bild: Götz

Das hat in Weiden noch gefehlt: Ungarisch-Kurse für Kinder mit ungarischen Wurzeln, die in erster Linie Deutsch sprechen. Wenn alles gut geht, startet das Angebot bereits im Herbst.

Die Idee stammt von Melinda Firbas. Oder besser gesagt, vom Ungarischen Generalkonsulat und dem Ungarischen Institut München. Denn sie organisieren derartigen Unterricht in Kooperation mit örtlichen Partnern bereits seit dem Schuljahr 2014/2015 in Regensburg, München, Freising, Ingolstadt und Nürnberg. Der Freistaat Bayern macht sich seit 2009 für die Förderung der Mutter- bzw. Herkunftssprache bei Schülern mit Migrationshintergrund stark.

"Melinda Firbas ist die ideale Lehrerin." Davon ist Harald Krämer, an der Volkshochschule Weiden-Neustadt unter anderem zuständig für den Sprachenbereich, überzeugt. Auch wenn Firbas' Deutsch-Kenntnisse noch nicht perfekt sind. In Ungarisch macht ihr keiner was vor. Nicht nur, weil das ihre Muttersprache ist. Sie hat neben dem Diplom als Englisch-Lehrerin auch den Master in "Ungarisch als Fremdsprache" in der Tasche und war damit in ihrem Heimatland sogar unter den ersten, die dieses Studium absolvierten.

Als Krämer erfuhr, dass die 29-jährige Ungarin muttersprachlichen Unterricht in Weiden anbieten möchte, bot er gerne die VHS als Schulungsort an. "Die Politik in Ungarn ist bei uns zunehmend in der Kritik. Gleiches gilt für Europa", bedauert Krämer. "Deshalb müssen wir alles tun, um das europäische Miteinander zu fördern." Sprache sei hierfür die wichtigste Basis.

Wenn alles gut geht, soll das Projekt schon im nächsten Schuljahr starten. Vorausgesetzt, es finden sich genügend Interessenten. Das Kursangebot wendet sich an Kinder und Jugendliche, die bayerische Schulen besuchen. In der Regel werden pro Schuljahr 20 mal 3 Unterrichtsstunden abgehalten, entweder samstags oder an einem anderen Wochentag. Der Ungarisch-Kurs endet mit einem Zertifikat, das an bayerischen Schulen auch als freiwillige Leistung anerkannt werden kann. "Womöglich wird durch diesen Sprachnachweis das deutsche Abitur später gleichzeitig in Ungarn anerkannt", denkt Harald Krämer bereits weiter. Doch jetzt geht es zunächst einmal um den Sprachunterricht. 10 Kinder im Alter von 3 bis 15 Jahren, deren Eltern sie anmelden möchten, kennt Melinda Firbas persönlich. Angesichts der Altersspanne müssten differenzierte Gruppen eingerichtet werden. Die 29-Jährige könnte sich vorstellen, auch eine Unterrichtsgruppe für den Vorschulbereich anzubieten. Letztlich hängt alles von den Anmeldungen ab.

"Es kommen immer mehr Ungarn in unsere Region, um hier zu arbeiten", sagt Harald Krämer. "Den Familien ist es wichtig, ihre Wurzeln nicht zu vergessen." Deshalb sollen auch die Kinder Ungarisch lernen. "Vielleicht denkt der eine oder andere auch an eine spätere Rückkehr."

Traumberuf Lehrerin


Melinda Firbas hat in ihrem Bekanntenkreis die Erfahrung gemacht: "Viele Kinder sprechen schon gut Deutsch, aber nur wenig Ungarisch oder sie können es nicht schreiben." Die 29-Jährige, die von sich sagt, "Lehrerin ist mein Traumberuf" und in Ungarn bereits unterrichtet hat, will ihnen deshalb gerne Sprache, Schrift aber auch die Kultur ihres Heimatlandes vermitteln. In Zukunft könnten aber auch Erwachsene in diesen Genuss kommen, schwebt Harald Krämer vor. "Wir hatten öfter mal Anfragen von Einheimischen, die Ungarisch lernen wollten. Nur hatten wir bisher keine Lehrkraft." Diese Lücke ist jetzt gefüllt.

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Anmeldungen für Schüler sind möglich unter: ungschuleweiden@gmail.com oder info@vhs-weiden-neustadt.de
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