Noch kein Urteil im Schleuserprozess
Angeklagte muss unbedingt Baby stillen

Symbolbild: dpa

Eigentlich sollte der Schleuserprozess am Mittwoch enden. Doch die Angeklagte musste frühzeitig zurück in die JVA Aichach - um ihr Kind zu stillen. Plädoyers und Urteil folgen nun erst am Montag.

Nach zwölf Verhandlungstagen seit Mitte Mai wollte Landgerichtspräsident Walter Leupold mit dem Schleuserprozess gegen Zalan N. und Viola S. am Dienstag fertig werden. Aber die beiden Verteidiger Franz Schlama und Jörg Andre Harnisch wehrten sich vehement gegen sein Ansinnen. Und nachdem die weibliche Angeklagte vorbrachte, dass ihr Kind in der Justizvollzugsanstalt Aichach unbedingt gestillt werden müsse, ließ sich Leupold doch erweichen: Er brach die Sitzung kurz nach Mittag ab - wie die letzten Verhandlungstage auch.

Keine Zeugen mehr nötig


Um abermalige Verzögerungen zu verhindern, vergaß er nicht, die Beweisaufnahme zu schließen. Am Montag sollen nun die Plädoyers und das Urteil erfolgen. Dem 41-Jährigen und seiner 30-jährigen Ehefrau wirft Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl vor, von Deutschland aus ein "Reiseunternehmen" betrieben zu haben, welches Afghanen, Syrer und Iraker von Budapest nach Deutschland transportierte. Dass das "Reisebüro" auch legale Fahrten organisiert haben soll, ist zwar nicht erwiesen, laut der 1. großen Strafkammer aber auch nicht relevant. Ein entsprechender Beweisantrag von Rechtsanwalt Harnisch wurde daher als "unbegründet" zurückgewiesen. Ebenso ein knappes Dutzend weiterer Beweisanträge. Harnisch wollte weitere Zeugen aus Ungarn vorgeladen haben - allesamt laut Kammer unnötig oder ohne Beweiswert.

Weitere Stunden nahm die Verlesung der Protokolle von in Ungarn vernommenen Fahrern der Schleusungen in Anspruch, die meist an der Grenze bei Passau aufflogen. Sie hatten berichtet, dass sie geglaubt hätten, sie sollten ungarische Arbeiter nach Deutschland bringen. Allerdings hätten sie, wenn sie dann drei bis sechs "Schwarzen" je 300 bis 600 Euro abnehmen sollten, schon gewusst, "wie der Hase läuft". Bei Telefonaten mit der Auftraggeberin hätten sie zwar nie mit dem Mann gesprochen, jedoch seine Stimme im Hintergrund gehört und den Eindruck gehabt, er ziehe die Fäden.

Gärtner und Masseurin


Im Gegensatz zu seiner Frau ist der Mann nicht geständig. Beide sind in Deutschland nicht vorbestraft. Die beiden Ungarn arbeiteten früher in Österreich, Italien, den Niederlanden, Belgien, Ungarn und Deutschland in verschiedensten Berufen wie Gärtner, Cafébesitzer, Sicherheitsunternehmer oder "ayurvedische Masseurin". Das gemeinsame Kind, das nun im Gefängnis aufwächst, kam im Herbst 2014 zur Welt.
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