Noch nicht alle Wünsche erfüllt
Jugendring will neues Juz und höhere Zuschüsse

Lob heimste der Stadtjugendring in der Vollversammlung für seinen neuen Internet-Auftritt ein. Übersichtlicher und moderner ist er. Und ziemlich nützlich: Schon im Vorfeld jener Sitzung konnten sich Besucher beispielsweise über die Tagesordnung informieren. Die Adresse: www.sjr.de Bilder: rg (2)
 
Der Jugendring um Tobias Reichelt (oben, Mitte) will mehr Geld von der Stadt. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (vorne, Vierter von rechts) musste die Hoffnungen dämpfen.

Die "vierte Stelle" im Juz ist besetzt, der Grundlagenvertrag mit der Stadt nach schon mal zähen Verhandlungen unter Dach und Fach. Beim Jugendring kehrt die Gelassenheit zurück. Wunschlos glücklich ist er deshalb noch lange nicht.

"Es gibt doch noch Club-Fans", stellte der Oberbürgermeister fest. Und die saßen zum Relegationskrimi am Donnerstagabend wohl lieber vor dem Fernsehapparat als in der Vollversammlung des Stadtjugendrings (SJR). Erschwerend hinzu kam die Ferienzeit. Folge: SJR-Chef Tobias Reichelt und Geschäftsführer Ewald Zenger mussten vor Sitzungsbeginn einige bange Minuten überstehen, bis das Gremium mit 28 Delegierten dann doch knapp beschlussfähig war. Vielleicht aber auch ein Beleg dafür, dass sich die Lage derzeit weit weniger brisant darstellt als bei der letzten Versammlung vor einem halben Jahr.

Will heißen: Der neue Grundlagenvertrag zwischen Stadt und SJR, der beiderseitig die Aufgaben und Ziele regelt, ist mittlerweile unter Dach und Fach, die "vierte Stelle" im Jugendzentrum bewilligt und seit einigen Tagen mit Nico Erhardt (wir berichteten) besetzt. "Den Herausforderungen der Zukunft sehen wir derzeit wieder etwas gelassener entgegen", erklärte Reichelt, der allen Beteiligten ausdrücklich dankte.

Viele Ausfälle im Programm


2015 war das ganz anders. Nachdem sich das Juz-Team auf drei Hauptamtliche reduziert hatte, "entfiel so viel wie noch nie", bedauerte Zenger: Unter anderem mussten das Festival "Weiden tobt", Workshops für Mädchen und Angebote zur Gewaltprävention abgeblasen werden und für die "Skate-Night" andere Organisatoren einspringen. Dennoch engagierte sich der SJR wieder beispielsweise für "Need No Speed" und "Weiden ist bunt", stellte den enorm erfolgreichen "Dance Your Style"-Contest, das Kinderbürgerfest und die Ferienaktion auf die Beine.

Auch in entspannter Lage bleiben große Wünsche. Zum Beispiel der nach der Generalsanierung des Juz. Wobei Reichelt bemerkte: "Wir würden uns natürlich auch über einen Neubau freuen." Zudem erinnerte der Vorsitzende den Oberbürgermeister an seine Ankündigung, einer Anhebung der städtischen Zuschüsse für Jugendverbände im Jahr 2017 wohlwollend gegenüberzustehen. Derzeit betragen sie 33 000 Euro. 2015 hatten die Fördergelder erstmals nicht ausgereicht: Um allen Anträgen der Verbände zu entsprechen, fehlten laut Zenger über 2000 Euro.

OB: Weiter Sparzwänge


Seggewiß machte dem Jugendring da keine großen Hoffnungen: Nach wie vor müsse Weiden bei den freiwilligen Leistungen sparen. Trotzdem, so betonte er, "stehen Stadtrat und Verwaltung hinter der Jugendarbeit, so wie sie in Weiden gemacht wird". Belege seien die "vierte Stelle" im Juz, die zusätzlichen vier Stellen im Jugendamt, zwei weitere Schulsozialpädagogen und das Festhalten am "Schülercafé". Auch zur Sanierung des Jugendzentrums verwies der Rathauschef auf die angespannte Finanzsituation: "Das Juz ist generell auf der Liste. Wie die Pestalozzischule oder die Berufsschule. Doch im Finanzausschuss und im Stadtrat fallen sie seit Jahren runter." SPD-Fraktionschef Roland Richter erinnerte daran, dass immerhin keine Grundschule geschlossen und nun die Realschule saniert werde. Zudem führte er das Programm "Stärken im Quartier" an, das Kindern aus schwierigen Verhältnissen helfe. 800 Kinder aus Hartz-4-Familien profitierten vom Tafel-Essen in Weiden, sagte Richter: "Das sollten wir nicht aus den Augen verlieren." Namentlich dankte CSU-Stadtrat Michael Bihler den SJR-Vorstandsmitgliedern für ihre hervorragende Arbeit. Auch Jugendamtsleiterin Bärbel Otto sagte Dank - den Mitgliedsverbänden: "Ohne die Vereine wäre die Integration von Flüchtlingen nicht möglich."

Jürgen Preisinger (Bezirksjugendring, Kreisjugendring Tirschenreuth) gratulierte den Weidenern zum gelungenen neuen Internet-Auftritt (www.sjr.de). Skeptisch zeigte er sich gegenüber der neuen Satzung, die der Bayerische Jugendring ausarbeiten lässt: Preisinger gab zu verstehen, dass er die aufwendige, umfassende Reform für unnötig hält. Einstimmig unterstützten die 28 Delegierten einen Antrag der Naturfreunde-Jugend, die eine Jugendhilfeplanung der Stadt fordert (wir berichteten). Und wen's danach vor die Flimmerkiste zog, der sah immerhin noch die zweite Halbzeit des "Club"-Spiels.

Jugendforum will's wissen


Im Weidener Jugendforum könnten noch ein paar mehr junge Leute mitmischen. Derzeit bestehe es aus acht Jugendlichen, "sechs treffen sich regelmäßig", wie Sprecherin Theresa Weidhas in der Vollversammlung des Stadtjugendrings (SJR) berichtete. "Wir hätten gerne noch zwei oder drei mehr." Wobei die "Amtierenden" bei dem von "Arbeit und Leben Bayern" initiierten Projekt schon jetzt jede Menge auf die Beine stellen. Zum Beispiel eine Fragebogenaktion unter Schülern, wie sie mit den Angeboten in der Stadt zufrieden sind und welche sie sich noch wünschen.

Die Ergebnisse wertet das Jugendforum demnächst aus: bei einem Workshop am Wochenende 27. bis 29. Mai im Franz-Ettenreich-Haus in Altendorf (Pressath). Zudem sammeln die Teilnehmer Ideen für Projekte in Weiden und gestaltet ein Banner fürs Jugendforum. Die Ergebnisse werden bei der ersten große Konferenz am 18. Juni im Jugendzentrum vorgestellt. Beim Jugendforum können sich grundsätzlich alle interessierten Jugendlichen engagieren. Träger ist der SJR.

Verhandlungssache


In Fragebögen will der Stadtjugendring (SJR) mehr über seine Verbände erfahren - zum Beispiel die Mitgliedszahlen. Als "Munition", mit welcher der SJR seine Positionen in Verhandlungen stärker vertreten könne, wie Vorsitzender Tobias Reichelt erklärte. Damit schieße er "übers Ziel hinaus", entgegnete Roland Richter (SPD): "Der Jugendring hat ja bereits eine sehr starke Verhandlungsposition."


Eine Frage der Organisation


Ein Seitenhieb in Richtung CSU: "Wir hatten durchaus eine Organisationsuntersuchung in der Verwaltung", betonte OB Kurt Seggewiß beim Stadtjugendring. Die Prüfung habe dazu geführt, dass im Jugendamt vier zusätzliche, dringend benötigte Stellen geschaffen worden waren. Dennoch bekräftigte CSU-Stadtrat Michael Bihler, dass seine Fraktion an der Forderung nach einem umfassenden Organisationsgutachten festhalte. Denn das beleuchte die gesamte Stadtverwaltung - und nicht nur das Jugendamt.
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