Notar Dr. Thomas Schiffner referiert über Erbrecht und Testament
Erbe rechtzeitig verschenken

Vorsitzende Pauline Fenzel von der Selbsthilfegruppe Leukämie und Lymphome dankt Notar Dr. Thomas Schiffner für den lebendigen Vortrag zu Erben, Vererben und Testament. Bild: Dobmeier

(rdo) In zwei Drittel aller Todesfälle in Deutschland gibt es kein Testament. Die Folge: Es tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Ein Testament ermöglicht dagegen eine geregelte Erbfolge. Nichteheliche Lebensgefährten haben ohne Testament übrigens überhaupt kein gesetzliches Erb- oder Pflichtteilsrecht beim Tod des Partners.

Als sensible Themen bezeichnete die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Leukämie und Lymphome, Pauline Fenzel, das Vererben und das Testament. Sie begrüßte im Michaelszentrum zahlreiche Zuhörer des Vortrags, den Experte Dr. Thomas Schiffner hielt. Der Notar kann auf 14 Jahre Erfahrung in diesem Bereich zurückgreifen. Er betonte auch, dass mit dem Erben alle Rechte, aber auch alle Pflichten übernommen werden. Bei mehreren Erben sei eine Nachlassauseinandersetzung notwendig.

75 Euro bei Nachlassgericht


In einem Testament kann jeder zu Lebzeiten seine Vorstellungen der Erbberechtigten bestimmen, aber mit diversen Unterschieden. Bei der gesetzlichen Erbfolge kommen die Verwandten in einer Reihenfolge angefangen von den Ehegatten und Kindern zum Erbe. Die Erbquote ist abhängig vom Güterstand. Beim "Berliner Testament" setzen sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen, dass erst mit deren Tod der Nachlass an Kinder oder Dritte fallen soll.

Als Basis der Erbfolge dient das eigenhändige Testament bei weniger komplizierten Vermögens- und Familienverhältnissen. Es muss selbst handschriftlich geschrieben sein. Es genügt die Unterschrift von beiden Ehepartnern. Zu bedenken sei aber die fehlende "Erbscheinwirkung". In jedem Testament sollte klargestellt werden, in welchem Umfang der länger Lebende Änderungen vornehmen darf. Damit wird die sogenannte "Bindungswirkung" aufgehoben und einseitige Änderungen des lebenden Partners können noch vorgenommen werden. Änderung und Widerruf seien bei jedem Testament jederzeit mit neuer Datumsangabe möglich. Das Verlustrisiko kann man durch Hinterlegen beim Nachlassgericht für die einmalige Gebühr in Höhe von 75 Euro verhindern.

Bei Immobilienbesitz und Verteilung von Sondereigentum über ein Vermächtnis komme ein notarielles Testament in Betracht. Das biete Beratung und Rechtssicherheit und mache einen Teil der Kosten durch den nicht nötigen, aber kostenpflichtigen Erbschein wieder wett. Es wird beim Notar hinterlegt. Zu beachten sei auch der "Pflichtteil" der Mindestbeteiligung des Ehegatten und der Abkömmlinge als Geldbetrag in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Rechtzeitig Verschenken


Durch rechtzeitiges Verschenken spare man Erbschaftssteuer, könne alle zehn Jahre den Freibetrag ausschöpfen und verringere das Risiko eines sozialrechtlichen Regresses. Aber man sollte immer eine Reserve für eigene Bedürfnisse zurückhalten.
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