Notarin gibt Rat
Wie lässt sich Erbe schon frühzeitig übergeben?

Wer in Sachen Erbe Fakten schaffen will, muss sich laut Notarin Dr. Claudia Greipl früh Gedanken machen. Bild: sbü

Am Thema Erbschaft sind viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen interessiert. Es gibt auch immer mehr Fälle, in denen das von der Nachkriegsgeneration erwirtschaftete Vermögen zur Übergabe ansteht.

"Liebe Kinder - böse Kinder". So sehen manche Eltern ihre Nachkommen. Deswegen soll das "böse Kind" nicht oder wenig profitieren. Das sei nur ein Motiv, das Vermögen frühzeitig auf das "liebe Kind" zu übertragen, stellte Notarin Dr. Claudia Greipl in einem Vortrag bei der Volkshochschule fest. Andere wollen einen späteren Streit vermeiden und vorher Fakten schaffen. Viele denken auch an eine eventuelle Heimunterbringung, deren Finanzierung - je nach individueller Einstellung - gesichert, verbessert oder doch lieber Staat und Pflegeversicherung überlassen werden solle.

Vielfalt des Lebens, der Wünsche und der Lösungen - das war eine Erkenntnis aus dem Vortrag mit dem etwas sperrigen Titel "Überlassung im Wege vorweggenommener Erbfolge". Die wichtigste Empfehlung der Notarin gilt für alle Fälle: "Machen Sie sich frühzeitig Gedanken, was Sie wollen." Als Beispiel berichtete sie von einer Familie, die alle Unterlagen für die Schenkung vorbereitet hatte - dann starb der Erblasser.

Eine große Rolle spielt bei Schenkungen die Zehn-Jahres-Frist. Zunächst vor allem im Hinblick auf ihre Rechtswirkung. Wolle jemand tatsächlich Fakten schaffen, müssten diese zehn Jahre bei Eintritt des Erbfalls komplett vergangen sein. Fehle auch nur ein Tag, könne zum Beispiel das übertragene Vermögen für Unterhaltsansprüche von der Sozialverwaltung herangezogen werden. Der Zehn-Jahres-Zeitraum spiele aber auch eine Rolle bei den sogenannten "Pflichtteilsergänzungsansprüchen".

Zuhörer, die bei diesem Begriff erschraken, bekamen schnelle Hilfe von der Referentin. Es handelt sich um einen Anspruch aus einer Erbmasse, der im Falle vorangegangener Schenkung zusätzlich zum Pflichtteil bestehe. Dieser Anspruch gelte ebenfalls zehn Jahre lang, vermindere sich allerdings pro abgelaufenes Jahr um zehn Prozent. Ganz konkret wurden dann die Empfehlungen der Notarin auf die Frage: "Was muss ich tun, wenn ich meine Immobilie auf meine Kinder übertragen will?" Drei Schritte wurden empfohlen: Einigung in der Familie, Beratungsgespräch plus Vertragsentwurf beim Notar und Hinzuziehung eines Steuerberaters bei größeren Vermögen.

Gutachter oft teuer


Als Vorbehaltsmöglichkeiten zur Absicherung bei Schenkungen können vertraglich Nießbrauch, Benutzungsrechte, Pflegeverpflichtung der Kinder sowie Rückforderungsrechte in bestimmten Fällen vereinbart werden. Gestritten werde in Erbfällen häufig über den Wert der Erbmasse. Gutachterkosten seien oft sehr hoch, und "der objektive Wert des Notars unterscheidet sich vom subjektiven Wert für die Beteiligten". Auch vermindere ein Nießbrauch den Wert einer Schenkung.
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