Oberbayern besonders stark betroffen
Unwetter über Bayern

Ein Bauernhof in Polling steht am Sonntag unter Wasser. Der Tiefenbach, einst künstlich von den Mönchen des Klosters Polling angelegt, liegt höher als das Terrain rund herum. Wenn der Bach überläuft, steht Polling unter Wasser. "Und wir haben dann ein Problem mit leckgeschlagenen Öltanks", sagt Helmut Stork, Leiter des Sachgebietes Katastrophenschutz im Landratsamt. Bild: dpa
 
Einsatzkräfte waten durch das überschwemmte Polling: "Das ist ein ganz anderes Hochwasser, als wir es kennen", stellte Bürgermeisterin Felicitas Betz fest. Unwetter mit starkem Regen und zum Teil kräftigen Gewittern haben vielen Menschen in Bayern schwer zu schaffen gemacht. Schwerpunkt war diesmal vor allem Oberbayern. Irgendwann war es zu viel Wasser für die beiden Dorfbäche. Bild: dpa

Das Wetter kommt nicht zur Ruhe, immer wieder öffnet der Himmel seine Schleusen über Bayern. Diesmal hat es Oberbayern besonders stark erwischt. Erneut rufen die Behörden den Katastrophenfall aus.

/Weilheim-Schongau. Es blitzte, donnerte und schüttete in der Oberpfalz, in Mittelfranken und in Teilen Niederbayerns. Während das Festival "Rock im Park" in Nürnberg (siehe Seite 3) nach einer Unterbrechung fortgesetzt werden konnte, wurde "Rock am Ring" in der Eifel nach wiederholten Unwettern mit mehr als 80 Verletzten abgebrochen.

Blitz in Weidener Stellwerk


Bei Weiden in der Oberpfalz schlug am Morgen ein Blitz in ein Stellwerk ein. Es kam zu Signalstörungen und Verspätungen bei den Zügen. Auch die Bahnstrecke Treuchtlingen-Würzburg in Unterfranken musste streckenweise gesperrt werden. Am Sonntagmorgen erklärte das Landratsamt Weilheim-Schongau (Oberbayern) für das Gebiet rund um die Gemeinde Polling den Katastrophenfall. Straßen waren überflutet, Keller vollgelaufen. Teilweise stand das Wasser kniehoch in den Straßen.

In Oberbayern waren im besonders betroffenen Polling Helfer der Feuerwehr und des THW dabei, den Tiefenbach mit Hilfe von Sandsäcken zu sichern, um noch Schlimmeres zu verhindern, sagte ein Sprecher des Landratsamtes. Rund 500 Helfer hätten sich in Polling eingefunden. Darüber hinaus sind laut Polizei die Ortschaften Oberhausen Peißenberg, Huglfing und Eberfing betroffen.

Die Bundesstraße 472 zwischen Peißenberg und Oberhausen wurde wegen Überflutung gesperrt. Auch eine der Zufahrtsstraßen nach Polling, die Staatsstraße 2057, sei unbefahrbar. Nach einem Murenabgang musste die Bahnstrecke München-Mittenwald komplett gesperrt werden. Auch zwischen Polling und Huglfing ging eine Mure ab.

In Niederbayern räumten die Menschen inzwischen weiter auf. Die Flutwelle hat im Landkreis Rottal-Inn nach einer neuen Schätzung einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Im Krisengebiet um Simbach am Inn zogen die Gewitter diesmal vorbei.

53 Liter pro Quadratmeter


In anderen Teilen Niederbayerns schüttete es erneut heftig. In dem Kurort Bad Abbach (Landkreis Kelheim) gingen zahlreiche Notrufe ein. Umgefallene Bäume blockierten Straßen, Keller und Tiefgaragen liefen voll, Straßen und Unterführungen waren überschwemmt oder verschlammt. Auch Straubing und Deggendorf traf es. "In Osterhofen wurde sogar ein Spitzenwert von 53 Litern Regen pro Quadratmeter und Stunde gemessen", sagte ein Meteorologe des DWD. In der Nacht zum Montag klingen die Gewitter den Meteorologen zufolge ab. Dafür warnt der DWD vor Nebel mit Sichtweiten unter 150 Metern. Am Montag können sich im Alpenvorland und an den Alpen erneut unwetterartige Gewitter bilden.

Eine Entwarnung für Bayern gibt es nicht. "Die kritische Wetterlage bleibt weiter bestehen", meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD). Ein umfangreiches Tiefdruckgebiet mit feuchtwarmer Luft überdecke weite Teile Mitteleuropas. Örtlich seien weiter binnen kurzer Zeit bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter möglich. Es könne hageln und stürmen.
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