„Oberpfälzer Heimat“
Als Hitler die Stadt Weiden besuchte

 

19 namhafte Historiker und Heimatkundler haben für den 61. Band der "Oberpfälzer Heimat" wieder historische Schätze gehoben. Ein Thema: Adolf Hitlers Besuch in Weiden 1932.

"Hoch solide - und dazu noch kostenlos", lobte Adalbert Busl. Seit 1956 erscheint die Reihe der Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz, sagte er. Der inzwischen pensionierte Lehrer Busl aus Wiesau ist seit 28 Jahren Schriftleiter.

Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz begrüßte die Autoren in der "Almhütte". Sie dankte Verleger Eckhard Bodner (Pressath), dem Bezirk Oberpfalz und dem Verlag Spintler für die Unterstützung bei. Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher lobte die Reihe als "eine der herausragendsten Schriften in der Oberpfalz".

Festzelt für den "Führer"


Dr. Sebastian Schott berichtet auf 33 Seiten über den einzigen Besuch Adolf Hitlers in Weiden. Am 13. Oktober 1932 auf einer Wahlkampf- und Propagandareise habe der "Führer" die "schwarz-rote Fabrikstadt Weiden" besucht. Da diese keine NSDAP-Hochburg gewesen war, sei es für die Hitleranhänger eine umso größere Überraschung gewesen. Auf dem Turnerbund-Gelände am Hammerweg war ein riesiges Zelt für 15 000 Besucher aufgestellt worden. Tatsächlich kamen zwischen 6000 und 7000 Besucher zur Kundgebung. Die 12 000 Reichsmark für das Zelt sei die Partei schuldig geblieben.

Der junge Autor Johannes Hauer beschäftigte sich in seinem ersten Beitrag für die "Oberpfälzer Heimat" mit Hitlerjugendheimen in der Oberpfalz. Das Einzige in Bayern, das nicht mehr existiert, stand auf dem Gelände des heutigen Eisstadions und der Thermenwelt. Im Mai 1945 wurde es durch einen Brand zerstört und anschließend geplündert.

Harald Fähnrich beschreibt in seinem Beitrag über einen "Zugtransport mit Frachtliste" die Ausbeutung von KZ-Häftlingen durch Verleih zur Arbeit. Nach einem verheerenden Zugunglück im Bahnhof Wiesau am 22. November 1944 kam es zum Tod von 50 transportierten Häftlingen. Fähnrich gelang es nun, die "Frachtlisten" auszuwerten.

Dr. Wolf-Dieter Hamperl legt "Ein Beispiel für Mut und Humanität im Angesicht des drohenden Zusammenbruchs 1945" vor. In der Spruchkammerakte seines Vaters war er auf eine eidesstattliche Erklärung seines Großonkels gestoßen, in der dieser versicherte, dass sein Neffe drei jüdischen KZ-Häftlingen das Leben gerettet habe. Hamperl überprüfte die Geschichte und fand heraus, dass der Gerettete dies dem Onkel später durch eine Anstellung in seiner Textilfabrik dankte. Harald G. Dill schreibt vom "Ende der Mission 968 und dem Beginn des Kalten Krieges". Als der Krieg schon fast zu Ende war, erfolgte ein sinnloser, letzter Antriff auf die Skoda-Werke. Rudolf Rösler beschreibt das Leben des fast in Vergessenheit geratenen Forsthistorikers Xaver Franz Fritsch (1901-1991).

Über Albert von Schirnding, "einen der wohl feinsinnigsten bayerischen Lyriker", schreibt Bernhard M. Baron . Der Nachkomme des Adelsgeschlechts, dem einst die Hofmark Wilchenreuth und Teile des Anwesens Edelsdorf gehörten, war 1958 Referendar am Augustinus Gymnasium und 1992 zu den Literaturtagen nach Weiden zurückgekehrt. Dr. Thomas Freller berichtet über Karl-Theodor von Bettschart, Protegé des Kurfürsten, und seine Mätresse Elisabeth von Schenk-Castell.

Über die "Wohltäterin der Pfarrkirche St. Martin zu Luhe Freifrau Maria Elisabetha de Friderico, Hofmarkserbin zu Schirmitz, schreibt Anton Fleischmann . Wie kommt die Freifrau dazu, ihren ganzen Besitz der Luher Kirche zu vermachen? Dieser Frage geht Fleischmann nach. Bernhard Weigl hat im Keller des Münchner Nationalmuseums ein falsch ausgezeichnetes "Holzmodell der Festung Waldeck" entdeckt. "Ein Glücksfall, der einen nur einmal im Leben ereilt", sagt er.

Bei ihrer Seminararbeit über römische Baukunst ist Andrea Riedel auf die Kirche St. Johannes Baptista in Floß gestoßen. "Das Treffen des Oberpfälzer Adels bei der Beisetzung der Herzogin Anna Maria von Liegnitz" beschreiben Gerhard Reiß und Heribert Haber . Außer Adeligen dabei: Hofbarbier, Sattelknecht, Schneider, Lakaien, Kanzleiräte, fürstliche Frauenzimmer und Edelknaben. "Neukirchen b. Hl. Blut und seine herrschaftliche Zugehörigkeit im Hochmittelalter" thematisiert Werner Perlinger .

Nicht nur Wald und Bären


Franz Bergler behandelt die "Geschichte vom "Hausholz" in Waldthurn". Schon vor 500 Jahren wurden Holzrechte beschrieben, damals als Gnadenbewilligung auf Ruf und Widerruf. Mit dem "Vilsecker Scheef", einem Fischerboot, beschäftigt sich Heinrich Deinzer . Ein Zimmerermeister hat es nachgebaut. Aus der Geschichte der Gendarmerie im Bezirksamt Neustadt berichtet Alfred Kunz . 1913 bis 1945 gab es die grün uniformierte, bayerische Polizei. Josef Eimer befasst sich mit missglückten Plänen, innovative Bildungsanstalten in Nabburg anzusiedeln, zuletzt 1880 die Taubstummenanstalt der Oberpfalz. Die Meinung, dass die Oberpfalz vor 3000 Jahren nicht besiedelt war ("da waren nur Wälder und Bären"), ist nach Ernst Thomann widerlegt. Scherbenfunde auf einem Acker weisen eindeutig auf eine Urnenfelderzeitliche Siedlung in Untersteinbach/ Pfreimd hin.
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