Oberstaatsanwalt spricht von hoher "Dichte an schweren Straftaten"
Sieben Sokos auf einen Streich

Die Spurensicherung hat nach dem Raubüberfall in der Hammerwegsiedlung mit großem Aufwand Spuren gesichert. Anfang dieser Woche gingen rund 500 Spuren zur Auswertung in die Rechtsmedizin. Bild: ca
 
Unsere Grafik zeigt die Brandorte. Die Kripo bringt acht Fälle in Zusammenhang. Drei Mal brannten Autos aus. In fünf Fällen wurden Fischerhütten bzw. eine Feldscheune in Brand gesteckt. Grafik: NT⁄AZ
 
Für die Beschäftigten war die Einbruchsserie in Bäckereifilialen eine große Belastung. Zuletzt stellten die Bäckereien ihr System um. Die Tresore blieben nachts leer - und es herrscht Ruhe für die "Soko Semmel". Bild: Götz
 
Zwei Angestellte und eine Kundin hielten sich in der Sparkasse in Tännesberg auf, als am Freitag, 4. September, gegen 9.15 Uhr zwei maskierte Männer mit Pistolen die Bank stürmten. Die Opfer handelten besonnen, blieben unverletzt, der Schock dürfte dennoch tief sitzen. Bild: rti
Oberstaatsanwalt Rainer Lehner spricht von einer hohen "Dichte an schweren Straftaten". Bei der Weidener Kriminalpolizei arbeiteten zuletzt bis zu sieben Ermittlungsgruppen parallel. Eine davon ist die "EG Siedlung", besetzt mit im Schnitt 15 Beamten. Sie wollen den gravierendsten Fall aufklären: den Raubüberfall am Hammerweg.

Kriminaloberrat Thomas Bauer leitet die Weidener Kripo seit 2008. "So konzentriert habe ich das noch nicht erlebt." Er verfügt über 59 Beamte (das Soll läge bei 67), 15 davon arbeiten Schicht im Kriminaldauerdienst. Alle übrigen gehören derzeit Ermittlungsgruppen an: von der "EG Semmel" (Bäckerei-Einbrüche) bis zur "EG Tännesberg" (Banküberfall). "Das bringt uns an die Grenze." Der Stand der Ermittlungen:

Ermittlungsgruppe "Siedlung": In der Nacht zum Freitag, 18. September, musste eine Familie am Hammerweg einen Überfall erleben, wie auch Kripoleiter Bauer ihn nur aus "XY" kannte. "Ich konnte mir das bei uns nicht vorstellen." Die drei Täter waren maskiert und trugen Handschuhe, als sie am Donnerstag, 17. September, gegen 20.15 Uhr in das Doppelhaus in der Hammerwegsiedlung eindrangen. Die Männer schlugen und fesselten die drei Bewohner (68, 71 und 89 Jahre) und bedrohten sie mit Waffen. Das komplette Haus wurde durchsucht. Erst viereinhalb Stunden später, gegen 0.45 Uhr, verließen die Drei das Haus mit Bargeld in vierstelliger Höhe. Die 89-jährige Seniorin konnte sich als erste aus der Fesselung befreien. Die Hinweise deuten auf Osteuropäer als Täter hin. In der Hammerwegsiedlung war am Vortag ein Auto aufgefallen. Die Fahndung läuft.

Die EG "Siedlung" wird geleitet von Erstem Kriminalhauptkommissar Thomas Gallei, Leiter des Kriminaldauerdienstes. Ein Hauptaugenmerk lag auf einer akribischen Spurensicherung, die erst jetzt abgeschlossen wurde. Im und um das Haus wurden tagelang über 500 mögliche Indizien gesichert: jede Zigarettenkippe, Abriebe möglicher DNA-Spuren, Fingerabdrücke... Die Proben wurden Anfang der Woche zur Rechtsmedizin nach Erlangen gefahren, nicht wie üblich an das Landeskriminalamt München geschickt. Die Staatsanwaltschaft kann damit die Auswertung beschleunigen.

Weitere sechs Sokos

Des Weiteren arbeiten die Kriminalbeamten in den Ermittlungsgruppen "Semmel" (Einbruchsserie in Bäckerei-Filialen), "Tännesberg" (Banküberfall), "Krone" (Brand in Asylbewerberheim Neustadt/WN), "Kleine Kappl" (Brandserie in Neualbenreuth) und einer kleinen Ermittlungsgruppe zum Einbruch in ein Juweliergeschäft in Weiden. Die Arbeit der Soko "Nachtläufer" zum Überfall auf eine 25-jährige Frau in ihrer Wohnung in Pressath konnte inzwischen abgeschlossen werden.

Fischerhütten in Flammen - Unheimliche Brandserie im Landkreis Tirschenreuth


Ermittlungsgruppe "Kleine Kappl": Eine ungewöhnliche Brandserie beschäftigt die Kripo im Landkreis Tirschenreuth. Im Umkreis des 100-Einwohner-Weilers Ottengrün, einem Ortsteil von Neualbenreuth, geht seit Juni der "Feuerteufel" um. Die Kriminalpolizei hat inzwischen eine Ermittlungsgruppe unter Leitung des erfahrenen Brandermittlers Armin Bock eingerichtet.

Laut Kriminalhauptkommissar Bock wurden eine Feldscheune, vier Fischerhütten und drei Autos angezündet. Die Taten ereigneten sich zwischen 25. Juni und 3. Oktober. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Am 25. Juni ging ein Geräteschuppen auf einer Lichtung südlich von Schachen in Flammen auf. Am 31. August brannte ein Auto in Ottengrün, ebenso im Zeitraum von 1. bis 2. September. Am 19. September ging ein Pkw auf dem Parkplatz bei der kleinen Kapplkirche in Flammen auf. Am 20. September brannten zwei Fischerhütten westlich von Ottengrün, die etwa 50 Meter auseinander liegen. Am letzten Wochenende, 2. Oktober, waren es wieder zwei Fischerhütten westlich von Ottengrün. Eine ging in Flammen auf, bei der zweiten blieb es beim Versuch. Gesamtschaden: mindestens 10.000 Euro.

Die Polizei sucht als wichtige Zeugen die Insassen eines Autos, das am 20. September nach Mitternacht in dem Bereich unterwegs war. Das Auto bog von der Pointmühle kommend nach rechts auf die Ortsverbindungsstraße Schachten - Neualbenreuth (TIR 25) ein und fuhr darauf in Richtung Neualbenreuth weiter. Die Kriminalpolizei Weiden bittet Fahrer und Mitfahrer, sich unter Telefon 0961/401-290 zu melden. Auch die Bevölkerung wird gebeten, Hinweise und Beobachtungen mitzuteilen.

Krone: kein Abschluss - Kripo geht auf Nummer sicher - Ermittlungen dauern an

Ermittlungsgruppe "Krone": In der Nacht zum Freitag, 21. August, war in Neustadt/WN von einem Bewohner ein Brand in einer Asylbewerberunterkunft gemeldet worden. Ein zusammengerollter Teppich war angezündet worden. Der Fall konnte bis dato nicht abschließend geklärt werden. Die Kripo Weiden will nichts übersehen und wertet nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Rainer Lehner zurzeit große Mengen an Verkehrsdaten sowie umfangreiches Videomaterial aus umliegenden Tankstellen aus. Nach Aussage eines Bewohners hatten sich zur Tatzeit drei Personen von der ehemaligen Gaststätte "Krone" entfernt. Richard Hußenöder, Leiter des Kommissariats 1, leitet die Ermittlungsgruppe "Krone".

Kurz vor der Anklage - Pressath: Überfall auf 25-jährige Frau kommt vor Gericht

Ermittlungsgruppe "Nachtläufer": Der Überfall auf eine 25-jährige Frau in Pressath ist für die Kripo abgeschlossen. Die Anklage der Staatsanwaltschaft an das Landgericht Weiden erfolgt noch im Herbst. Ein ehemaliger US-Soldat (28) hatte am 23. Mai die ihm unbekannte Frau nachts in ihrer Wohnung im Ortskern von Pressath überfallen und niedergestochen. Die 25-Jährige konnte sich lebensgefährlich verletzt auf die Straße schleppen und wurde von Nachbarn gehört. Ein Zeuge sah den Täter weglaufen, daher der Soko-Name "Nachtläufer". Zu Beginn waren in dieser Soko unter Leitung von Kripochef Thomas Bauer fast 60 Beamte eingesetzt. Der Amerikaner wurde am Tag nach der Tat festgenommen.

Bäckerei-Einbrüche: Ofen aus

Die Tresore stehen offen und sind leer. Den Tätern scheinen damit die Einbrüche in Bäckereifilialen der Region vergällt zu sein.


Ermittlungsgruppe "Semmel": Verkäuferinnen war mulmig zumute: Am 10. September begann eine ungewöhnliche Serie an Einbrüchen in Bäckerei-Filialen, einmal auch bei einem Metzger. Im Bereich der Kripo Weiden (WEN, NEW, TIR) ereigneten sich elf solcher Einbrüche. Die Ermittlungsgruppe "Semmel" leitet Erster Kriminalhauptkommissar Hans-Peter Widder, stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei.

Dazu kamen gleich gelagerte Einbrüche in Oberfranken. Hauptgeschädigter war das Backhaus Kutzer aus Konnersreuth, das in der Oberpfalz und Oberfranken 52 Filialen betreibt. Innerhalb von 14 Tagen wurde in 20 Kutzer-Filialen eingebrochen. Die Beute war gering, der Sachschaden umso höher (insgesamt allein für die Kutzer-Kette über 100 000 Euro). Die ersten Tatorte lagen eher im Norden, in Wunsiedel und Marktredwitz. Die letzten Einbrüche ereigneten sich in der Nacht zum 23. September in Weiden, Neustadt/WN, Windischeschenbach und Wiesau.

Bei diesem letzten Beutezug gingen die Täter komplett leer aus. Seither ist Ruhe. "Das hat aufgehört, als die Geschädigten reagiert haben und nichts mehr zu holen war", meint auch Oberstaatsanwalt Rainer Lehner, der von Seiten der Staatsanwaltschaft für die Einbruchsserie zuständig ist. Die Tresore standen zuletzt offen, drin lag nichts mehr. Geschäftsführer Patrick Kutzer vom gleichnamigen Backhaus hatte zudem angekündigt, in ein neues Alarmsystem zu investieren.

In der nördlichen Oberpfalz scheint damit der "Ofen aus". Dafür meldet der Raum Bamberg allein am letzten Wochenende drei Einbrüche in Bäckereifilialen, bei denen die Tresore geknackt wurden. Parallelen? Lehner will nicht ausschließen, "dass man ein Häusel weiter gezogen ist".

Tännesberg: Spur führt nach Tschechien


Ermittlungsgruppe Tännesberg: Am Freitagvormittag, 7. September, überfielen zwei maskierte und bewaffnete Männer die Sparkassen-Filiale in Tännesberg. Die Beute: ein vierstelliger Euro-Betrag. Die Täter flohen in einem Auto mit SAD-Kennzeichen. Das Nummernschild war wenige Tage vor der Tat in Saubersrieth bei Moosbach gestohlen worden. Die Ermittlungsgruppe leitet in diesem Fall Hans-Peter Widder, Leiter des Kommissariats 2.

Nach Angaben von Kripochef Thomas Bauer saß im Auto ein dritter Beteiligter. Die Spur führt die Fahnder nach Tschechien. In einem Waldstück, das über den Waldlehrpfad zu erreichen ist, fand die Polizei das Kennzeichen und Kleidung. Dort lag eine Tüte mit tschechischer Aufschrift. Die Kripo ist zuversichtlich, die Bankräuber ermitteln zu können.

Juweliergeschäft: Ermittlungen laufen

Ermittlungsgruppe Juwelier: In der Nacht zum Dienstag, 22. September, wurde das Panzerglas-Schaufenster des Juweliergeschäfts Kabakulak am Josef-Witt-Platz in Weiden eingeschlagen. Aus der Auslage fehlen nach Angaben des Besitzers Schmuck und Uhren im Wert von 300 000 bis 400 000 Euro. Derzeit wird noch ermittelt, welche Stücke fehlen. Auch zu diesem Einbruch gibt es eine kleine Ermittlungsgruppe, geleitet von Jürgen Preisinger.
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