Österreicher reisen zum Crystal-Schmuggel an
Tiroler auf "Schnäppchenjagd"

Symbolbild: dpa

"Dass Sie zum Klamottenkauf aus Österreich nach Eger fahren, können Sie erzählen, wem Sie wollen. Aber nicht einem Weidener Richter, der jeden Tag mit Rauschgiftschmuggel zu tun hat." Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl war trotz der offensichtlichen Schutzbehauptung milde mit den beiden Angeklagten aus Tirol. Zwei Jahre auf Bewährung lautete das Urteil für die jungen Männer, die im September etwas über elf Gramm Crystal aus Tschechien nach Deutschland geschmuggelt hatten.

Gleich nach der Grenze hatten Beamte der Polizeiinspektion Waldsassen die 23 und 25 Jahre alten Männer kontrolliert. Dabei ließ einer von ihnen ein kleines Päckchen fallen. Darin fanden sich zwei Druckverschlusstütchen mit zusammen 11,34 Gramm Methamphetamin. Auf der Rückbank hinter dem Fahrersitz des Toyotas entdeckten die Polizisten eine Tüte mit zwei Schlagringen und einem Teleskop-Schlagstock.

Die beiden Ledigen gaben sofort zu, sowohl das Rauschgift für 200 Euro als auch die Waffen auf dem Asia-Markt bei Eger gekauft zu haben. Es sei ein Ausflug gewesen, "weil uns fad war", sagte der Ältere vor dem Schöffengericht. Ursprünglich sei man nur zum Kleidungskauf rüber gefahren. Die Drogen seien ihnen dann angeboten worden. "Dass es so günstig wäre, hätte ich nie gedacht. Bei uns kostet das Gramm 100 Euro", berichtete der andere.

"Bewaffnete" Rauschgifteinfuhr sei mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren bedroht, stellte Staatsanwalt Rene Doppelbauer fest. Wegen ihres Geständnisses, wegen der nur knapp überschrittenen Grenze zur "nicht geringen Menge" und weil die beiden sozial eingeordnet leben, gestand ihnen Doppelbauer aber einen "minder schweren Fall" zu. Er plädierte auf die schließlich ausgesprochene Bewährungsstrafe. Die Verteidiger Andreas Schätzler und Johannes Zintl verwiesen darauf, dass sich ihre Mandanten bereits in Drogentherapie begeben haben. Auch sei die erlittene zweimonatige Untersuchungshaft sehr "beeindruckend" für die jungen Männer gewesen. Zusätzlich zur Freiheitsstrafe legte ihnen Heindl je 1000 Euro Geldstrafe auf.



Babyglück und Anwaltswechsel
(ca) Lilia Madeleine Antonia, 52 Zentimeter groß und 3290 Gramm schwer, ist es geschuldet, dass ein Angeklagter am Donnerstagmorgen plötzlich einen anderen Anwalt verpasst bekam. Während der Österreicher wegen Crystalschmuggels vor Vorsitzenden Richter Gerhard Heindl trat, war Strafverteidiger Rouven Colbatz auf dem Weg in den Kreißsaal. Anwaltskollege Johannes Zintl sprang ein. Am Ende ging es für alle gut aus. Anwältin Anja Gall-Colbatz erfreute sich am Abend eines bildhübschen Mädchens. Der Tiroler durfte wieder heim in die Berge: auf Bewährung.
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