Online-Studie: Weiden gilt als "Verunglückten-Hochburg"
Verkehrte Welt

Keinen einzigen Toten gab es 2014 auf Weidens Straßen. Dennoch stellt die Max-Reger-Stadt im deutschlandweiten Vergleich einen Negativ-Rekord auf: Zumindest, wenn man der Studie Glauben schenkt, die ein Online-Portal nun veröffentlicht hat. Demnach ist Weiden die "Verunglückten-Hochburg" Deutschlands schlechthin. Vor Ort hagelt es Protest.

"Vergleicht man die Anzahl bei Verkehrsunfällen verletzten und getöteten Personen mit der Anzahl der Einwohner, so ist das eher kleine Weiden in der Oberpfalz in Bayern die deutsche Unfallhochburg Nummer Eins", heißt es etwas holprig in der Pressemitteilung des Online-Vergleichs-Portals billiger.de. Es rechnet mit Material der Regionaldatenbank Deutschland des Statistischen Bundesamtes und der Länder. Das ist auch solide, erklärt Polizeisprecher Günther Burkhard. Nur lesen sollte man es auch können.

Viel los im Oberzentrum


"Tatsächlich haben sich 2014 bei Unfällen in Weiden 331 Menschen verletzt. Aber keiner wurde getötet", betont Burkhard - und verweist auf Berlin. Die Hauptstadt führt das traurige Ranking bei den Verkehrstoten in Deutschland an. "Hier starben im Vorjahr 52 Menschen im Straßenverkehr", stellt Burkhard fest. Als "Verunglückten-Hochburg" gilt die Hauptstadt in der Studie trotzdem nicht. Sie wird schlicht als "unsichere Stadt" deklariert.

Zum Prozedere der Studie: Sie führt an, dass im 42 000-Seelen-Ort Weiden 2014 statistisch betrachtet 792 Personen je 100 000 Einwohner im Straßenverkehr verunglückt sind. Das rechnet sich hoch aus der absoluten Zahl der Unfallopfer. Sie lag 2014 bei 331 Personen, die sich bei 245 Unfällen (mit Personenschaden) verletzt hatten. 792 Verunglückte auf 100 000 Einwohner also: "Das entspricht einem gewaltigen, über dem 100-Städte-Schnitt liegenden Wert von 52 %", heißt es in der Studie.

Ist Weiden also ein gefährliches Pflaster? Burkhard widerspricht vehement und fordert: "Da muss man genauer hinschauen." Er verweist auf die Sonderstellung Weidens als Oberzentrum mit sehr vielen Einpendlern. "Täglich pendeln von 26 600 Arbeitnehmern 17 000 in die Stadt ein. Beamte, Selbstständige, Soldaten und Studenten sind in diesen Zahlen der Agentur für Arbeit noch gar nicht enthalten." Entsprechend viel los sei auf den Einfallstraßen. Da krache es schon mal. Meist aber gehe es glimpflich aus. 2014 passierten insgesamt 1566 Unfälle. Bei knapp der Hälfte handelte es sich um Kleinunfälle ohne Personenschaden (778). Bei 543 Unfällen lag ein schwerwiegender Sachschaden vor. Und eben in 245 Fällen verletzten sich Personen.

Viele Parkplatzrempler


Eine weitere Besonderheit: "Weiden verzeichnet eine sehr hohe Zahl zugelassener Fahrzeuge." 2014 kamen auf 42 000 Einwohner 33 000 Fahrzeuge. Damit steige auch die Unfallgefahr. Etwa auf Parkplätzen. Womit die dritte Besonderheit der Stadt aufs Tablett kommt: "Weiden ist eine Einkaufsstadt. In der Folge ist die Zahl der Unfallfluchten relativ hoch." 443 verzeichnete die Polizei 2014. In 21 Fällen verletzten sich Menschen. In über 400 kam es schlicht vor Großmärkten zu Parkplatzremplern mit geringem Schaden. Weiden eine "Verunglückten-Hochburg"? Burkhard kann da nur nochmal den Kopf schütteln.
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