Opfer der Messerattacke von Pressath sagt aus
Geschädigte eine wahre Kämpfernatur

Mit Fußfesseln sitzt der Angeklagte im Gericht. Bild: Götz

Am Dienstag hat vor dem Schwurgericht am Landgericht Weiden das 26-jährige Opfer der Messerattacke in Pressath ausgesagt. Die Altenpflegerin meisterte die einstündige Befragung tapfer und gefasst. Nur einmal musste kurz unterbrochen werden.

Weiden/Pressath. Die junge Frau schilderte detailliert die Nacht zum Pfingstsamstag 2015, als sie in ihrer Wohnung von Ted T. überfallen wurde. Nach ihrer Aussage bat sie der 29-jährige Amerikaner um Entschuldigung: "From the bottom of my heart: forgive me."

Die junge Frau war damals genau eine Woche vorher in die Wohnung in der Bachstraße eingezogen. Am Abend des 23. Mai hatte sie eine Freundin im Landkreis Schwandorf besucht und sich dann nachts noch zum Fernsehen auf die Couch im Wohn-Ess-Zimmer gesetzt. Als sie gerade bettschwer wurde, bemerkte sie "aus dem Augenwinkel" durch den Glaseinsatz der Wohnzimmertür Licht im Gang, ausgelöst durch einen Bewegungsmelder. Die Altenpflegerin dachte sich zunächst überhaupt nichts. "Ich bin ohne Bedenken zur Tür gegangen." Gegenüber liegt das Bad. "Da stand dieser Mann am Waschbecken und hat oben in der Ablage gegruscht."

Stiche wie Schläge


Als er sie bemerkt habe, sei er sofort auf sie losgegangen. Sie sah "für einen Sekundenbruchteil" sein Gesicht, umrahmt von der Kapuze seines Pullovers. Die 25-Jährige ging zwischen Esstisch und Umzugskisten bäuchlings zu Boden. Die mindestens 26 Stiche, die der Angeklagte ausführte, empfand sie als Schläge. "Ganz klassisch bei Messerstechereien", erklärte Rechtsmediziner Prof. Dr. Peter Betz: "Die Opfer denken an Faustschläge und merken dann, dass es warm wird und Blut läuft."

"Jedes Mal, wenn ich schrie, hat er mir einen Schlag auf den Kopf versetzt", schilderte die 26-Jährige. Sie habe auf Englisch gefleht, aufzuhören. "Von ihm kam keine Reaktion, kein Ton, gar nichts." Blut floss ihr in die Augen, sie sah nur noch verschwommen. Als er ihr Jogginghose und Slip herunter riss, "sind bei mir alle Alarmglocken angegangen". Die Geschädigte wehrte sich mit Händen und Füßen. Der Notarzt sprach von "perforierten" Händen. Die 26-Jährige beschrieb auch den gescheiterten Vergewaltigungsversuch, nach dem ihr der Angeklagte das Messer an die Kehle setzte. "Ich bin reflexartig mit der Hand dazwischen gegangen." Als sie selbst bemerkte, wie sie immer schwächer wurde, habe der Angreifer abgelassen.

"Ich sah noch, dass er sich nach etwas beugte. Dann war er weg." Wie sich herausstellte, nahm Ted T. ihr Handy mit, das sie verzweifelt suchte. Schließlich robbte und rutschte die 26-Jährige das Treppenhaus hinunter, schaffte es auf den Gehsteig.

Wie geht es ihr heute? Anzusehen ist ihr nichts. Das Opfer, das wieder arbeitet, berichtet von Einschränkungen beim Zugreifen. Und psychisch? "Wechselhaft." Sie kann das Haus nicht allein verlassen, wenn es dunkel wird, hat gelegentlich Panikattacken und Alpträume.

"Ich bete jeden Tag für sie"


Erstmals sprach am Dienstag der Angeklagte selbst. "Ich will sie wissen lassen, dass ich jeden Tag für sie gebetet habe, dass es ihr besser geht." Was damals passiert sei, "hätte nie passieren dürfen". Am Montag hatte der ehemalige Soldat gestanden, aber die versuchte Vergewaltigung abgestritten. "In diesem Punkt lässt ihn seine Erinnerung im Stich", erklärte sein Anwalt Tobias Konze: "Trotzdem möchte er auch dafür um Entschuldigung bitten."
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