Osternachtsmesse in St. Josef
Freiheit wagen

Pastoralreferent Markus Brunner entzündet vor der Josefskirche am Osterfeuer die Osterkerze. Stadtpfarrer Markus Schmid (dritter von links) stellt den Freiheits- und Friedensgedanken in den Mittelpunkt seiner Predigt. Bild: Kunz
 
Stadtpfarrer Markus Schmid verneigt sich vor der Osterkerze. Bild: Kunz

Gott habe die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft in die Freiheit geführt, sagte Stadtpfarrer Markus Schmid in der Osterpredigt. Auch heute würden viele Menschen unterdrückt. Jesus ermutige dazu, die Freiheit zu wagen.

Ostersonntag, fünf Uhr früh. "Während andere noch schlafen, sind wir heute mitten in der Nacht aufgestanden. Es ist noch dunkel um uns herum", sagte Pastoralreferent Markus Brunner am lodernden Osterfeuer vor dem Seiteneingang der Josefskirche ins Mikrophon, das seine Stimme über die Lautsprecheranlage tief ins unbeleuchtete Gotteshaus hinein trug.

Leben braucht Licht


"Wir sind nicht für die Finsternis bestimmt." Deshalb entzündete Brunner an der Feuerstelle, die Pfadfinder hergerichtet hatten, die Osterkerze. Denn: "Wie alle Geschöpfe sehnen wir uns nach Licht. Mehr noch: Wir brauchen es, um leben zu können." Anschließend zog der Pastoralreferent mit der Kerze an der Spitze einer Prozession aus Geistlichen und Ministranten in die Kirche ein, wo die Flamme an die Gläubigen weitergereicht wurde. Dreimal erschallte der Ruf "Licht von Christus".

Nach dieser feierlichen Eröffnung, verkündeten Lesungen, wie sich Gott der Menschen angenommen und sein Volk geführt hat, wie sein Sohn durch Tod und Auferstehung den Menschen neues Leben schenkte. "Gott ist ein Gott, der Wunder tut", unterstrich Stadtpfarrer Markus Schmid in seiner Osterpredigt. Gott habe die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft in die Freiheit geführt. "Wir Christen stehen in dieser jüdischen Tradition." Die Befreiungsgeschichte werde nämlich im Neuen Testament fortgeschrieben. "Wir finden in Jesus von Nazareth Vollendung und Erfüllung."

Im politischen Teil seiner Predigt prangerte der Stadtpfarrer die Unfreiheit vieler Menschen an. Diktaturen unterdrückten und versklavten sie in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas. In Europa würden wieder Mauern gebaut. "Zwischen Ländern und in kranken Köpfen. Terroranschläge fesseln Menschen weltweit mit Angst und Schrecken." Andere wiederum glaubten sich gefangen in äußeren Strukturen und inneren Zwängen. Und alle sehnten sich nach Freiheit, was sie stark mache. "Und so mutig, dass Menschen taub werden gegen Einschüchterung und Drohung."

Als Beispiel führte er die jüngste Demonstration junger Leute in Moskau für Demokratie und Freiheit an. "Obwohl sie wussten, dass sie dafür ins Gefängnis kommen konnten." Er denke an den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel in der Türkei, an den Appell von Papst Franziskus an die Mexikaner, sich gegen skrupellose Drogenclans zur Wehr zu setzen. Oder an die Bürgerinitiative "Pulse of Europe", die in vielen Städten die europäische Flagge für ein geeintes und freies Europa hochhalte: Gegen eine Rückkehr zu Nationalismus, Abschottung und Konfrontation.

Auch Jesus sei in einem besetzten Land aufgewachsen, sei selber Ziel von Gewalt geworden. Jesus, der Befreier, ermutige, Freiheit zu wagen und dafür zu kämpfen. In der großen, weiten Welt, aber auch in unserer persönlichen, kleinen. Es gebe vieles, was entmutige: Krankheit ohne Aussicht auf Heilung, Schul- und Arbeitsdruck, Trauer oder Schuld. Was die äußere Freiheit angehe, seien Jesus und seine Leute gescheitert. "Jesus wurde ans Kreuz gefesselt und getötet. " Gott aber habe ihn von den Toten auferweckt und Jesus habe Angst und Tod überwunden.

Glaube verleiht Kraft


"Christliche Freiheit meint deshalb zuerst innere Freiheit." Freiheit vor Angst, Neid, Hass, Erwartungsdruck. Nur wer innerlich frei sei, könne sein Leben sowie das der Gesellschaft gestalten. "Die innere Freiheit, die uns unser Glaube schenkt, kann große Kraft verleihen und beflügeln. Sie kann helfen, auch äußere Zwänge und Gefangenschaften zu ertragen und dagegen anzukämpfen." Oft ein langer und beschwerlicher Weg. Freiheit zu wagen, bedeute nicht zuletzt, die Fesseln der Eigensucht zu durchbrechen und zuerst das Wohl des anderen im Blick zu haben.
1 Kommentar
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 18.04.2017 | 11:45  
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