Osteuropäische Mediziner schließen Versorgungslücken in der Region
Krankenhäuser gut besetzt

Das Klinikum St. Marien in Amberg. Archivbild: Hartl

Weiden/Amberg. Die Nachwuchssorgen der Oberpfälzer Kliniken schwinden: Seit einigen Jahren ist es wieder einfacher geworden, gutes Personal zu finden. Grund für die Entspannung ist auch eine erfolgreiche Anwerbung osteuropäischer Mediziner. Die Krankenhäuser haben verschiedene Strategien entwickelt, um qualifiziertes Personal zu gewinnen. So werben sie Studenten für ihr praktisches Jahr an. "Die bleiben dann gerne gleich als Assistenzärzte", sagt Dr. Harald Hollnberger, der ärztliche Direktor des Klinikums St. Marien.

Die Kliniken Nordoberpfalz AG, das Klinikum Amberg und die Krankenhäuser im Landkreis Amberg-Sulzbach haben auch ein Stipendium aufgelegt: Studenten aus der Region erhalten einen monatlichen Beitrag für ihr Studium. Dafür verpflichten sie sich, nach ihrem Abschluss drei Jahre bei ihrem Förderer zu arbeiten. Die Kliniken Nordoberpfalz AG war dabei die erste: Seit 2009 bietet sie das Programm "Klinikstudent" an. 2013 erhielt sie dafür den Preis "Klinik - Arbeitsplatz mit Zukunft" vom damaligen Gesundheitsminister Marcel Huber.

Das Programm kann aber nicht den gesamten Personalbedarf decken. Eine besondere Herausforderung für die Kliniken ist es, Fachärzte und Oberärzte zu gewinnen. Amberg setzt stark auf den osteuropäischen Markt. "Wir gehen auf Jobmessen in Prag und Brünn. Nächstes Jahr gehen wir nach Bratislava", sagt Hollnberger. Etwa 25 Prozent der Ärzte in St. Marien kommen aus dem Ausland.

Tschechische Ärzte


Bei den Kliniken Nordoberpfalz AG kommen etwa 20 Prozent der Ärzte aus dem Ausland. Martin Neuhaus, der Personalleiter der Kliniken Nordoberpfalz AG, setzt vorwiegend auf Headhunter in Deutschland. Besonders Fach- und Oberärzte sind gefragt. An Berufseinsteigern gibt es mittlerweile keinen Mangel mehr: "Wir bekommen im Moment unglaublich viele Bewerbungen aus dem osteuropäischen und aus dem arabischen Raum", sagt Neuhaus. "Ohne internationale Ärzte würden wir unseren Bedarf nicht decken können." Besonders groß ist die Zahl tschechischer Ärzte. Auch die Krankenhäuser in Auerbach und Sulzbach-Rosenberg beschäftigen ausländische Ärzte. St. Anna und St. Johannes hätten insgesamt einen Anteil von 30 Prozent, sagt der Vorstand der Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach, Klaus Emmerich. Davon komme die überwiegende Zahl aus der Tschechischen Republik. "Das ist ein Selbstläufer. Durch die Fachmesse in Prag haben wir gute Verbindungen. Im Regelfall sind die Tschechen fachlich und sprachlich sehr versiert", sagt Emmerich.

Sprachbarrieren abgebaut


Die Oberpfälzer Kliniken unterstützen ausländische Ärzte frühzeitig: So hat Amberg etwa ein Sprachtraining bezahlt. In mehreren Modulen von insgesamt 105 Stunden übten die Ärzte Aufklärungsgespräche und medizinische Begriffe. In den Kliniken Nordoberpfalz AG gibt es Deutschkurse der Volkshochschule Weiden. Zusätzlich bekommt jeder Arzt eine persönliche Betreuung in einem vierwöchigen "Einarbeitungscurriculum". Jürgen Spickenreuther, der Direktor der AOK Weiden, bestätigt vereinzelte Kommunikationsprobleme mit ausländischem Klinikpersonal. "Alles in allem zolle ich den Kliniken aber Respekt für ihre gelungene Integrationsleistung."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.