OTH-Studenten arbeiten an seniorengerechter Medizintechnik
Testfall Alter

Professor Dr. Ralf Ringler (Zweiter von links) erforscht gemeinsam mit Bachelor-Kandidatin Katharina Gmey (Sechste von links) und seinen Medizintechnik-Studenten die Lebenswahrnehmung älterer Menschen. Ziel ist es, medizintechnische Geräte danach entsprechend zu gestalten. Bild: Bühner

Blutdruckmessgeräte, die auch für schlechte Ohren laut genug piepsen. Blutzuckermessgeräte, die Werte auch für schlechte Augen groß genug anzeigen. An der OTH in Weiden arbeiten Studenten derzeit an seniorengerechter Medizintechnik.

Der Anzug sieht aus, als wäre er für die Weltraumfahrt geeignet. Wer das jedoch glaubt, der irrt. Denn es handelt sich um einen sogenannten Alterssimulationsanzug. Derzeit kommt er an der OTH in Weiden zum Einsatz. Dieser Anzug macht seinen Träger prompt um 40 Jahre älter. "Schlechteres Hören und Sehen, verringerte Muskelkraft und Beweglichkeit des gesamten Körpers und Einschränkungen des Tastsinns sollen die Lebensrealität alter Menschen erfahrbar machen." So beschreibt Professor Dr. Ralf Ringler den Studenten der Medizintechnik die Funktionsweise des Anzugs.

Lesbarkeit und Lautstärke


Bisher sei dieser vor allem in der industriellen Produktion, zum Beispiel für seniorengerechte Autos zum Einsatz gekommen. Professor Ringler will mit seinen Studenten damit nun auch Empfehlungen für die Hersteller von medizintechnischen Geräten entwickeln. Im ersten Schritt werden Blutdruck-, Blutzucker- und kleine EKG-Messgeräte getestet. Nicht immer sind Lesbarkeit, Menüführung oder auch die Lautstärke von akustischen Signalen solcher Geräte für ältere Anwender geeignet. "Meistens sind es junge Leute, die solche Geräte konstruieren, und die können sich nicht vorstellen, wie ältere Menschen empfinden", sagt Ringler.

Um zuverlässige Untersuchungsergebnisse zu erhalten, geht man an der OTH sehr systematisch vor. Zunächst schlüpfen alle rund 40 Studenten im Vorlesungsfach Biophysik selbst in diesen Simulationsanzug, testen Blutzucker, Blutdruck und Mini-EKG. Die Erkenntnisse werden auf einem Erhebungsbogen nach einheitlichem Muster erfasst. "Ich habe den Piepston des Blutdruckmessers nicht gehört, der Tinnitus-Ton war lauter", sagt einer der Studenten. Eine Studentin fasste ihre Erfahrungen mit dem Satz zusammen: "Ab sofort lasse ich meine Oma nie mehr alleine in den Keller gehen." Und Prof. Ringler berichtet ganz nebenbei, dass ein Student festgestellt habe, "dass sein Hörvermögen durch die Disco bereits erheblich geschädigt ist".

Kontrolle in Altersheimen


Zur Kontrolle sollen die Untersuchungsergebnisse später in Altersheimen der Umgebung mit "Echt-Daten gemessen an dortigen Heimbewohnern" verglichen werden. Medizintechnik-Studentin Katharina Gmey wird die Ergebnisse dann im ersten Schritt in ihrer Bachelor-Arbeit zusammenfassen. Doch die Forschung mit dem Simulationsanzug soll weit über diese Bachelorarbeit hinausgehen. Im nächsten Schritt sollen Arbeitsplätze in medizinischen Einrichtungen auf ihre Eignung für ältere Beschäftigte untersucht werden. Dass dieser Forschung in Anbetracht einer stetig steigenden Zahl alter Menschen große Bedeutung zukommt, davon sind Prof. Ringler und seine Studenten zutiefst überzeugt. Das Feld dafür ist breitgefächert. Längst beschäftigt man sich an der OTH auch mit den sogenannten Altersassistenzsystemen. Damit können altersgerechtes Wohnen oder die Mobilität und Sicherheit im Alter wesentlich verbessert werden.
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