OWV-Hauptverein vor Jubiläums-Wochenende
Hundert Jahre für die Heimat

Mit Wanderungen kennt sich der OWV aus. Am Samstag führt der Weg für ihn aber nicht durch Wälder, sondern ins Haus der evangelischen Gemeinde. Dort begeht der Hauptverein sein hundertjähriges Bestehen. Dazu laden ein: (von links) Hans Balk, Vorsitzender Armin Meßner, Petra Vorsatz und Alois Lukas. Bild: Götz

Ein feierlicher Akt und ein buntes Treiben in der Innenstadt: Damit erinnert der OWV-Hauptverein am Samstag an sein hundertjähriges Bestehen. Warum auch nicht? Was er leistet, trägt nicht umsonst Gold und Silber im Namen.

Rund 10 000 Mitglieder, 55 Zweigvereine und ein Wirkungskreis über den Norden und die Mitte des Regierungsbezirks hinweg: Heute ist der Oberpfälzer Waldverein (OWV) eine der Marken der Region. Wenn der Hauptverein Weiden nun, am Samstag, 24. September, an seine Gründung vor 100 Jahren erinnert, gibt das natürlich eine entsprechend große Feier. Auch wenn das nicht immer typisch ist für die Arbeit, die der OWV und seine Mitglieder sonst das Jahr über leisten. "Vielen Menschen ist überhaupt nicht bewusst, was sie in ihrem Umfeld dem OWV verdanken", sagt Hauptkulturwartin Petra Vorsatz bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms (Kasten). Die Ehrenamtlichen erbrächten eine Menge "im Hintergrund, still und leise".

"Unter einem Dach"


Diese Menge lässt sich durchaus in Zahlen fassen. Hauptvorsitzender Armin Meßner spricht von 5000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden im vergangenen Jahr. Geleistet etwa für rund 3600 Kilometer betreute Wanderwege. Oder für 3500 Nistkästen. Hinzu komme Kultur - von der Plößberger Krippenschau des dortigen Zweigvereins, von Musik und Mundart bis zur Pflege alter Feste und Heimatgeschichte (zusammengetragen u.a. in der Schriftenreihe "Oberpfälzer Heimat"). Außerdem: die Jugendarbeit, an die Hans Balk erinnert. Oder generell der Einsatz für die Natur, sagt sein Mitstreiter aus dem Hauptausschuss, Alois Lukas. Bei Bauvorhaben etwa sei dank Stellungnahmen des OWV "mit Sicherheit etwas anders gelaufen, als es die Geschäftswelt manchmal wollte".

Der OWV mit seinem Selbstverständnis als Heimatverein biete eben "unter einem Dach" vieles, von dem die Region profitiere, sagt Meßner. Beste Beispiele seien Wanderwege wie der Goldsteig, der nicht zuletzt dem Einsatz engagierter Mitglieder zu verdanken sei. Oder die Silberhütte. Letztere wurde 1932 gebaut.

Gegründet in Kriegszeiten


Dass etwa der Goldsteig heute Touristen anlockt, passt gut zu den Wurzeln. Diese reichen zurück bis 1877, wie Petra Vorsatz in einer Rückschau in der Vereinszeitschrift "Die Arnika" berichtet. Damals bildete sich ein "Verschönerungsverein für Weiden und Umgebung", der sich bald auch die Förderung des Fremdenverkehrs auf die Fahnen schrieb. 1916 schlug der Verein schließlich die Gründung des OWV vor, um den "Wanderverkehr in wirksamer Weise" in die Täler und Berge der Oberpfalz zu leiten.

Aus der Taufe gehoben wurde der Waldverein am 2. Juli 1916 - während des Ersten Weltkriegs. 24 Persönlichkeiten waren im damaligen Hotel Post am Oberen Markt zugegen, darunter Bürgermeister Georg Knorr und der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, der evangelische Dekan und passionierte Wanderer Dr. Richard Pfeiffer.

Während sich der Verschönerungsverein und weitere Vereine aus der Region dem OWV anschlossen, übernahm Pfeiffer den ersten Vorsitz. Alsbald wuchs die Mitgliederzahl auf 2000 im Jahr 1930. Zwei Jahre zuvor hatte der OWV bereits seine erste Schutzhütte erworben, die spätere Pfreimdtalhütte. Der Nationalsozialismus und der nächste große Krieg sollten das Vereinsleben jedoch rasch ersticken.

Umso lebendiger zeigte sich der OWV dafür nach diesen dunklen Jahren. 1955 etwa kam der Heimatkundliche Arbeitskreis hinzu. 1966 war der Verein Gastgeber für den deutschen Wandertag in Weiden (so wie 1995 noch einmal). Zu den vielen prägenden Figuren in der Vergangenheit zählte nicht zuletzt Dr. Helmut Leupold (Hauptvorsitzender von 1983 bis 2003), der nach der Wende rasch Kontakt zu Wanderfreunden jenseits der Grenze suchte.

Oberpfalz gestalten


Zu Leupolds Amtsantritt überschritt die Mitgliederzahl auch die 10 000er-Marke. In jüngster Zeit sank sie - entsprechend der demografischen Entwicklung - wieder. Auch ist ein Großteil der Mitglieder inzwischen älteren Semesters. Bange vor der Zukunft ist Vorsitzendem Meßner dennoch nicht. Immerhin rund ein Zehntel der OWVler ist unter 28 Jahre. "Wir leisten attraktive Jugendarbeit", erklärt Meßner. Und überhaupt, das Ziel des Vereins, nämlich "Heimat gestalten", das dürfte auch in 100 Jahren zeitlos sein.

Das FestprogrammZur 100-Jahr-Feier für den OWV-Hauptverein Weiden treffen sich die Teilnehmer am Samstag, 24. September, um 13 Uhr am Oberen Markt (bei der Erinnerungstafel zur Vereinsgründung). Weiter geht es mit einem Zug zum Haus der evangelischen Gemeinde, wo dann die eigentliche Jubiläumsfeier steigt.

Nach der Begrüßung durch Hauptvereinsvorsitzenden Armin Meßner spricht der Schirmherr, OB Kurt Seggewiß. Anschließend verleiht Staatssekretär Albert Füracker die Eichendorff-Plakette an den OWV. Im Festvortrag beschäftigt sich Stadtarchivarin Petra Vorsatz mit der Geschichte des Hauptvereins. Die Festrede danach hält Florian Besold (Präsident der Bayerischen Einigung, Bayerische Volksstiftung) zum Thema "70 Jahre Bayerische Verfassung - Geschichte und Kulturstaatsbegriff". Außerdem präsentiert OWV-Webmaster Thomas Basler das Vereinsleben in einer Diaschau. Begleitet wird die Veranstaltung durch die Flossenbürger Blasmusik und Maximilian Brey, Musikant der Wanderjugend. Die Jubiläumsfeier ist öffentlich, also auch für Nichtmitglieder. Der Eintritt ist frei. (fku)
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