Pfarrer Josef Renner berichtet von seinem Leben in Ghana
In der Messe wird getanzt

Pfarrer Josef Renner berichtet von seinem Leben in Ghana. Bild: uz

Auch wenn wegen des ständigen Getrommels während der Gottesdienste sein Hörgerät schon mal den Geist aufgegeben habe: "Da wird auch dazu getanzt. Und das ist schön, das ist das, was bei uns hier einfach fehlt", macht Pfarrer Josef Renner bei der Lokalen Agenda 21 im Pfarrheim von St. Josef deutlich. Der Ruhestandsgeistliche hat in Ghana eine Missionsstation aufgebaut.

Unter dem Motto "Lichtblicke - Hoffnung - Hilfe" plauderte der Pfarrer aus dem Nähkästchen. Begleitet wurde er von Irmgard Hilmer, der Vorsitzenden des Vereins "Ghana-Hilfe Pfarrer Renner". Natürlich warben die beiden auch für Spenden. Mit 15 Euro monatlich werde einem Kind in Odormi-Chamba der Schulbesuch im Internat ermöglicht.

Renner ist bekannt für seine direkte Art, die Zusammenhänge unkompliziert zu erklären. "Mit Christus mitten unter den Menschen" und "Ohne Christus wäre ich verzweifelt" sind die beiden Bücher, die der Geistliche geschrieben hat. Stephan Korb stellte die Gäste aus Atting vor.

Setzen, Mund halten


Bei seiner Ankunft in Ghana sei er ins kalte Wasser geworfen worden, erzählte der Pfarrer. Er habe keine Ahnung gehabt, wie er mit den vielen Konfessionen und Naturreligionen vor Ort einen vernünftigen geistlichen Dialog führen sollte. "Da wurde mir empfohlen, mich einfach hinzusetzen und den Mund zu halten. Schließlich solle man Gott nicht dazwischenreden."

Das habe er schließlich auch gemacht. "Dann sind sie eingezogen, jeder hat was getan, auch die Muslime. Wir hatten einen schönen, gemeinsamen Gottesdienst. Am Schluss habe ich den Segen gegeben." Es sei einfach toll, wenn man aufeinander zugehe. Wichtig: "Dass man die Heilige Schrift und nicht die Kirche in den Mittelpunkt stellt."

Plötzlich sei das Interesse an Gott da gewesen. "Ein junger Mann hat mich gefragt, wie er denn so ausschaut, dieser Gott: Ist er breit, ist er dick. Er muss doch größer sein als du." Die Menschen dort seien alle noch auf der Suche. Auch die Muslime vor Ort. "Die beten zu Allah. Sie kommen aber auch zu uns. Wir beten dann alle miteinander zu Gott."

In Deutschland werde auf diesem Gebiet vieles falsch gemacht. "Jetzt kommt das Luther-Jahr und die Katholiken und Protestanten sind so weit voneinander weg. Jetzt, wo auch noch so viele arabische Muslime kommen, wird es höchste Zeit, dass man zusammen Wortgottesdienst feiert. Das Schlimme ist, dass die katholische Kirche einfach zu viele Eucharistiefeiern hält. Da können die anderen natürlich nicht mitmachen." Die würden ausgegrenzt.

Früher habe es doch auch viel mehr Andachten und Wortgottesdienste gegeben. "Da kam man zusammen. Man konnte sich einbringen, Gott zu loben und Gott zu ehren." In Ghana, in seiner Missionsstation funktioniere dies ausgezeichnet. "Da werden alle Instrumente, die sie haben, mit eingesetzt."

Er sei "Ruheständler" gewesen, als er nach West-Afrika ging. Er glaube, dass das Christentum Fortschritt bringe. "Jetzt werden dort keine Hendln mehr geschlachtet, damit einer gesund wird." Seine Einrichtung umfasse vom Kindergarten über die Volksschule bis hin zur Junior Highschool. "Nicht alle sind offen gegenüber Bildung. Es gibt sehr viele Eltern, die Analphabeten sind und sich der Bildung ihrer Kinder gegenüber verschließen."

"Unsere Einrichtungen sind besser als die staatlichen Schulen." Dies wüssten viele und schickten ihre Kinder her. Er selber gebe keinen Religionsunterricht, weil der staatlicherseits verboten sei. "Ich gebe eine Stunde am Tag Lebenshilfe, die nicht religiös klingen darf, sondern ethisch." Alle seien begeistert. "Ich will Heimat in meine Schule bringen, bis hin zur gemeinsamen Mittagsbetreuung."

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Weitere Informationen:

www.ghana-hilfe-pfarrer-renner.de

Jetzt, wo auch noch so viele arabische Muslime kommen, wird es höchste Zeit, dass man zusammen Wortgottesdienst feiert. Das Schlimme ist, dass die katholische Kirche einfach zu viele Eucharistiefeiern hält. Da können die anderen natürlich nicht mitmachen.Pfarrer Josef Renner
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