Plötzliches Jobwunder für Lehrer
Vom Freistaat bisher vernachlässigt

Die Einstellungspolitik für Lehrer im Freistaat ist nach wie vor unbefriedigend. Nun helfen die Flüchtlinge arbeitslosen Junglehrern aus der Bredouille. Aber für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist das Probleme trotzdem nicht ausreichend gelöst.

Der Freistaat weigere sich nach wie vor, die Junglehrer entsprechend ihrer Ausbildung anzustellen, betont Anna Forstner, stellvertretende Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beim Jahrespressegespräch von DGB und Gewerkschaften. Mit einem Vertrag, der von Februar bis Juli gilt, könne niemand seine Zukunft planen. 440 Übergangs- und Eingliederungsklassen für Flüchtlinge seien in Bayern eingerichtet. Demnächst würden es wohl 1000 Klassen sein. Doch nicht nur deshalb sei der Lehrer-Markt abgeräumt, sondern auch, weil die Freistaat mit seiner zögerlichen Anstellungspolitik viele Lehrer in andere Bundesländer "vertrieben" habe. Dort sei ein Angestelltenvertrag immer noch leichter zu erhalten als eine Verbeamtung in Bayern. Und: Arbeitslose Gymnasiallehrer würden in den Grundschuldienst verpflichtet.

Die harten Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst hätten wieder dazu geführt, dass die Gewerkschaft neue Mitglieder gewinnen konnte. "Eigentlich müssten die Arbeitgeber ins Grübeln kommen: Bei jedem Tarifstreik legen die Gewerkschaften stark Mitgliedern zu."

Die Gewerkschafterin betonte aber auch, dass Ministerium und Handwerkskammer sehr früh erkannt hätten, dass mit der Integration von Flüchtlingen die Nachwuchsprobleme gelöst werden könnten. Schlüssel für die Integration sei der Spracherwerb. Dazu dienten Übergangsklassen und Praktika. "Die Erfahrungen sind bisher überaus positiv." Wichtig sei auch die Vorbereitung der Flüchtlinge für das Studium. So starte in der nächsten Woche auch an der Fachoberschule in Weiden (ebenso wie in Würzburg und Augsburg) eine "Flüchtlingsklasse".

"Mist unterschrieben"


Eine gemischte Bilanz legte Harald Hammer, Geschäftsstellenleiter der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft vor, der 6300 Mitglieder betreut. Der Tarifvertrag mit der Regionalbus Ostbayern, bei der die EVG inzwischen einen Organisationsgrad von über 60 Prozent erreicht, sei als allgemeinverbindlich anerkannt. Die Tarife seien aber weiter "im Keller". "Wenn die Eltern wüssten, was die Busfahrer bekommen, denen sie ihre Kinder anvertrauen, würde ihnen schlecht." Hart ins Gericht ging Hammer jedoch mit der Konkurrenzgewerkschaft der Lokführer. Diese habe zum Beispiel mit der Agilis einen Tarifvertrag ausgehandelt, "bei dem die Mitarbeiter noch etwas zurückzahlen müssen". "Es ist unglaublich, was da für ein Mist unterzeichnet wurde." Dies führe nun dazu, dass die GdL massiv Mitglieder an die EVG verliere. "Wir werden nach dem Tarifeinheitsgesetz auch bald in der Lage sein, die Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zu zwingen."

Sorgfältig bereite die EVG die Verhandlungen mit der Bahn AG vor. Dort zeigten sich immer deutlicher die Managementfehler. Der Fernbusverkehr etwa werde sträflich vernachlässigt. Es gelte, Arbeitszeiten neu zu gestalten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Ein "riesiges Thema" sei inzwischen die Sicherheit in den Zügen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.