Polizei überführt ehemaligen Lehrer, der sechs Mal das Auto eines Polizisten zerkratzt haben ...
Studiendirektor a.D. in Erklärungsnot

Ein Studiendirektor a. D. muss sich vor dem Amtsgericht wegen Sachbeschädigung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Lehrer vor, sechs Mal das Auto eines Polizisten verkratzt zu haben. "Kein Wort, das auf mich zutrifft", kommentierte der Weidener die Anklage von Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf - und servierte abenteuerliche Erklärungen.

Dabei ist die Beweislage erdrückend. Es gibt eine Videoaufzeichnung, die zeigt, wie der Pensionär dicht am Auto entlang radelt und sich just auf Höhe des Pkw nach unten beugt. Danach zierte den Lack des Ford Galaxy ("frozen white") ein frischer Kratzer. Und es gibt einen Schraubenzieher, den die Polizei bei dem 67-Jährigen sicherstellte: mit weißen Lackspuren an der Spitze, laut LKA von frostweißer Ford-Farbe.

Wie das? Der Pensionär, vertreten von Anwalt Werner Buckenleib, war um Erklärungen nicht verlegen. Die "komische Bewegung" im Video erklärte er mit einer Verletzung am Knie. An diesem Morgen sei er schwer gestürzt: "eine Schnittwunde am Knie von 8 Zentimetern und ein Loch im Schienbein - da hat man einen Kugelschreiber reinstecken können." Seine Lebensgefährtin habe die Verletzung notdürftig verpflastert und eben dieses Pflaster habe sich beim Treten ständig gelöst, als er sich erneut auf den Weg machte: "Das erklärt die saudumme Haltung."

Für alles eine Erklärung


Und der Lack am Schraubendreher? Der käme von der Renovierung von Türen in seinem Elternhaus in einem Weidener Ortsteil. "Mein Vater hat da viel Murks gemacht. Lackiert. Gespritzt. Das kratze ich alles ab." Mit eben diesem Schraubenzieher, den er in der Fahrradtasche verstaut hatte. Richter Hubert Windisch war skeptisch: "Haben die damals Autolack an die Türen?" Ja, beteuert der Angeklagte, man sei "aus der Branche" und horte einen Vorrat an Farben. Als das Gutachten einging, das weißen Ford-Lack nachwies, sei er sofort in den Keller gelaufen und habe eine Dose gefunden: "Genau diese Farbe ist an diesen Türschildern dran. Frostweiß. Toll, habe ich mir gedacht, jetzt hänge ich drin."

Der 67-Jährige erntet Stirnrunzeln der Robenträger, hat jetzt aber die Gelegenheit, seine Version zu beweisen. Richter Windisch ordnete die Sicherstellung der Türen durch die Polizei plus ein weiteres Gutachten des Landeskriminalamtes an. "Die Geduld des Gerichts ist unendlich, wenn es um Wahrheitsfindung geht." Die Polizei fuhr noch am Mittwoch mit dem 67-Jährigen in das Haus.

Ein Beamter der Weidener Inspektion schilderte den Fall aus seiner Sicht: Dem Kollegen sei von Juni bis August 2015 fünfmal das Auto verkratzt worden. "Das konnte sich eigentlich bloß gegen ihn als Polizisten richten. Die anderen Autos in der Straße bleiben unbehelligt." In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft habe die Kripo im Oktober eine Kamera installiert. Die lief keine Stunde, da meldete der betroffene Kollege schon einen frischen Kratzer von 70 Zentimetern. Eine halbe Stunde sei das Auto geparkt gewesen. Auf dem ganzen Film komme nur der 67-jährige Radfahrer als Täter in Frage, alle anderen Fußgänger oder Radler waren zu weit entfernt.

Auch aus Richter Windisch' Sicht fuhr der Pensionär extrem dicht an dem gegenüber geparkten Galaxy vorbei: "Es gilt doch Rechtsfahrgebot für Radfahrer." Eine Woche später habe man den ehemaligen Lehrer identifizieren und festhalten können. Von einer Verletzung nach einem schlimmen Sturz war damals nicht die Rede, erinnerte sich der ermittelnde Polizeibeamte. "Er sagte, er habe runter gelangt, weil mit der Kette oder dem Gang etwas kaputt war."

"Ich kenne ihn gar nicht"


Lehrer und Polizist wohnen 500 Meter voneinander entfernt. Eine Verbindung zwischen den Männern konnte das Gericht nicht herstellen. "Ich kenne den Herrn nicht", sagte der 38-jährige Polizist. Und der Pensionär: "Ich habe diesen Mann in meinem ganzen Leben noch nie gesehen. Ich wusste gar nicht, dass der existiert." Das Gericht will jetzt das weitere Gutachten des LKA abwarten. Der Staatsanwalt wies daraufhin, dass bereits 2015 ein Verfahren gegen den Studiendirektor anhängig war. Das Delikt: Ausschütten von Altöl. Das Verfahren wurde eingestellt. "Aber schon seltsam, dass Ermittlungen immer in Ihre Richtung führen."
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