Pre-Opening der Wurzer Sommerkonzerte
Flautando ohne Flaute

Kerstin de Witt, Katrin Krauß, Ursula Thelen und Susanne Hochscheid (von links) von "Flautando Köln" sorgten für ein gelungenes Pre-Opening der Wurzer Sommerkonzerte im Foyer der Sparkasse Oberpfalz Nord in Weiden. Bild: Wilck

Von Peter Donhauser

Weiden. Das Pre-Opening der Wurzer Sommerkonzerte beginnt 2016 mit einem "Travelling Circus - Jahrmarkt", so wird das Konzert des Ensembles "Flautando Köln" angekündigt. Das einschlägige Goethe-Zitat "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen und jeder geht zufrieden aus dem Haus" scheint durch das Foyer der Sparkasse Oberpfalz Nord zu schweben. Es charakterisiert zum einen das Programm der Kölnerinnen zu mit ihren sage und schreibe 40 Blockflöten - welch sichere Werte lagern da ungesichert auf dem Podium!

Politische Solidarität


Es trifft auch zu auf das Programm der anstehenden zwölf Wurzer Sommerkonzerte. Dr. Rita Kielhorn war 1988 die "Hebamme" dieser Open-Air-Recitals, die nun zum 29. Mal angeboten werden. Sie lauschen 2016 bevorzugt nach Osten, nach Böhmen. Sie wandeln 2016 auf den Pfaden des Jubilars Max Reger, wie könnte es denn anders sein. Kielhorn würdigt auch, dass erst politische Solidarität und kräftige finanzielle Schultern einen derartigen Erfolg möglich machten.

Die vier Blockflötistinnen waren schon 2009 in Wurz zu erleben. Es sind Kerstin de Witt, Katrin Krauß, Susanne Hochscheid und Ursula Thelen, die sich im Laufe des Abends auch noch als versierte Sängerin outet. Am Donnerstag lassen sie uns einen Abend lang staunen, welche enorme Klangmöglichkeiten dieses archaische Instrument auf der Palette hat. Sie beherrschen alle Künste der Artikulation, der Atemführung, der makellosen Intonation, der stilistisch passenden Verzierung. Sie lassen ihre Flötenschaar singen, zwitschern und spucken. Grandios geraten die langen gehaltenen Töne: Sie leben, entwickeln sich, gewinnen eine Nuance an Vibrato, verdämmern. Jeder Organist würde solche Künste gern auch seiner Orgel beibringen!

Kunstvoll komponiert


Die stilistische Bandbreite der Stücke reicht von Tänzen der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert, von kunstvollst komponierter und gespielter Musik (grandios: Telemann und wieder einmal Bach) hin zu hinreißenden Melodien aus Irland und der Türkei. Gott erhalte uns das Grundgesetz der Harmonielehre und bewahre uns vor dem Gespenst der Leitkultur. Langeweile kommt nie auf, doch ist der rote Faden des Programms trotz wortgewandter Moderation nicht immer schlüssig nachzuvollziehen. Wir haben jedenfalls gelernt, dass Palestrina (Wie der Hirsch rufet nach frischem Wasser, so ruft meine Seele nach Gott, Psalm 42) und Bach (Wir danken dir Gott, wir danken dir, BWV 29) bei den frommen Schaustellern der Jahrmärkte präsent sind.

Zum Dahinschmelzen gerät die subtile, geistreiche und virtuose Komik der Zugabe, ein Amazonenritt vom Csárdás des Vittorio Monti über den Radetzki-Marsch zu Händel. Halleluja!
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