Professor Dr. Wolfgang Schoberth beim Freundeskreis Tutzing
Wo ist der Ursprung?

Wolfgang Schoberth. Bild: sbü

Dieser Vortrag war eine intellektuelle Herausforderung: Den Tag mit einigen erbaulichen Gedanken über Religion und die Entstehung der Welt langsam ausklingen zu lassen, war nicht möglich. Dafür gab es umso mehr zu erfahren.

Mit Professor Dr. Wolfgang Schoberth hatte der Freundeskreis Evangelische Akademie Tutzing einen bekannten Geisteswissenschaftler geladen, der religiöse und philosophische Gedanken auf einem sehr hohen Niveau vortrug. Wer die gedanklichen Reise zu Evolution und Schöpfung dennoch mitmachte, wurde belohnt.

Schoberth ist Theologe, Philosoph und Soziologe an der Universität in Erlangen. So beleuchtet er die biblische Schöpfungsgeschichte und die naturwissenschaftlichen Evolutionstheorien aus verschiedensten Blickwinkeln. Mit Verweis auf die naturwissenschaftlichen Erklärungen der Entstehung von Erde und Weltraum stellte er die Frage: "Hat sich die biblische Vorstellung, dass Gott die Quelle allen Ursprungs ist, erledigt?" Ähnlich auch die Frage: "Wo ist noch Raum für einen aktiv handelnden Gott?"

Glaube an Gott obsiegt


Dass beim Theologen Schoberth am Ende der Glaube an Gott als Schöpfer der Welt obsiegt, überrascht zwar nicht. In seinen Überlegungen, auf dem Weg dahin, liegt jedoch der eigentliche Erkenntniswert. Erster zentraler Gedanke zur Frage, ob Schöpfungsglaube oder Evolutionstheorie die Entstehung unseres Universums erklärt, lautet: "Solange die beiden Sichtweisen innerhalb eigener Logik- und Systemgrenze bleiben, gibt es keinen Konflikt."

So könne in einem naturwissenschaftlichen Satz das Wort Gott nicht vorkommen. Und im Schöpfungsglauben komme das, worüber Evolutionstheorie spricht, auch nicht vor. "Wenn allerdings aus der Evolutionstheorie Schlussfolgerungen für das Zusammenleben der Menschen abgeleitet werden, kommt es zum Konflikt." Andererseits kritisiert Schoberth auch einen "christlichen Kreativismus" als "schlechte Theologie".

Die Schöpfungsgeschichte dürfte nicht so wörtlich genommen werden, dass daraus eine Theorie der Weltentstehung abgeleitet werden könne. Kritik übt der Wissenschaftler auch dann an den Naturwissenschaften, wenn diese behaupten, "es gibt nichts, was nicht physikalisch zu beschreiben ist". Anschaulich dazu sein Beispiel: "Ein Chemiker kann ein Kunstgemälde zwar untersuchen, auch feststellen, ob es echt ist." Er könne aber nicht beurteilen, ob es sich um wertvolle Kunst handelt. Falsch sind laut Schoberth auch Aussagen wie "Was ich nicht erklären kann, ist auch nicht existent".

Nicht alles erklärbar


Vielmehr gelte: "Naturwissenschaften können unser Verhältnis zur Welt nicht beantworten. Sie bleiben bei den Naturgesetzen stehen." Als Wissenschaftler zeigt sich Schoberth fest überzeugt, dass auch zukünftig nicht alles wissenschaftlich erklärt werden könne. "Die biologische Evolution des Menschen ist an anderer Stelle im Gesamtuniversum extrem unwahrscheinlich."

Am Ende des Vortrags beantwortete Schoberth die Frage: "Was glaubt der Schöpfungsglaube?" Keinesfalls dürften die Texte wie zum Beispiel die über die sieben Schöpfungstage (Genesis) wörtlich genommen werden. Die Bibel wolle nicht auf "Tatsachenwahrheiten reduziert werden". Für Schoberth stellen "fundamentalistische Strömungen eine elementare Gefährdung des Glaubens dar". Bibeltexte sollten vielmehr von ihren Aussagen heraus ("Was der Schöpfungsglaube zu sagen hat") gelesen werden, "um den Glauben zu begründen".
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