Professor Theodor Klotz reicht Petition für HPV-Impfung für Jungen ein
Auch Männer wollen Schutz vor ekligen Viren

Es macht ja auch keinen Sinn, nur Frauen gegen Masern oder Röteln zu impfen.

Prof. Dr. Theodor Klotz spricht von "ekligen Viren". Sie lösen Gebärmutterhalskrebs und Peniskarzinome aus. Deshalb zahlt die Krankenversicherung die Impfung gegen Humane Papillomviren. Allerdings nur für Mädchen. "Das ist diskriminierend", findet der Vorsitzende der Stiftung Männergesundheit Berlin - und handelt.

Sie führen bei Frauen zu Wucherungen an der Gebärmutter, bedingen unter anderem Peniskarzinome bei Männern. Nun sind Humane Papillomviren (HPV) ein Fall für den Bundestag. Denn die Stiftung Männergesundheit Berlin unter Vorsitz von Professor Dr. Theodor Klotz, Chefarzt der Urologie am Klinikum Weiden, reichte erstmals eine Petition ein.

Darin fordert sie die kostenfreie Impfung gegen HPV für Jungen - und damit das gleiche Recht, wie es für Frauen schon seit 2014 gilt. Seitdem tragen die Krankenversicherungen die Kosten für die HPV-Impfung bei Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren, vor der Aufnahme einer regelmäßigen sexuellen Aktivität. "Aber auch Jungen sind Überträger dieser Viren", betont Klotz.

Die Folge: "Wenn 50 Prozent der Bevölkerung per se von der Impfung ausgeschlossen werden, kann niemals eine genügend hohe Durchimpfung erreicht werden." Die Benachteiligung von Männern gereicht also auch Frauen zum Schaden. Denn ein Rückgang der Krebserkrankungen, die mit HPV in Verbindung gebracht werden, sei damit unwahrscheinlich, eine Ausrottung gar unmöglich, argumentiert Klotz. "Es macht ja auch keinen Sinn, nur Frauen gegen Masern oder Röteln zu impfen."

Finger in die Wunde legen


Außerdem sei es ungerecht: "Die Tatsache, dass Jungen nicht die gleiche Möglichkeit wie Mädchen haben, ihr Risiko einer HPV-assoziierten Krebserkrankung durch eine kostenfreie Impfung zu senken, ist ein klarer Verstoß gegen den im Grundgesetz verankerten Gleichheitssatz", klagt der Professor. Und: "Wir wollen hier als Stiftung Männergesundheit den Finger in die Wunde legen."

Apropos Wunde: Bislang wird als Argument gegen eine Impfung von Jungen ins Feld geführt, dass ein Peniskarzinom im Vergleich zum Gebärmutterhalskrebs sehr selten auftrete. Das Problem: Trifft einen Mann die Diagnose, fällt die Prognose deutlich schlechter aus als bei einer Frau. Therapiestandard sei eine Penisamputation oder Penisteilamputation, wie sie Professor Klotz am Klinikum Weiden übrigens etwa fünf Mal im Jahr vornimmt. Damit gehe eine "extrem hohe Einbuße an Lebensqualität und ein enormer Leidensdruck" einher, heißt es in der Petition.

Provokante Fragen


Zudem würden die Viren auch Tumore in Mund- und Rachenraum bedingen - vor allem bei Männern. Sie seien fast 2,5 Mal häufiger von Tumoren in diesem Bereich betroffen, und sie sterben häufiger als Frauen daran. In der Folge fragt die Stiftung in der Petition provokant: "Wenn eine Erkrankungsrate von 4600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs pro Jahr ausreichte, um die HPV-Impfung bei Mädchen durchzusetzen, warum rechtfertigen 10 000 Erkrankungsfälle p. a. an Tumorerkrankungen des Mund- und Rachenbereichs bei Männern nicht, dass auch eine Impfempfehlung für Jungen ausgegeben wird?"

Mit einer Antwort des Bundestags rechnet Professor Klotz nicht so schnell: "Zunächst wird es eine Anhörung der Fachleute geben." Darin könnte der wissenschaftliche Vorstand der Stiftung auch von Feigwarzen an Genitalien, ebenfalls ausgelöst von Papillomaviren, berichten. Denn: "Diese Feigwarzen sind extrem häufig. Das ist eine der lästigsten Erkrankungen des jungen Mannes. Und ich bin überzeugt, dass ein Teil der Männer, die im Bundestag sitzen, weiß, wovon ich spreche."
Es macht ja auch keinen Sinn, nur Frauen gegen Masern oder Röteln zu impfen.Professor Theodor Klotz, Stiftung für Männergesundheit
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