Prozessbeginn gegen mutmaßliche Spenden-Betrügerin geplatzt
Richter lässt Angeklagte untersuchen

Der Prozessbeginn gegen eine mutmaßliche Spenden-Betrügerin ist geplatzt. (Foto: dpa)

(rns) "Wenn das nur vorgetäuscht ist, gibt's einen Haftbefehl". Landgerichtspräsident Walter Leupold war sichtlich verärgert, als eine Angeklagte am Mittwoch früh nicht zu ihrer Verhandlung erschien.

Kurz vor Mitternacht hatte das Landgericht ein Fax von Rechtsanwalt Dominic Kriegel erhalten, dass dessen Mandantin sich wegen einer "TIA" im Klinikum befinde. Die "transitorische ischämische Attacke" ist eine kurzzeitige Durchblutungsstörung des Gehirns. Sie gilt als Vorbote eines Schlaganfalls.

Die 44-Jährige aus dem Landkreis Neustadt/WN sollte sich in dem, auf vier Tage angesetzten, Prozess wegen Betrugs verantworten. Oberstaatsanwalt Rainer Lehner wirft ihr vor, fast 110 000 Euro Spenden gesammelt zu haben. Diese seien aber nicht dem guten Zweck zugeführt worden, sondern von der Landkreisbürgerin einbehalten worden. Die Frau soll bei 930 Spendern rund 68 000 Euro für sogenannte "Trostbären" aquiriert haben. Die Teddys werden in Rettungswagen und anderen Einsatzfahrzeugen bereit gehalten, um an Unfällen beteiligte Kinder zu trösten oder sie vom Schmerz ab zu lenken.

Weitere 37 000 Euro soll die Frau für bedürftige Kinder gesammelt und das Geld einbehalten haben. Auch 3500 Euro für ein fränkisches Frauenhaus seien in ihre Tasche geflossen, so die Anklage der Weidener Staatsanwaltschaft.

Leupold ordnete an, die Angeklagte sofort von einem Rechtsmediziner auf Verhandlungsfähigkeit untersuchen zu lassen. Die Verhandlung wurde unterbrochen und soll am Freitag, 9 Uhr, fortgesetzt werden. "Dann werden wir weiter sehen", meinte Landgerichtssprecher Markus Fillinger.
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