Psychiater hält Ex-Soldat Ted T. für voll schuldfähig
"Ich habe gelernt zu töten"

Bild: Götz

Ted T. (29) ist voll schuldfähig. Zu diesem Schluss kam am Montag Dr. Thomas Lippert, der psychiatrische Gutachter im Prozess wegen versuchten Mordes. Er hält zwar eine leichte posttraumatische Belastungsstörung nach Kriegseinsätzen für möglich. Aber das erfülle nicht die Voraussetzung für eine Einweisung.

Weiden/Pressath. Drei Mal war Ted T. im Krieg: zwei Mal im Irak, dann in Afghanistan, jeweils ein Jahr. Dem Psychiater schilderte er eine lieblose Kindheit bei Adoptiveltern in Atlanta. Nach der High School ging er mit 19 Jahren zur Army. Dem Psychiater berichtete der Angeklagte, in der Grundausbildung alles gelernt zu haben, "was man im Krieg zu tun hat". Bomben und Sprengsätze legen, Schießtraining: "Ich habe gelernt, zu töten."

In Bagdad sei er 2007 an Hausdurchsuchungen beteiligt gewesen. "Wenn geschossen wurde, hat er auch geschossen", gibt Lippert wieder. Am Schlimmsten empfand Ted T. Afghanistan 2012. Man sei auf Berggipfeln festgesessen und permanentem Gefechtsfeuer ausgesetzt gewesen. Ein Freund sei an einem Schuss in den Mund gestorben. "Er habe ständig um sein Leben kämpfen müssen."

Verifiziert werden kann das alles nicht. Zumindest, was seine Trinkgewohnheiten anbelangt, hat der Angeklagte bei der Befragung ordentlich übertrieben. Drei bis vier Bier trinke er täglich, dazu Schnäpse, am Wochenende saufe er bis zum Vollrausch - das widerspricht der Haaruntersuchung, die keinerlei Spuren von Alkohol und Drogen aufzeigte, sowie allen Zeugenaussagen.

Lippert hat die Krankenakten der Army studiert. Demnach begab sich Ted T. nach dem Afghanistan-Einsatz selbst zur ambulanten Therapie in Grafenwöhr. Ted T. beschrieb sich als aggressiv, zeitweise depressiv. Er leide an Stimmungsschwankungen ("öfter down, als up"), liege nachts stundenlang wach, habe Alpträume. Der Psychiater sah "milde Symptome" für eine posttraumatische Belastungsstörung. Er verschrieb ein Neuroleptikum zur besseren Kontrolle.

Trotzdem kam es 2014 zu einer Disco-Schlägerei. Im gleichen Jahr rückte die Polizei aus, als Ted T. zuhause die Tür eintrat. Der Armee-Psychiater konstatierte nun eine "antisoziale Persönlichkeitsstörung". Der Sergeant schied aus dem Dienst aus. Er blieb - in der Folge unbehandelt - als Zivilist mit seiner deutschen Frau und Familie in Pressath. Der Fall war für die US-Army damit erledigt.

Der psychiatrische Gutachter Lippert entwickelte am Montag "ganz vorsichtige" Thesen, warum der 29-jährige Ted T. in der Pfingstnacht 2015 in das Haus in der Bachstraße einbrach und im Verlauf eine 25-jährige, ihm wildfremde Altenpflegerin beinahe ums Leben brachte. Entweder ging es ihm ums Geld, so wie der Angeklagte selbst bei der Polizei sagte. "Dafür spricht der Versuch, in der Metzgerei die Kasse aufzubrechen."

Gier nach Geld oder Sex?


Der Psychiater hielt auch sexuelle Motive für denkbar. Kurz vor der Tat hatte Ted T. seine Frau per SMS mitgeteilt, dass er die Nacht gefälligst auf der Couch verbringen solle. Kurz darauf googelte der Amerikaner im Internet nach Sexkontakten in seiner Umgebung. Das Haus kannte er aus früheren Besuchen bei der Vormieterin, die inzwischen verzogen war.

Am Montag sagte auch der Soko-leiter der Weidener Kripo aus, bei dem der Angeklagte damals ein volles Geständnis ablegte, das er nur im Hinblick auf die versuchte Vergewaltigung revidierte. Auch der Kriminalbeamte fragte natürlich nach der Motivation, dieses Haus zu besuchen: "Er sagte, er habe das Haus aus früheren Besuchen bei der Obermieterin gekannt." Er habe aber gewusst, dass diese nicht mehr da war. Zitat aus dem Protokoll: "Ich habe nur nach Geld gesucht und dachte, das Anwesen ist menschenleer." Warum er dann mit einem Fleischermesser in die Wohnung der Altenpflegerin eingebrochen sei? "Ich weiß es nicht mehr. Irgendetwas hat mir gesagt, ich soll das Messer mit raufnehmen."

Am Mittwoch, 9 Uhr, werden die Plädoyers von Staatsanwalt, Verteidigung und Nebenklage erwartet. Gegen Mittag fällt das Urteil.

Strafmaß versuchter MordAuf Mord steht lebenslang. Bleibt es beim Versuch, ist eine Strafmilderung möglich. Konkret bedeutet lebenslänglich eine Haftentlassung nach frühestens 15 Jahren. Bei einer zeitigen Freiheitsstrafe mit maximal 15 Jahren wäre eine vorzeitige Entlassung nach 10 Jahren möglich.

Am Landgericht Weiden ist im Mai 2013 schon einmal ein Mordversuch mit lebenslänglich abgeurteilt worden: Ein 52-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth hatte seine Partnerin mit einer selbstgebastelten Lanze angegriffen. Der Mordversuch war bis ins Detail vorgeplant: Der Täter hatte schon einen Müllsack zum Entsorgen der Leiche dabei. (ca)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.