Rallye-Legende aus Ostbayern: Walter Röhrl im Gespräch mit „Auto Motor Spezial“
„Was du mit Freude machst, machst du g‘scheit“

Der zweimalige Rallye-Weltmeister setzt sich heute für Porsche ans Steuer. (Foto: Porsche AG)
(Reiner Wittmann)

„Jetzt regnet’s gerade, da hab‘ ich mir gedacht, ich ruf‘ Sie gleich zurück“, sagt ein angenehmer Bass am Telefon. Walter Röhrl ist „beim Holzmachen“ im österreichischen Saalbach-Hinterglemm, wo der Motorsportler ein Haus hat. Für das Interview mit „Auto Motor Spezial“ legt er gerne die Säge aus der Hand. Schon nach den ersten Sätzen wird klar: Da ist ein Champion am Apparat, der trotz aller Erfolge die Bodenhaftung nicht verloren hat…

Herr Röhrl, Sie haben als Rallyefahrer Motorsportgeschichte geschrieben. Haben Sie schon als Kind von einer Karriere am Steuer geträumt?

Nein, ich sah mich in meiner Jugend als Skisportler. Den entscheidenden Impuls für den Motorsport gab dann ein guter Freund, der zu mir sagte: „Du hast so ein gutes Gespür fürs Auto, du musst Rallye fahren.“ Das habe ich dann dank seiner Unterstützung auch getan. In drei Jahren habe ich an fünf Rallyes teilgenommen. Mein Freund hat dann aus eigenem Antrieb bei den Autoherstellern immer Werbung für mich gemacht: „Den müsst Ihr als Werksfahrer nehmen. Das ist der beste Rallyefahrer der Welt!“ Dann kam tatsächlich ein Angebot: „Alles klar zur Vertragsunterschrift“. Für mich war das überraschend, der besagte Freund hatte alle Details in die Wege geleitet, ohne dass ich davon wusste. Meine Ambitionen als Skilehrer waren damit vom Tisch. Ich kündigte auch meinen Job beim Bischöflichen Ordinariat in Regensburg. Man kann sich ja vorstellen, dass meine Eltern davon nicht begeistert waren.“

Was hat Ihnen dieser Sport gegeben?

Ich war immer konsequent, Perfektionist und ehrgeizig und wollte wissen, was ich wirklich drauf hab‘. Was muss ich tun, damit ich der Beste bin und noch besser werde? Der Rallyesport hat mir bewiesen, dass ich mit meinem Ehrgeiz Recht hatte und mich auch richtig einschätzte. Und er hat mir gezeigt: Was du tust, muss dir Freunde machen, dann machst du es auch g‘scheit. Ich hatte auch Angebote fürs Tourenwagenfahren. Das war aber nicht das Meine, da waren zu viele Leute, zu viele Zuschauer. Ich war damals eher menschenscheu, da sagte mir der Rallyesport mehr zu. Außerdem hatte dieser Sport gerade in den 70er und 80er Jahren unmittelbare Auswirkungen auf die Serienproduktion. Die Anforderungen an ein Rallyefahrzeug sind ja vergleichbar mit jenen, die an ein Serienfahrzeug gestellt werden, nur extremer. Aus dem Rallyesport haben sich so zum Beispiel die Sicherheitsgurte entwickelt, der Gürtelreifen, die Scheibenbremsen, man gewann Erkenntnisse für die Verbrauchsreduzierung und so fort. Damit war man Teil des technischen Fortschritts.

Autonomes Fahren, Digitalisierung – die Autowelt steht vor großen Veränderungen. Wie werden wir in 25 Jahren Auto fahren?

Sie können sich denken, dass ich ein Gegner des autonomen Fahrens bin. Für die Menschheit ist es wohl ein Gewinn, für mich ist die Vorstellung schrecklich. Ich möchte selbst das Auto beherrschen, selber beurteilen, was auf der Straße los ist. Bis wir im Alltag wirklich autonom fahren, werden bestimmt noch mindestens 25 Jahre vergehen. Firmen wie Google kommen eben nicht aus dem Automobilbau. Da wird die Entwicklung meines Erachtens zu optimistisch gesehen. Wie gesagt, für mich persönlich ist das autonome Fahren eine schreckliche Vorstellung. Ich glaube aber, dass es für andere auch ein Segen sein wird, denn viele Menschen sind einfach nicht bereit, sich aufs Autofahren voll und ganz zu konzentrieren. Da wird nebenbei telefoniert und geplaudert und hinterher wissen die Leute gar nicht, welche Route sie genommen haben. Auch das Elektro-Auto wird zum Teil in einem falschen Licht betrachtet. Wer mit einem E-Auto fährt, schont nicht zwangsläufig die Umwelt. Der Strom kommt zwar aus der Steckdose, muss aber auch erst produziert werden. Dann entstehen die Schadstoffe eben woanders, das Problem wird nur verlagert. Für die Stadt und kürzere Strecken mag es dennoch eine sinnvolle Alternative werden. Für mich persönlich gilt: Für lange Strecken steige ich in ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Es muss surren, ich brauche dieses Geräusch. In der Stadt steige ich aufs Fahrrad.

Was macht ein Rallye-Ass im Ruhestand?

Ich will gesund altern. Um fit zu bleiben, treibe ich daher viel Sport. Ich bin aber ja nicht wirklich im Ruhestand, sondern arbeite bei Porsche als Versuchsfahrer und bin immer noch viel unterwegs. Das Autofahren macht nach wie vor großen Spaß, genauso viel wie vor 50 Jahren.

Zur Person
Der gebürtige Regensburger Walter Röhrl (69) ist vielleicht der „beste Rallyefahrer aller Zeiten“, wie eine Jury aus 100 Motorsport-Experten einmal urteilte. Röhrl war von 1973 bis 1987 Werksfahrer für verschiedene Autoproduzenten und entwickelte sich zu einer beherrschenden Figur in der Rallye-WM, die er wiederholt für sich entschied. Als Beifahrer zumeist an seiner Seite: der Münchner Christian Geistdörfer. Röhrl ist heute Porsche-Werks-Repräsentant und Versuchsfahrer für das Unternehmen. Zusammen mit seiner Frau wohnt er in St. Englmar im Bayerischen Wald. Demnächst wird er in Ostbayern am 21. und 22. Oktober bei der 3-Städte-Rallye rund um den Ort Kirchham (bei Bad Füssing) zu sehen sein, wo er ein Voraus-Fahrzeug steuert.
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