Rauferei am Kommunbrautag beim „Käck’n“ hat gerichtliches Nachspiel
Zoff beim Zoigl

Weiden/Neuhaus. Alle Vier sind adrette junge Leute im Alter von Mitte bis Ende 20, alle mit gutem Beruf. Den Kommunbrautag in Neuhaus genossen sie in Dirndl und Lederhosen. Als es am Abend an der Theke beim "Käck'n" eng wurde, war die gute Kinderstube dahin. Ein Pärchen und zwei Kumpels gerieten handgreiflich aneinander. Am Montag musste sich ein 25-jähriger Verkäufer vor dem Amtsrichter wegen Körperverletzung verantworten.

Stellvertretender Amtsgerichtsdirektor Hubert Windisch bekommt große Augen angesichts der Promillewerte. Der Angeklagte hatte bei der polizeilichen Messung 1,4 Promille, seine Freundin kam auf 2,1 Promille. "Wie bitte?", ist sie vor Gericht selbst überrascht. "Das müssten sechs, sieben Bier gewesen sein", rechnet Windisch hoch. Die Angestellte (26) schätzt: "Fünf, und ich habe nichts gegessen." Zum Zeitpunkt des Streits befand sich das Pärchen schon neun Stunden auf dem Kommunbrautag.

Auf 2 und 2,16 Promille kamen auch die Kontrahenten: ein Soldat (30) und sein Kumpel, ein 29-jähriger Controller. "Es war ein Supertag", erinnert sich dieser. "Wir sind nach Neuhaus gewandert, saßen mit wildfremden Leuten am Tisch. Alle waren gut drauf. Und auf einen Schlag war der ganze Tag im Eimer."

Um 21 Uhr war auch der Innenhof der Zoiglstube "Käck'n" gut voll. Das Paar stand an der Bar, als die zwei Männer zur Theke drängten, um zwei Zoigl zu bestellen. Beide Parteien stammen aus Gemeinden in der Landkreismitte, kannten sich aber nicht. "Jetzt bleibt mal ruhig", will die Frau gesagt haben. Der Soldat habe gelästert: "Jetzt schickt der seine Freundin vor." Sie habe sich zunehmend bedrängt gefühlt und die Arme gehoben, als sie von dem Soldaten erst eine Ohrfeige, dann einen Schlag gegen die Brust bekam. "Das war ein Schock. Ich hatte nicht erwartet, dass man da handgreiflich wird."

Den Falschen erwischt


Dieser Vorfall steht vor Gericht nicht zur Debatte - wohl aber das, was folgte. Ihr Freund schritt ein, streckte prompt den Falschen nieder: den Kumpel des Soldaten. Dieser hatte die bestellten Krüge in der Hand und ging wehrlos zu Boden. "Ich habe nur einmal zugeschlagen", beteuert der Verkäufer. "Das hat ja auch gereicht", sagt Richter Windisch. Der Controller erlitt einen Nasenbeinbruch.

"Ich wollte nur meine Freundin beschützen und habe im Sinne der Notwehr gehandelt", rechtfertigt sich der Angeklagte. Richter Windisch sieht den Schlag nicht durch Notwehr gedeckt. "Und wenn, dann hätten sie sich den anderen Mann vornehmen müssen." Das habe er nicht mehr richtig gesehen, verteidigt sich der Angeklagte, seine Brille war bei der Keilerei zu Bruch gegangen.

Wer? Wen? Warum? "Da sind mehrere Rätsel", beharrt Verteidigerin Dr. Christiane Bardenheuer. Der Angeklagte und seine Freundin haben selbst Hämatome und Schwellungen erlitten, ärztlich attestiert. Dazu die kaputte Brille. "Wir haben überhaupt nichts gemacht", beschwört der Soldat. Vielmehr sei die junge Frau grundlos auf ihn losgegangen: "Sie hat mir mehrmals mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen." So ganz nimmt ihm auch der Richter die passive Rolle nicht ab: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass es keine Vorgeschichte dazu geben soll, dass Ihnen die Frau eine geschmiert hat."

Die Polizei ist auch nicht hilfreich. Der Beamte vor Ort vertagte die Vernehmung angesichts des Durcheinanders: "Jeder hat ein bisschen was anderes erzählt, und alle waren alkoholisiert." Er lud die Zeugen nachträglich vor - im November und Dezember. Die Tat ereignete sich am "Tag der Einheit" am 3. Oktober.

In Zoiglstube versteckt


Die Polizei tat sich anfangs schwer, das "Täterpärchen" überhaupt zu finden. "Da waren ja unends Leute unterwegs", erinnert sich der Polizist. Der Angeklagte und seine Freundin waren in einer anderen Zoiglstube untergetaucht. Das geben sie auch zu. "Wir haben uns versteckt, weil wir wirklich Angst hatten", sagt die Frau. Die Kontrahenten hätten sie auf den Marktplatz verfolgt und bedroht: "Dafür werdet ihr bluten und eures Lebens nicht mehr froh."

Ein wenig bluten muss der Angeklagte: Auf Antrag von Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf stellte Windisch das Verfahren zwar ein. Der Angeklagte muss aber 1000 Euro an das Opfer zahlen. Damit fährt er zumindest besser als mit dem ursprünglichen Strafbefehl über 50 Tagessätze à 35 Euro. Das Opfer lässt sich durch die Kanzlei Schulze vertreten, die den Ausgang des Strafverfahrens abwarten wollte. Die Möglichkeit, zivilrechtlich auf Schmerzensgeld zu klagen, besteht nach wie vor.
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