Raus aus der Stressfalle
Kurs an Volkshochschule vermittelt Strategien zur Stressbewältigung

Autogenes Training, Yoga, Entspannungsübungen: Das sind einige Möglichkeiten, dem alltäglichen Stress zu entfliehen, weiß Psychologe Dr. Stefan Gerhardinger. Bild: sbü

Was den einen beflügelt, macht den anderen krank. Um zu lernen, besser mit Stress umzugehen, bietet ein Experte ein umfangreiches Aktionsprogramm. Wie's funktioniert, vermittelt er an der Volkshochschule.

Es gibt positiven und einen negativen Stress im Leben des Menschen. Das sagt Diplom-Psychologe Dr. Stefan Gerhardinger in seinem Vortrag zum Thema Stress bei der Volkshochschule in Weiden. So entstehe im Falle des klassischen Lampenfiebers ein positiver Zusammenhang zwischen Erregung und Leistung. Ist die Leistung erbracht, verschwindet der Stress. Er verwandelt sich in Zufriedenheit, manchmal sogar in einen Glückszustand. Marathonläufer würden diesen Zustand erfahren, wenn sie im Ziel ankommen. Gerhardinger selbst ist Marathonläufer.

Wenn jedoch das Leben eines Menschen zur permanenten Olympiade mit "schneller, höher, weiter" geworden sei, und "Perfektionismus als Lebensphilosophie" gelte, werde Stress zum Dauerzustand. "Zudem leben wir in einer Multioptionsgesellschaft", sagt Gerhardinger. In der Folge müsse man sich ständig entscheiden. Dies führe häufig zu permanentem Stress. Aus Stress aber, der nicht endet und nicht mehr beherrscht werden kann, entstünden psychische und seelische Erkrankungen und Depressionen. Diese gehörten längst zu den häufigsten Krankheiten. "Depression ist zur Volkskrankheit Nummer eins geworden." Das sage die Weltgesundheitsorganisation. Auch würde jede zweite Frühverrentung in Deutschland durch psychische Krankheiten verursacht.

Auf zum "sozialen Turnen"


Deshalb brauche es Strategien zur Stressbewältigung. Dabei müsse man sich zunächst die Frage stellen: "Warum mache ich, was ich mache?" Denn: "Wir selbst sind unser größter Stressor." Manchmal sei es zwar bequem, "auf Autopiloten zu schalten", und nicht über das nachzudenken, was man täglich macht. Doch dabei steige die Gefahr, "Opfer der Situation zu werden". Gerhardinger empfiehlt deshalb "soziales Turnen".

Damit könne man lernen, in Situationen vielfältig zu reagieren. "Wer Nein sagen kann, hat es manchmal leichter." Der Psychologe rät vor allem: "Reduzieren Sie Ihre Belastung durch Problemlösestrategien und Zeitmanagement." Zeit könne man nicht sparen, Zeitfresser aber erkennen. Zudem empfiehlt er Entspannungsstrategien wie progressive Muskelentspannung. Es folgt in der Aufzählung regelmäßige und bewusste Ernährung, Sport- und Fitnesstraining. Man könne auch Einstellungen und Sichtweisen ändern, denn: "Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Sicht dieser Dinge", habe schon die Philosophie der Stoa gewusst.

Abwehrkräfte für die Seele


Ziel von Entspannungsstrategien müsse es sein, das Immunsystem unserer Seele, die Resilienz, wieder aufzubauen. Gerhardinger empfiehlt auch, "nicht immer nur die Fehler zu sehen". Zum "Stehaufmännchen" werde, wer es schafft, die Resilienzfaktoren wie positive Selbstwahrnehmung, Optimismus, Akzeptanz, Selbstverantwortung und Lösungsorientierung aufzubauen.

Im Übungsprogramm "Der erfolgreiche Umgang mit täglichen Belastungen", entwickelt im Münchener Institut für Therapieforschung, könne dies alles umgesetzt werden. Es beginnt am Dienstag, 2. Februar, an der Volkshochschule und erstreckt sich über zehn Abende. In jeweils 90 Minuten vermittelt Gerhardinger den Teilnehmern Techniken der Stressbewältigung und -vermeidung. Anmeldung unter www.vhs-weiden.de
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