Regierung genehmigt Annahmestelle für Sportwetten
Verzockt: Spiel gegen die Stadt gewonnen und doch Pleite gegangen

Es bleibt bei der Neueröffnung. Die Insolvenz des Betreibers hat keine Auswirkung auf seine Sportbar, die nun sogar um die Wettannahmestelle erweitert werden kann. Bild: Götz

Nein, er ist kein Spieler, sondern Geschäftsmann, Gastronom. Und dennoch ließ er sich auf ein gewagtes Spiel mit der Stadt ein. Er glaubte an seine Karten, an die Kraft der Gesetze, auch wenn sie dem Stadtrat ein Dorn im Auge sind. Der 48-Jährige beantragte die Nutzungsänderung eines Copy-Shops in eine Sportbar und eine Wettannahmestelle.

Die Bauverwaltung wusste zwar, wie die Karten stehen. Aber die Stadträte versuchten immer wieder einen Bluff, um die Genehmigung zu verzögern, zu verweigern. Schließlich gelten Sportwetten als Glücksspiel und sind in Weiden nicht gerngesehen. Zudem liegt das Haus an prominenter Stelle, nämlich an der Zufahrt zum Parkdeck der Stadtgalerie. Und, schräg vis-à-vis gibt's bereits eine Spielhölle.

Die Stadträte zogen ihre Trümpfe, forderten einen neuen Stellplatznachweis. Um ihn zu erfüllen, fällt im Hinterhof des Anwesens an der Ecke Luitpold-/Sedanstraße ein Nebengebäude. Dann kommt die nächste Karte: Die Stadträte lassen prüfen, ob durch das Befahren der Stellplätze nicht auch der Verkehr in der Parkdeck-Zufahrt behindert wird. Experten geben Entwarnung. Nun soll ein Schallschutzgutachten klären, ob die Bewohner im Haus von der Sportbar mit Lärm belästigt werden. Nach kleineren Investitionen gibt es dann doch keine Bedenken. Zur Taktik gehörte ein wissentlich rechtswidrigen Bescheid, den die Stadträte wieder zurücknehmen und die Sportbar genehmigen müssen. Aber das alles kostet Zeit und Geld. Der Gastronom hat weder das eine noch das andere.

Er erstreitet von der Regierung sogar die Genehmigung für die Wettannahmestelle, vor der er sich ein lukratives Geschäft verspricht. Doch er hat sich dennoch verzockt. Denn über Monate sprudelten keine Einnahmen. Die Investition in das neue Geschäft und Altlasten begannen, den Gastronom zu erdrücken: Auf Rat seines Steuerberaters stellt er am 25. Mai den "Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen".

Heute darf er sich überraschend sogar so fühlen als hätte er den Jackpot geknackt: Sein Insolvenzverwalter Alexander Kießlich (Weiden) erteilte ihm die "Freigabe". Damit kann er selbstständig bleiben, mit Sportbar und Wettannahmestelle endlich Geld verdienen, Schulden tilgen. Und über das Insolvenzverfahren wird er in den nächsten sieben Jahren seine Altlasten los.
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