Reinhold "Boggie" Wildenauer war vor 50 Jahren bei den Beatles im Circus-Krone-Bau in München
Ringo Starr vom Schwedentisch

Die Beatles (von links) George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und im Hintergrund am Schlagzeug Ringo Starr, traten am 24. Juni 1966 in München im Circus Krone-Bau auf. Bild: Gerhard Rauchwetter/dpa
 
Von den "Fab Four" hat Reinhold Wildenauer nur Paul McCartney wiedergesehen: 1989 bei Pauls "World Tour" in der Olympiahalle. Bild: Helmut Kunz
 
Reinhold Wildenauer sitzt heute noch an den Drums, wie kürzlich beim Frühlingsfest beim Auftritt der "Rock Connection" in der "Knobberl-Hütte". Bild: Kunz

Der Tag, an dem die Beatles nach München kamen, beeinflusste auch Reinhold Wildenauers Leben nachhaltig. Wildenauer, heute Stadtrat in Weiden, war dabei, als John, Paul, George und Ringo am 24. Juni 1966 im Circus-Krone-Bau "I feel fine" sangen. Vor einem halben Jahrhundert.

Hören konnten er und seine Kumpels die "Fab Four" nur sporadisch. Die Musik ging im Gekreische der überwiegend weiblichen Fans unter. Wildenauer erinnert sich: "Wir sind schon drei Stunden vor Beginn mit dem Zug in München angekommen. Ein Riesen-Hype vor dem Circus Krone, der zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich besetzt war. Ein Riesenzirkus."

"Boggie" Wildenauer weiß auch noch ganz genau, wo er damals saß. "In der drittletzten Reihe, ziemlich zentral." Das sei auch der einzige Platz gewesen, wo man noch einigermaßen was hören konnte, weil der Sound ja nach oben ging. Unten bei den Mädels herrschte nur Geschrei. Wildenauer, damals 19, zählte schon zu den älteren Semestern und war als Kerl absolut in der Unterzahl. "Die meisten Besucher waren Mädels zwischen 13 und 18 Jahren."

Die Beatles traten bei ihrer "Bravo-Blitztournee" in München, Essen und Hamburg auf. Und in jeder Stadt gaben sie zwei Konzerte, jeweils um 17.15 Uhr und 21 Uhr. Wer als Vorgruppe auftrat, weiß "Boggie" nicht mehr. Nur, dass sie nicht schlecht waren und einen ähnlichen Sound spielten wie die Beatles.

"Rattles" in Weiden


Es waren Cliff Bennett & The Rebel Rousers, Peter & Gordon und The Rattles. "Genau, die Rattles waren das!" Und die kannte Wildenauer sogar persönlich. "Die haben in Weiden im Bayerischen Hof gespielt, als ich dort meinen 18. Geburtstag feierte. Ich durfte sogar ans Schlagzeug." Der "Bayerische Hof" in der Bahnhofsstraße wurde später als "Arosa-Alm" bekannt.

Als die Beatles in München auf die Bühne sprangen, setzte ohrenbetäubendes Geschrei der Mädels ein. "Hi, hi, hi. Yeah, yeah, yeah. Das kann man gar nicht richtig beschreiben." Wildenauer: "Damals haben wir das gar nicht so richtig erfasst. Erst viel später im Nachhinein haben wir die Dimension dieses Konzertes erkannt. Da dabei gewesen zu sein, war einfach gigantisch." Das war damals wie ein Film, der vor einem abgelaufen ist. "Irgendwie unwirklich."

Die Beatles spielten vor 3000 Zuschauern elf Songs in 30 Minuten. Darunter "Yesterday", "Paperback Writer" und "I wanna be Your Man". "Die hatten fast kein Equipment auf der Bühne, was uns erstaunt hat. Ein paar Vox-Verstärker, Vox-Boxen und dann war's eigentlich schon erledigt." Der Sound war natürlich nicht der von heute. "Es hat blecherner geklungen. Aber es hat stark geklungen. Der Gesang hat durchgestochen." Wildenauer: "Unbeschreiblich."

Boggie war damals schon Drummer. "Ich hab immer nur dem Ringo zugeschaut. Was macht der am Schlagzeug? Was machen die anderen? Erstaunt hat mich immer wieder der Paul, weil er ja als Linkshänder den Bass verkehrt rum spielte." Natürlich hat sich Wildenauer nach dem Konzert ein "Ludwig Drumset", wie es Ringo Starr spielte, angeschafft. "Ich hatte zwar wenig Geld, war gerade zur Bundeswehr eingezogen worden. Aber das Schlagzeug mit dem Perlmutt-Effekt musste her. Das war für mich das höchste." Seine Lieblings-Beatles waren Ringo und Paul. "Das waren für mich die eigentlichen Beatles."

Als die Beatles ihren Siegeszug antraten, war auch Weiden musikalisch im Umbruch, erzählt Wildenauer. "Wenn du gesagt hast, du machst Beat-Musik, bist du von den Leuten schief angeschaut worden." Andere gab's, die haben diese Musik verehrt ohne Ende. Wildenauer hieß damals auch noch nicht "Boogie", sondern "Beat". Sogar sein Arbeitgeber nannte ihn so. "Weil ich den typischen Ringo-Starr-Sound mit den Metallköpfen nachgetrommelt habe." Die ersten Proben mit der eigenen Band erfolgten im Hinterhof seines Elternhauses in der Wallensteinstraße. "Genauer gesagt in der Garage." Den typischen Beatles-Sound hörte er zum ersten Mal im Radio in "Sie wünschen". "Die Sendung kam jeden Mittwoch. Später dann am Freitag."


"Dann haben wir versucht, Stücke nachzuspielen." Beispielsweise "Twist and Shout". "Unser erster Auftritt war am Schwedentisch unterm Rundell", erinnert sich Wildenauer. Der sei inzwischen legendär. "Viele sagen heute noch: Ich kenn' dich vom Schwedentisch her. Du hast das Zeug von den Beatles gespielt." Das war gut durchdacht. "Die Leute sind mit ihrem Radl ins Schätzlerbad gefahren. Und als sie heimfuhren, haben wir sie abgefangen." Das Konzert begann um 16 Uhr. "Dadurch war die Hütte voll, der Biergarten voll. Riesenstimmung." Damals hieß es, die Combo wäre besser als die Beatles; "Was natürlich ein Krampf war."

"Unsere Verstärkeranlage von damals wäre heute eigentlich lächerlich. Wir haben drei Radios angestöpselt. Einen für den Gesang, einen für den Bass und einen für die Gitarre." Aber: "Es hat funktioniert und schlecht geklungen hat es auch nicht." Später habe sich die Band im Musikhaus Lindner einen 25-Watt-Monoverstärker gekauft. "Wir waren natürlich voll begeistert."

Die Texte hatten sich die Musiker vom Hinhören abgeschrieben. "Phonetisch, ja. Aber wir haben schon alle ein bisschen Englisch gekonnt, waren auf der Oberrealschule und Gymnasium. Eine Zeitlang wenigstens." Die Texte seien nicht alle astrein wiedergegeben worden. "Aber den Leuten hat's gereicht." Weil Wildenauers Vater bei der Bahn arbeitete, bekam sein Sohn Pfennigkarten und Freifahrtscheine, die er rege nutzte. "Wir waren damals relativ oft in München. Und zwar in Schwabing im PN-Hithouse. Dort haben wir Bands, wie die Hollies und die Animals gehört."

Als 1966 drei Wochen vor dem Konzert bekannt geworden sei, dass die Beatles nach München kämen, beschafften sich die Weidener Fans sofort Karten. "Wir waren happy ohne Ende." Der Eintrittspreis lag zwischen zehn und 25 Mark. "Was recht teuer war für die damalige Zeit." Beim Paul-McCartney-Konzert am Freitagabend, 10. Juni, im Olympiastadion war er trotz des gemeinsamen Erlebnisses vor einem halben Jahrhundert in München nicht dabei. "Vielleicht klappt es ein anderes Mal."

Damals haben wir das gar nicht so richtig erfasst. Erst viel später im Nachhinein haben wir die Dimension dieses Konzertes erkannt. Da dabei gewesen zu sein, war einfach gigantisch.Reinhold Wildenauer


Viele sagen heute noch: Ich kenn' dich vom Schwedentisch her. Du hast das Zeug von den Beatles gespielt.Reinhold Wildenauer
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