Rentnerin muss Lehrgeld zahlen
Streit um Mitgliedsvertrag mit einem Fitness-Studio

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Diese Erfahrung musste jetzt auch Marianne S. (57) machen. Eine Erfahrung, die sie teuer zu stehen kommt. Dabei ist die Frührentnerin auf jeden Cent angewiesen.

553,89 Euro plus Zinsen muss sie nach dem Urteil des Amtsgerichts Weiden an ein Fitness-Studio zahlen, mit dem sie am 25. Januar 2013 einen Mitgliedsvertrag abgeschlossen hat. Dabei war Marianne S. schon kurze Zeit später aufgrund ihrer psychischen und körperlichen Erkrankung nicht mehr in der Lage, diese Mitgliedschaft zu nutzen. Sie wollte sich nach eigenen Angaben Anfang Januar 2013 nur zum Reha-Sport anmelden, weil ein Orthopäde ihr das wegen Schulterschmerzen empfohlen hatte. "Das hätte auch die Kasse bezahlt." Die Studioinhaberin habe ihr jedoch zugleich zu einer Mitgliedschaft im Fitness-Studio geraten. Marianne S. hat nach eigenen Angaben vor Vertragsabschluss darauf hingewiesen, dass sie an psychogenen Lähmungen leide, die zu dieser Zeit allerdings schon fast ein Jahr lang nicht mehr aufgetreten seien. Natürlich habe sie auch auf ihre Schulterbeschwerden hingewiesen.

"Ihr alleiniges Risiko"


Genau das wurde ihr aber vor Gericht zum Verhängnis. Denn in ihrem Urteil kommt die Richterin zu dem Ergebnis, dass "damit zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bei der Beklagten bereits Erkrankungen vorlagen, denen das Risiko innewohnte, die vertragliche Leistung nicht in vollem Umfang nutzen zu können." Da Marianne S. in Kenntnis dieser Erkrankungen das Studio aufgesucht habe, "handelte es sich um ihr alleiniges Risiko", dass sie die Leistungen nicht mehr in Anspruch nehmen konnte, heißt es in der Urteilsbegründung. Also: Kein Grund zur außerordentlichen Kündigung.

"Ich war damals schon lange Zeit psychisch stabil und habe gedacht, das schaffst du schon", erklärt die 57-Jährige den Abschluss des Mitgliedsvertrags über 18 Monate. Doch schon beim ersten Rehasport-Termin eine Woche später habe sie gemerkt, dass sie das mit ihrer Schulter nicht machen könne. "Auch meine psychische Erkrankung ist dann wieder ausgebrochen. Deshalb hatte ich auch nicht die Kraft, gleich zu kündigen." Zum 6. Februar habe sie schließlich per E-Mail den Vertrag gekündigt. Für ihre Aussage, die Studioinhaberin habe ihr ein 14-tägiges Rücktrittsrecht eingeräumt, was die Gegenseite bestritt, ist sie laut Gericht den Beweis schuldig geblieben. Ebenso wie für den Vorwurf, sie habe keine Einweisung an den Geräten des Fitnessstudios erhalten.

Dass die ursprüngliche Forderung des Fitnessstudios von knapp 1000 Euro auf rund 560 Euro nebst Zinsen reduziert wurde, begründet das Gericht mit der missverständlichen Vertragsgestaltung, "so dass die exakten Kosten nicht eindeutig für den anderen Vertragsteil erkennbar sind".

Urteil ist rechtskräftig


Die im Urteil festgelegten Summen liegen für beide Parteien unter 600 Euro. Eine Berufung ist also nicht mehr möglich. Das Urteil ist damit rechtskräftig. Die Kosten für den Rechtsstreit muss die Inhaberin des Fitnessstudios zu 41 Prozent bezahlen, Marianne S. zu 59 Prozent.
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