Richard Grasser zählt zu den städtischen Mitarbeitern, die in Ruhestand gehen
Zwei Mal um die ganze Welt

Schafkopf und Fußball: Neben den dienstlichen kannten die Chefs auch die privaten Leidenschaften ihrer ehemaligen Mitarbeiter. 23 städtische Angestellte waren in den vergangenen zwölf Monaten in den Ruhestand getreten, 11 davon hatten sich zu der Abschiedsfeier im Rathaus eingefunden. Ihre Verdienste würdigten Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (links) und die zuständigen Dezernenten beziehungsweise deren Stellvertreter. Bild: Götz

Richard Grasser hat nachgerechnet: Als Fahrer bei der städtischen Müllabfuhr hat er praktisch zwei Mal die Welt umrundet. Erwin Lehner steht mit 46 Dienstjahren an der Spitze. Sie und neun weitere Kollegen verlassen "die Stadt".

Oder - wie es richtigerweise heißen muss - den städtischen Dienst, um künftig den Ruhestand zu genießen. Das wünschten den elf Frauen und Männern jedenfalls Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und die zuständigen Dezernenten beziehungsweise deren Vertreter bei der Feierstunde im großen Saal.

Mit dabei war auch Irina Barantschuk, die bereits 2008 aus städtischen Diensten ausgeschieden ist. Damals wurde sie bei der Abschiedsfeier aus unerfindlichen Gründen vergessen. Irma Bernst hatte sie deshalb am Montag kurzerhand mitgebracht. "Das finde ich mutig und richtig", lobte Seggewiß. Allen Scheidenden dankte er für ihre Treue zur Stadt. Dabei sei die Arbeit in der Öffentlichkeit nicht immer leicht: "Sie sind ständig auf dem Präsentierteller" und damit auch so mancher Kritik ausgesetzt.

Über 20 Jahre lang hat Christa Grundler als Sachbearbeiterin in der Regionalbibliothek für die Leser aus Stadt und Land gesorgt, sagte Markus Dippold von der Personalabteilung. "Sogar samstags." Sie habe mit dazu beigetragen, dass die "Regi" als Leuchtturm und Magnet über die Grenzen der Stadt hinaus wirke.

"Sie war eine Institution in der Stadtkämmerei." Kämmerin Cornelia Taubmann muss es wissen. Denn Adelgund Schreglmann war bis Ende 2015 Mitarbeiterin in der Beitragsabteilung und brachte es auf stolze 43 Dienstjahre. Dabei musste sie als Beitragssachbearbeiterin für Wasser und Abwasser große Fachkenntnis haben "und sich immer wieder auf Neuerungen einstellen."

Einen "ganz heiklen Posten" hatte Monika Bretschneider , meinten Seggewiß und Nicole Hammerl vom Rechtsdezernat. Denn wer Knöllchen verteilt, macht sich in der Regel keine Freunde. 13 Jahre lang war Monika Bretschneider für die Kommunale Verkehrsüberwachung unterwegs. "Sie hat ihre Aufgabe immer freundlich gemeistert". Auf 40 Dienstjahre kann Isolde Völkl zurückblicken. Dabei erwies sich die Verwaltungsangestellte als vielfältig einsetzbar. Sie war im Klinikum ebenso tätig wie in der Kfz-Zulassung, im Meldewesen und im Jugendamt. Nicole Hammerl: "Sie hat überall für gute Atmosphäre gesorgt."

Als "gute Seele im Rathaus" verabschiedete Baudezernent Hansjörg Bohm Georg Baumgärtner , seit Januar 1980 Hausmeister im Rathaus. "Wir werden Sie als hilfsbereiten, gutherzigen, fröhlichen Kollegen in Erinnerung behalten." Der auch "eine Art Botschafter für uns in Weiden am See ist", fügte Seggewiß hinzu.

Irma Bernst war als Reinigungskraft zunächst am "Kepler" und wechselte dann an die Gustl-Lang-Schule. Auch Irina Barantschuk war Reinigungskraft am Kepler-Gymnasium. Der OB zeigte die Schattenseiten auf: "Sie müssen zu ungünstigen Zeiten ran, abends, früh oder auch Samstagabend." Dabei sei es nicht immer erfreulich, was bei einer Turnhallenreinigung so alles auftauche.

1977 kam Johann Dietl an den Bauhof, übernahm Müllabfuhr, Winterdienst und war schließlich als Fahrer eines Kleinlastwagens "zur besonderen Verwendung" im Einsatz. Dietl schulterte zugleich Hausmeisterdienste im Bauhof, war als Personalrat aktiv und kandidierte einmal auch für den Stadtrat. Zwei Mal um die ganze Welt: Diese Strecke legte Richard Grasser bei der städtischen Müllabfuhr zurück. Während der Sperre in Kalkhäusl kutschierte er sogar Müll nach Frankreich. "Schafkopf ist seine heimliche Leidenschaft", verriet Bohm. "Einmal war er sogar für die Weltmeisterschaft in Las Vegas nominiert." Wieviel Blech er in städtische Lkw's und Maschinen verschweißt hat, kann Herbert Sammel nicht mehr sagen. Fest steht: in 32 Jahren müssen es Unmengen gewesen ein. Bohm: "Er hat jede Maschine repariert, die Bauchweh hatte."

Der Spitzenreiter kam zum Schluss: 45 Jahre war Erwin Lehner in der Abteilung Bauen und Wohnen tätig. Er legte noch ein Jahr nach, als er zwei nachfolgende Kollegen in einem "Spontanseminar" in ihre Arbeiten einführte und damit die von Bohm attestierte Hilfsbereitschaft, Fachkompetenz und soziale Ader untermauerte. "Sie haben die Stadt am Laufen gehalten", versicherte sein Chef. Jetzt könne sich der Fußballexperte seinen Hobbys widmen.

"Das ist heute kein Ende, sondern es beginnt ein neuer Lebensabschnitt", machte Personalratsvorsitzender Martin Legat den Ruheständlern klar. "Ich drücke die Daumen, dass es ein langer und glücklicher Lebensabschnitt wird."

Das ist heute kein Ende, sondern es beginnt ein neuer Lebensabschnitt.Ich drücke die Daumen, dass es ein langer und glücklicher Lebensabschnitt wird.Martin Legat, Personalratsvorsitzender
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