Rothenstädter Pfarrkirche braucht grundlegende Dachstuhl-Ertüchtigung
Hiobsbotschaft für St. Marien

Für Laien ist es nicht zu erkennen, trotzdem ist die Pfarrkirche St. Marien in einem bedenklichen Zustand. Der Dachstuhl muss dringend ertüchtigt werden. Bild: Dobmeier

Rothenstadt. Ein finanzieller Kraftakt stehe an, und dafür brauche es Unterstützung und Zusammenhalt, bat Pfarrer Heribert Englhard: Bei der Pfarrversammlung von St. Marien gab es schlechte Nachrichten über den baulichen Zustand der Kirche. Dabei hatte alles mit einem Routinevorhaben begonnen.

Im Zuge der in 20-jährigem Rhythmus stattfindenden Kirchenrenovierung, die eigentlich 2014/2015 angestanden wäre, hatten Statiker und Architekt Schäden festgestellt. Und zwar so schwerwiegende, dass die Tragfähigkeit der Decke nicht mehr gesichert sei. Eine Ertüchtigung des Dachstuhles sei dringend notwendig, um kein Risiko einzugehen.

Statiker Jürgen Krämer hatte massive Risse in der Decke bemerkt. Ursache könnte minderwertiges Holz gewesen sein, das beim Bau 1894 verwendet worden war, gepaart mit Feuchtigkeit unter der Decke. Es sei zu Schädlingsbefall gekommen. Zwar seien die Würmer schon länger erfolgreich eingedämmt worden. Aber niemand habe die geschwächten Balken ersetzt. Die Dachkonstruktion sei nach heutigem Stand um das 5,66-fache überlastet. Zur Ehrenrettung früherer Gutachter betonte Krämer, dass nach dem Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall inzwischen die Sensibilität gestiegen und die Sicherheitsvorschriften verschärft worden seien.

Architekt Armin Juretzka schlug als primäre Maßnahme vor, so schnell wie möglich ein Raumgerüst zu erstellen. Das lasse sich in vier bis sechs Wochen realisieren. Anschließend sollte man ein Systemgerüst mit Arbeitsplattform zwei Meter unter der Decke sowie mit Stützpfeilern an der Seite und im Mittelgang einziehen. Eine Kostenschätzung sei erst nach Abstimmung mit dem Baureferat, der Denkmalbehörde und der Diözese möglich. Für das Frühjahr 2017 solle dann die Dachsanierung folgen - unter Abnahme der Dachlast und der Ziegel (geschätzt 70 Tonnen) und bei Verwendung eines Schutzdachs.

Die Zuschüsse der Diözese belaufen sich auf 45 Prozent der Baukosten, der Rest bleibt Eigenanteil der Pfarrei. Bei der im Dezember 2013 installierten, 250 000 Euro teuren Orgel müssen die langen Pfeifen ausgebaut und die Orgel für die Zeit der Deckenrenovierung staubdicht gehalten werden.

Die Pfarrversammlung zeigte sich schockiert von den Nachrichten. Manche forderten, eine rechtliche Prüfung zu veranlassen, um zu klären, warum ein beauftragtes Statikbüro diese Schäden im Jahr 2013 nicht entdeckt hatte. Der damals verantwortliche Kirchenpfleger Hans Hiermaier stellte die Frage: "Warum haben wir die Orgel gekauft, wenn die Decke nun herunterkommt?"
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