Rückschläge bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz nutzen - In welchem Fall sich eine ...
Was Absagen aussagen

Nicht schon wieder eine Absage! Wer sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt, braucht Nerven wie Drahtseile. Oft genug liegen die Nerven jedoch blank, wenn das neue Ausbildungsjahr näher rückt und noch immer keine Stelle in Sicht ist. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, sollten erfolglose Bewerber ermitteln, warum sie gescheitert sind.

Jeder muss damit rechnen, Absagen zu bekommen - junge Leute, die 20 bis 30 Bewerbungen verschicken und dann gerade einmal zu vier Vorstellungsgesprächen eingeladen werden sind eher Durchschnitt denn Ausnahme. Das zeigen auch Statistiken des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Enttäuschungen sind da programmiert. "Die Kandidaten müssen sich ein dickes Fell angewöhnen", sagt Heinz Oberlach von der Bundesagentur für Arbeit. Nur hilft das allein nicht weiter. "Man muss sich genau fragen: Woran liegt es, was kann ich besser machen?", sagt Peter-Werner Kloas, Berufsbildungsexperte beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Warum denn Absage?


Wer Antworten darauf im Ablehnungsschreiben sucht, steht aber vor dem nächsten Problem: "Die Firmen reden in den seltensten Fällen Klartext über mangelnde Bewerberqualifikationen", sagt Peter-Werner Kloas. Stattdessen verschicken sie nach Worten von Heinz Oberlach in aller Regel Textbausteine.

"Da heißt es dann zum Beispiel: Aufgrund der Vielzahl an Bewerbungen können wir Sie leider nicht berücksichtigen." Das hilft niemandem weiter.

Ob es sich lohnt, auf eine solche Standardabsage hin bei der Firma nach einem Grund zu fragen, hängt stark vom Einzelfall ab: Gerade bei großen Unternehmen ist es den Experten zufolge selten sinnvoll, beim kleinen Handwerksbetrieb kann es sich dagegen lohnen.

"Ich würde mich kritisch hinterfragen, warum es nicht geklappt haben könnte. Und wenn ich dann zu keinem Ergebnis komme, würde ich nachfragen", rät Kloas.

"Wenn man berechtigterweise meint, dass man eine große Chance gehabt haben müsste, die nächste Bewerbungsrunde zu erreichen, kann man nachhaken", empfiehlt auch Timo Parra von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Vielleicht erinnert sich der Verantwortliche ja an die Bewerbung und kann sagen, dass dies und das nicht gepasst hat."

Wichtig ist es, sich die zurückgesandte Bewerbung anzuschauen. "Es gibt Leute, die Unterlagen erneut verschicken, in die sich schon ein Personalverantwortlicher Notizen gemacht hat", sagt Oberlach. Andere schreiben nicht klar genug, warum gerade sie wie geschaffen für die ausgeschriebene Lehrstelle sind.

Helfen kann es, einen Berufsberater der örtlichen Arbeitsagentur um Rat zu fragen. "Vielleicht sagt der, dass der Lebenslauf aussieht wie Kraut und Rüben", sagt Oberlach.

Wer mit seiner schriftlichen Bewerbung immer wieder abblitzt, wird und muss sich irgendwann fragen, ob er mit der angepeilten Ausbildung nicht doch daneben liegt.

Allerdings darf er sich auf keinen Fall zu schnell aus der Ruhe bringen lassen, rät Kloas: "Wenn das ein ganz gefestigter Berufswunsch ist und man ihn zum Beispiel durch Tests untermauert hat, würde ich auch nach 15 Absagen nicht aufhören."

Anders sieht es bei Jungs und Mädchen aus, die schon zu mindestens einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurden und danach eine Absage bekommen haben. Sie müssen laut Timo Parra meist nicht mehr über eine Umorientierung hin zu einem anderen Beruf nachdenken: "Wenn jemand zu einem Gespräch eingeladen wird, nimmt sich der Verantwortliche Zeit - und das macht er nur, wenn der Bewerber für ihn interessant ist."

Warum war der andere Bewerber besser?


Im Gegensatz zur Absage auf eine schriftliche Bewerbung heißt es hier in jedem Fall, nachzuhaken - eventuell sogar schon, wenn sich das Unternehmen zum vereinbarten Termin noch nicht gemeldet hat. Ein bisschen freundliche Hartnäckigkeit kann dabei nicht schaden: "Wenn es nur heißt, ein anderer war besser, sollte man fragen, was genau er besser gemacht hat", rät Timo Parra.

Außerdem sollten Gescheiterte überlegen, ob sie sich ungeschickt verhalten haben. Das gilt vor allem, wenn schon mehrere Gespräche schief gelaufen sind: "Bin ich unglaublich nervös, neige ich zum Monologisieren?" Vielleicht wären Fragen zur Firma gut gewesen, die Interesse signalisieren - oder eine schlagfertigere Antwort auf eine Frage des Gegenübers.

Hier hilft Training: "Gewisse Fragen kommen immer wieder, die stehen in jedem Bewerbungsbuch", sagt Parra. Und mit Freunden lassen sich Gesprächssituationen nachstellen.

Überhaupt kommt es auf Austausch an - je frustrierender der Verlauf der Bewerbungsphase, desto mehr: "Kein Kandidat sollte das mit sich selbst ausmachen, denn psychologisch läuft da ja etwas ab, das nicht förderlich ist", sagt Heinz Oberlach von der Bundesagentur.

Auch wer es schafft, die Absage nach einem Vorstellungsgespräch als Teilerfolg zu verbuchen - weil er immerhin eingeladen wurde -, ist laut Parra auf dem richtigen Weg: "Eine positive Grundhaltung ist ganz wichtig, denn die transportiert man weiter." (tmn)
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