Sapnnende Beobachtungen in Weidens guter STube
Brunnenspiele

Von Peter Tamme

Weiden. Wer sich die Muße nimmt, in Weidens guter Stube am Mauermann-Brunnen badende Tauben, aufgeregte Hunde, begeisterte Kinder und rätselhafte Buchstaben entziffernde Touristen zu beobachten, fragt sich unwillkürlich: Wie haben es der Untere Markt und seine Menschen die vergangenen Jahrhunderte ohne dieses attraktive Bronzekunstwerk mit seinem unablässig rauschenden Wasservorhang überhaupt ausgehalten?

Der berühmte Forscher Konrad Lorenz hätte hier im Sommer auf seine Graugänse verzichten können. Unzählige Verhaltensweisen sind aus allernächster Nähe zu studieren, vor allem die der Kinder und ihrer Erziehungsberechtigten. Je nachdem, ob es sich um antiautoritäre Väter, vorsichtige Mütter oder nachgiebige Großeltern handelt, nähern sich die Kleinen ängstlich, forsch oder neugierig mit offenen Mündern, ausgestreckten Fingern und strahlenden Augen dem feuchten Wunder. Die meisten umrunden zunächst angespannt den kreisrunden Teichersatz. Dann tauchen die einen behutsam flache Hände oder gekrümmte nackte Zehen ins Wasser, während andere nonchalant mit Söckchen und Schuhen hineintreten - die Mama wird's schon richten. Und wenn der erste mutige Bub schnell durch den Wasserschleier hindurchläuft, sich mehrere Kinder schreiend gegenseitig nass spritzen oder gar ein Mädchen auf dem Fahrrad mit der kleinen Schwester auf dem Gepäckträger diagonal unter dem Bogen hindurch fährt, gibt es kein akustisches Halten mehr.

Da heult, quietscht und lacht es so laut und ansteckend, als ob eine wohlgesonnene Zauberin den Unteren Markt ins Schätzlerbad verlegt hätte. Dort dürfen aber nicht wie hier die Hunde ins Wasser. An diesem Brunnen dagegen stillen die Zamperl ihren Durst und schütteln sich nach einem kurzen Bad so heftig, dass die Besucher der Straßencafés beim Zuschauen ein paar Wasserspritzer abbekommen. Nur die Schoßhündchen bleiben trocken, weil sie der Sache nicht trauen oder weil sie sich nicht zu den sich plusternden Tauben gesellen dürfen.

Schließt der Beobachter dann die Augen und hört nur noch das rauschende Wasser mit dem fröhlichen Kinderlärm, bekommt er richtige Piazzagefühle. Und er genießt das Wissen, dass Mailand und Venedig, geografisch näher liegen als Helgoland und Westerland.
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