Scheidung und ihre Folgen für die Kinder:
Teenager kommen damit eher klar

Rechtsanwältin Dr. Christiane Bardenheuer (rechts) sowie Familien- und Unternehmenscoaching Iris Müller beleuchteten das Thema Scheidungskinder aus juristischer und von sozialpsychologischer Seite. Bild: Bühner

2014 gab es in Deutschland 134 800 minderjährige Kinder, die von einer Scheidung betroffen waren. "Kinder zwischen 8 und 13 Jahren leiden unter einer Scheidung der Eltern am meisten", sagte Dr. Christiane Bardenheuer, Fachanwältin für Familienrecht. Zusammen mit der Expertin für Familien- und Unternehmenscoaching, Iris Müller, hatte sie zum Vortragsabend "Scheidung, als Paar getrennt - als Eltern vereint" eingeladen.

Recht auf Umgang


Dass die Formulierung "als Eltern vereint" in vielen Scheidungsfällen nicht zutrifft, zeigte Dr. Bardenheuer den Zuhörern gleich zu Beginn auf. Was der Gesetzgeber als Erwartung vorgebe, werde oft nicht erfüllt. So steht zum Beispiel im Bürgerlichen Gesetzbuch: "Das Kind hat ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil, jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt." Das gemeinsame Sorgerecht werde bei Scheidung nicht automatisch aufgehoben. Solle von diesen Regelungen abgewichen werden, müsse der Richter entscheiden.

Zentraler Begriff in der Rechtsprechung sei "das Kindeswohl". Sei das Kindeswohl gefährdet, müssten Eltern "ihre Rechte abgeben". Da ein Richterspruch fast immer auch "subjektiv" sei, wäre eine vorherige außergerichtliche Einigung sehr oft die bessere Lösung. Mediatoren oder Beratungsdienste könnten dabei helfen, dass es nicht so weit kommt. "Leider betreffen heutzutage die meisten Rechtsstreitigkeiten das Sorgerecht und das Umgangsrecht. Früher war es das Unterhaltsrecht." Von einer Betreuung des Kindes gleichzeitig durch beide Elternteile riet die Anwältin aufgrund ihrer Erfahrung ab.

Aus sozialpsychologischer Sicht empfahl Iris Müller Lösungen, die möglichst viele Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen. "Kinder brauchen beständige Beziehungen, Sicherheit, Zukunftsvertrauen, Strukturen und vieles mehr." Im Idealfall sollten Eltern, die sich trennen, eine "Arbeitsgemeinschaft" bilden. "Getrennt leben, aber gemeinsam erziehen, kennzeichnet die glückliche Scheidungsfamilie." Kinder müssten ihr Recht verwirklichen können, beide Elternteile zu lieben. Ganz wichtig sei auch, den Kindern zu sagen, sie seien an der Trennung nicht schuld. Patentrezepte gebe es nicht. Für Elternteile, die Verabredungen treffen wollen, ohne persönlich zu kommunizieren, empfahl Iris Müller www. umgangskalender.de. "Wenn der Konflikt nicht gelöst wird, nimmt das Kind Schaden." Notfalls gelte: "Wer sein Kind liebt, gibt nach".
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